• vom 23.10.2012, 18:19 Uhr

Stadtpolitik

Update: 23.10.2012, 18:24 Uhr
  • Artikel
  • Kommentare (4)
  • Lesenswert (15)
  • Drucken
  • Leserbrief
  • Empfehlen/Teilen



11,85 Milliarden Euro Einnahmen stehen im Voranschlag 2013 Ausgaben von 12,22 Milliarden Euro gegenüber

Nulllohnrunde als Schonfaktor?



  • Wiener Budget 2013 mit einer Neuverschuldung von 369 Millionen.

Wien. (rös) Es sind immerhin 369 Millionen an neuen Schulden, die die Stadt Wien in ihrem Budgetvoranschlag für 2013 erwartet. Mit Jahresende 2012 wird der Gesamtschuldenstand der Stadt damit bei 4,34 Milliarden Euro liegen, erklärte Finanzstadträtin Renate Brauner am Dienstag in Wien.

Für Renate Brauner sind die Schulden "bewältigbar".

Für Renate Brauner sind die Schulden "bewältigbar".© David Bohmann / PID Für Renate Brauner sind die Schulden "bewältigbar".© David Bohmann / PID

Das bedeutet, dass im kommenden Jahr mit Einnahmen von 11,85 Milliarden Euro gerechnet wird und mit Ausgaben von 12,22 Milliarden Euro. Dabei werden für 2013 Schoneffekte erwartet - etwa durch die Nulllohnrunde der Rathaus-Beamten, die in das Budget bereits mit einberechnet wurde, wie Brauner erklärte. Demnach würde eine Gehaltssteigerung von 1 Prozent (auf welche die Beamten verzichten müssten) rund 30 Millionen Euro an Einsparungen bringen. Die Nulllohnrunde ist damit endgültig fix - trotz vorangegangener Skepsis beim grünen Koalitionspartner. Schließlich habe sich Wien immer an die Vereinbarungen auf Bundesebene gehalten - selbst bei teils saftigen Lohnerhöhungen in der Vergangenheit, "die nicht einfach zu schlucken waren", so Brauner.

Werbung

Ein Mehr an Einnahmen erwartet man sich wiederum aus anderen Quellen, wie etwa aus der U-Bahn-Steuer, die rund 40 Millionen zusätzlich bringen sollte. Für die Erhöhung der Parkschein-Gebühren werden rund 66 Millionen extra prognostiziert, hieß es gegenüber der "Wiener Zeitung".

Trotz der hohen Verschuldung spricht Brauner dennoch von einem "maßvollen" Voranschlag. Schließlich gelte es, die "antizyklische Wirtschaftspolitik in Zeiten der Krise" weiter zu betreiben, wie Brauner nicht müde wird zu betonen: Sie will die Stadt aus der Krise "hinausinvestieren". Außerdem entspreche die Verschuldung nur einem Drittel des Gesamtbudgets, ist die Politikerin um Relativierung bemüht: "Vergleicht man das mit einem Haushalt, der 30.000 Euro im Jahr zur Verfügung hat und mit 10.000 Euro verschuldet ist, dann ist das bewältigbar", meinte Brauner.

Zudem nehme man im kommenden Jahr weniger zusätzliches Geld auf als heuer: Für das Jahr 2012 ist ein zusätzliches Kreditvolumen von 400 Millionen Euro budgetiert. Bis 2016 will die Stadt Wien dann die Neuverschuldung gegen null drosseln, um im Anschluss wieder Schulden zurückzahlen zu können.

Sparen durch Verschlanken



Mit 11,85 Milliarden Euro fallen die prognostizierten Einnahmen 2013 insgesamt um rund 420 Millionen Euro höher aus als 2012. Das Ausgabenniveau steigt mit 12,22 Milliarden Euro um 390 Millionen Euro gegenüber heuer. Der Maastricht-Saldo liegt 2013 bei einem Defizit-Wert von 346,67 Millionen Euro. Durch einen "strengen Budgetvollzug" sollen die Vorgaben des Stabilitätspakts erfüllt werden, versicherte Brauner. Einsparen will man durch Einzelmaßnahmen wie Strukturreformen und Effizienzsteigerungen, so Brauner.

Und das Geld, das man ausgeben will, werde laut Brauner "nicht verjuxt", sondern wachstumssteigernd investiert: Die Gesamtinvestitionen der Stadt und ihrer Töchterunternehmen werden um 188,38 Millionen auf 2,87 Milliarden Euro steigen. Mehr Geld will man auch für nachfragewirksame Ausgaben - Straßenerhalt oder Materialanschaffung - ausgeben, nämlich 4,61 Milliarden statt heuer 4,42 Milliarden Euro. Für das Bau-und Baunebengewerbe sind 1,78 Milliarden Euro vorgesehen. 2012 waren es 1,74 Milliarden.

"Schulden verdreifacht"
Ansonsten entfallen die größten Brocken einmal mehr auf Gesundheit, Soziales und Bildung. Den ersteren Sektor lässt sich die Stadt 3,34 Milliarden Euro kosten. Für Schule und Bildung sind 1,82 Milliarden Euro vorgesehen, wobei auf die Kinderbetreuung rund 630 Millionen Euro entfallen. Ein leichter Anstieg wird auch beim städtischen Personalstand angekündigt, der sich um 250 auf dann 58.825 Mitarbeiter erhöhen wird. Ein großer Teil der Neuaufnahmen betrifft laut Brauner die Kindergärten.

