• vom 05.03.2014, 06:00 Uhr

Stadtpolitik


Wohnen in Wien

Wieviel Wohnraum braucht der Wiener?




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Von Christian Rösner

  • Laut Wohnbauressort ermöglicht geförderter Wohnbau günstigere Mieten als die Rückkehr zum Gemeindebau
  • Der Flächenbedarf pro Kopf ist seit den 1970ern um 15 Prozent gestiegen.

In Smart-Wohnungen wird auf 100 Quadratmetern das untergebracht, wofür man früher 120 Quadratmeter gebraucht hat.

In Smart-Wohnungen wird auf 100 Quadratmetern das untergebracht, wofür man früher 120 Quadratmeter gebraucht hat.© PID In Smart-Wohnungen wird auf 100 Quadratmetern das untergebracht, wofür man früher 120 Quadratmeter gebraucht hat.© PID

Wien. Lag der pro Kopf Wohnbedarf in den 1970er Jahren noch bei 25 Quadratmetern, so beträgt er heute bereits 38. "Und wenn jemand heute eine Wohnung sucht, dann wünscht er sich 42 bis 45 Quadratmeter pro Kopf", erklärt Wohnbaustadtrat Michael Ludwig in einem Gespräch mit der "Wiener Zeitung" - und bezieht sich dabei auf Zahlen der Wiener Wohnbauforschung. "Und das hat natürlich auch Auswirkungen auf Platzbedarf, Energieverbrauch, Betriebskosten und Versicherung - eine Entwicklung, der man heute beim Wohnbau Rechnung tragen muss." Denn günstig wohnen will heute noch immer jeder.

Soziale Durchmischung
Vor allem gelte es, den sozialen Wohnbau an diese Begebenheiten anzupassen. Schließlich kann sich nicht jeder Wiener eine große Wohnung leisten. Und auf der grünen Wiese große Wohnblöcke mit leistbaren Wohnungen à la Großfeldsiedlung zu errichten, ist auch keine zeitgerechte Lösung mehr. Das Stichwort laute heute mehr denn je: soziale Durchmischung. Zumindest im Bereich des geförderten Wohnbaus kann darauf Rücksicht bzw. entsprechender planerischer Einfluss darauf genommen werden. Aber während die einen am Ideal der sozialen Durchmischung festhalten, begrüßen andere heimlich die Gettobildungen in den alten Wohnsilos und träumen weiterhin vom Eigenheim am Stadtrand, wo man "unter sich" bleibt. Eine Herausforderung für die Stadtplaner angesichts einer wachsenden Stadt, deren Bewohner heute ganz andere Bedürfnisse haben als noch vor 40 Jahren. "Man muss heute in Regionen denken", betont Ludwig. Wenn jeder sein eigenes Ding macht, ohne auf den anderen zu achten, dann führe das zu Wohnbauten ohne öffentliche Anbindung, zu Einkaufszentren, die urbane Grätzel zerstören, und zur Vergrößerung der Schere zwischen Reich und Arm.


Also sollte das Wohnangebot so attraktiv gestaltet werden, dass man auch gerne auf das Wohnen am Stadtrand verzichtet, um dem urbanen Leben den Vorzug zu geben. Das wiederum erfordert Qualität und Flexibilität - aber vor allem Leistbarkeit. Aus diesem Grund setzt man auf den geförderten Wohnbau: Unter bestimmten Kriterien vergibt die Stadt günstige Grundstücke an Bauträger, die sich dazu verpflichten müssen, günstige Wohnungen zu errichten. Die Hauptkriterien dafür lauten hier: Ökonomie, Planung und Architektur, Ökologie - und seit 2008 auch "soziale Nachhaltigkeit". Ergänzend gibt es auch die Wiener Wohnbauinitiative, wo derzeit sechs Konsortien, jeweils bestehend aus einer Bank, einer Versicherung und einem Bauträger leistbare Wohnungen mit gesicherten Mieten errichten. Derzeit befinden sich 14.000 geförderte Wohnungen in Bau.

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Copyright © Wiener Zeitung Online 2017
Dokument erstellt am 2014-03-04 17:47:04
Letzte ńnderung am 2014-03-04 18:23:05



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