Der Budgetvoranschlag 2013 wird am 19. und 20. November im Wiener Gemeinderat diskutiert und von der rot-grünen Stadtregierung beschlossen. Die Opposition wird traditionell dagegen stimmen - so kritisierte etwa FPÖ-Klubchef Johann Gudenus schon im Vorfeld, dass es Brauner gelungen sei, die Schuldenlast der Stadt in nur fünf Jahren zu verdreifachen. ÖVP-Klubobmann Fritz Aichinger forderte wiederum die Umsetzung der Bundesregelung bei Beamtenpensionen und eine Kostenoptimierung in den städtischen Spitälern, um von dem Schuldenberg wieder herunterzukommen.




Schlagwörter

Budget

4 Leserkommentare




Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Online-Nutzungsbedingungen an.


captcha Absenden

* Pflichtfelder (E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht)



Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2013
Dokument erstellt am 2012-10-23 18:23:11
Letzte Änderung am 2012-10-23 18:24:36


Beliebte Inhalte



Schütze Bosko Rasovic trainiert fünfmal pro Woche. S. Jenis
  • Rund 24.000 Wiener haben eine Waffenbesitzkarte.
  • weiter

Aufräumen: Die Freiwilligen bargen am 5. Mai rund 100 Fässer (l.). Die Via Donau holte bis Freitag 320 "Auftriebskörper" aus dem Wasser, eine Ölsperre wurde errichtet (r.).
  • In der Alten Donau gammeln hunderte alte Fässer vor sich hin - manche von ihnen enthalten Giftstoffe.
  • weiter

Wer liegt denn da, fragen sich einige Wiener bei der Volksanwaltschaft. - apa
  • 114 Missstände konnten im Jahr 2012 festgestellt werden.
  • weiter

Hier wird vereint, was vor ein paar Jahren für Kopfschütteln sorgte. - Mazak
  • Am 23. Mai eröffnet die Wohngemeinschaft offiziell ihre Pforten.
  • weiter

Kein Copyright auf seine Gesten hat Charles alias Wolfgang Amadeus Mozart. - Luiza Puiu
  • Der Kodex der Straße ist Geschichte, heute kämpft jeder gegen jeden.
  • weiter

Volksschulwand vorher (links) und nachher (rechts) - Bild: Andreas Praefcke An einer Volksschule in Wien mussten nach dem Protest der Mutter einer Schülerin die Kreuze in allen Klassenzimmern entfernt werden...weiter

Schütze Bosko Rasovic trainiert fünfmal pro Woche. S. Jenis
  • Rund 24.000 Wiener haben eine Waffenbesitzkarte.
  • weiter

Eine erste Teststrecke beim Westbahnhof wurde grün angemalt. - APAweb / Georg Hochmuth
  • City-Chefin Stenzel: Grüne geben Steuergelder für Parteiwerbeaktion aus.
  • weiter

Neben Rot soll es auch Grün auf den Radwegen geben. - apa
  • Fußgängerbeauftragte plädiert für mehr Rücksichtnahme.
  • weiter

Absperrungen auf dem Heldenplatz soll es heuer erstmals nicht geben. - apa
  • Anstelle des Aufmarschs der Burschenschafter wird der Heldenplatz am 8. Mai zum Konzerttag.
  • weiter




Werbung



Oliver Rathkolb, Leiter der Historikerkommission zu Straßennamen, im Interview

Straßennamen im Umbruch

Umbenannt. Der Dr.-Karl-Lueger-Ring heißt seit Juli 2012 Universitätsring. Der Lueger-Platz bleibt als Reibebaum. - PID/Schaub-Walzer Wien. Es sind 4200 Straßennamen, die die Historikerkommission rund um Oliver Rathkolb nach problematischen Namen durchforsten muss... weiter


100. Todestag von Karl Lueger: Reformer, Populist und Antisemit, bewundert und angefeindet

Umstrittener Modernisierer

2012karllueger2 - Wiener Zeitung / Andreas Urban Man muss kein Prophet sein, um die Chancen auf eine Umsetzung der Pläne skeptisch zu beurteilen. Alle Jahre wieder fordern Initiativen die... weiter


US-Historiker John W. Boyer im Interview zum 100. Todestag des legendären Wiener Bürgermeisters Karl Lueger

Der Anfang vom einfärbigen Wien

2012karllueger - Wiener Zeitung / Andreas Urban Darüber hinaus avancierte Lueger mit der Gründung der Christlichsozialen Partei zu einem der Architekten des späteren österreichischen... weiter




Frankreich: Amandine Bourgeois - "L'enfer et moi"

Der Teil einer Installation des pakistanischen Künstlers von Imran Qureshi im Metropolitan Museum in New York. Die letzten Stufen werden noch eingekleidet, und dann kanns los gehen:

18. 5. 2013: Ein lesbisches Paar in Myanmar: Der "Internationale Tag gegen Homophobie" geriet weltweit zu einem bunten und eindringlichen Protest gegen Diskriminierung. Noch herrscht auf der Croisette vor dem Palais des Festivals in Cannes die Ruhe vor dem Sturm.

Werbung