• vom 13.11.2014, 17:46 Uhr

Stadtpolitik

Update: 17.11.2014, 11:55 Uhr

Fußgängerzone

Doch nicht so grün




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Von Ina Weber

  • Fußgänger- und Begegnungszone Mariahilfer Straße: Größter Abschnitt wird am Freitag eröffnet.

Neu umgebaute "Mahü" trifft mit dem geschlossenen Slama auf Leerstandsproblematik. - © Stanislav Jenis

Neu umgebaute "Mahü" trifft mit dem geschlossenen Slama auf Leerstandsproblematik. © Stanislav Jenis

Wien. Die graue Jahreszeit trägt nicht unbedingt dazu bei, die Freude auf etwas Neues in der Stadt zu heben. Beim ersten Anblick der neuen Mariahilfer Straße sticht auch sehr schnell der überwiegend graue Beton ins Auge. Mehr Platz, aber auch viel Betonfläche prägen das Bild. Die Stadt eröffnet am Freitag, die neue Fußgängerzone und die erste in Angriff genommene Begegnungszone in voller Pracht. Die Stemmer, Bohrer und Schweißer, die über Wochen vor allem von den Geschäftsleuten erduldet werden mussten, haben ihren Platz geräumt. Bei der ersten Autoeinfahrt auf die neue Begegnungszone beäugen sich Autofahrer, Fußgänger und Straßenkehrer mehr als kritisch.

Von der Kaiserstraße bis zur Kirchengasse

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Von der Kaiserstraße bis zur Kirchengasse verläuft der erste große Abschnitt. Im Jahr 2015 kommt dann jener Teil noch an die Reihe, der vom Getreidemarkt bis zur Kirchengasse verläuft. Als grünes Prestigeprojekt hat Wiens neue Fußgängerzone vergleichsweise wenig grün. Die Pflänzchen in den Trögen müssen erst wachsen. Zu den bereits vorhandenen 125 Bäumen sind keine mehr dazugekommen. "Wegen der darunter fahrenden U-Bahn konnten keine neuen gepflanzt werden", sagt Markus Rumelhart (SPÖ), Bezirksvorsteher des 6. Bezirks, zur "Wiener Zeitung". Dafür ist laut Neubauer-Bezirksvorsteher Thomas Blimlinger (Grüne) zu wenig Platz. Denn die U-Bahn direkt unter der Straße lasse wenig Luft nach oben. 5 Lounges, 4 Wassertische, 82 Sitzgelegenheiten, WLAN und Pflanztröge wurden errichtet.

Auch die Proteste gegen die neue Fußgängerzone sind weitgehend abgeklungen. Schon jetzt gewöhnt man sich an das neue Bild. Autos sind für viele gar nicht mehr vorstellbar. Gemeckert wird allerdings noch immer. "20 Minuten brauche ich, um nach Hause zu kommen", hört man den einen oder anderen Anrainer sagen. Für die Grünen ist das eine Gewohnheitssache. "Verkehrsveränderungen müssen sich immer erst einspielen", so Blimlinger zur "Wiener Zeitung". Damit kommen die Grünen auch ihrem Wunsch näher, weniger Autos in der Stadt zu haben. "Immer mehr stellen sich die Frage, ob sie ein eigenes Auto überhaupt brauchen", so der Neubauer Bezirksvorsteher, der selbst kein Auto mehr hat.

Bezirksvorsteher sagen "Ja" zur Leerstandsabgabe
Dass die große Geschäftsstraße verstärkt zur Bekleidungsstraße wird, zeichnet sich bereits ab. Allerdings hat sich das im Laufe der Jahrzehnte immer wieder auf der Mariahilfer Straße verändert. Vor allem der Online-Handel macht den Geschäften zu schaffen. "Die Leute lassen sich in den Geschäften vielleicht noch beraten und gehen dann nach Hause, um das Produkt im Internet zu bestellen", so Blimlinger. Das sei ein großes Problem für den traditionellen Handel.

Erste Fußgängerzone, "die nicht funktionieren würde"
"Firmen, die sich nicht modernisiert haben, mussten zusperren", sagt Blimlinger zur Mariahilfer Straße, die auch immer wieder von Leerständen gezeichnet ist. "Das wäre aber die erste Fußgängerzone der Welt, wo die Geschäfte nicht funktionieren." Er befürwortet dennoch eine Leerstandsabgabe. Neun von zehn Hauseigentümern würden ihre Räume bewusst leer stehen lassen, weil sie spekulieren, sagt er.

Neben Blimlinger zeigt sich auch Rumelhart interessiert. "Eine Abgabe für leerstehende Geschäftslokale ist ein sehr interessanter Ansatz, der weiterverfolgt werden soll." Zustimmung gab es gestern, Donnerstag, auch von ganz oben. Bürgermeister Michael Häupl ließ via Medien ausrichten, dass auch er sich eine Leerstandsabgabe durchaus vorstellen kann. Einen Schritt weiter geht Christoph Chorherr von den Grünen. In einem "Falter"-Interview spricht er sich für eine Art "Enteignung" von Boden mit dem bereits vorhandenen Wiener Bodenbeschaffungsgesetz aus. "Die Kommune ist nicht gezwungen, jeden noch so horrenden Preis für Stadtflächen zu bezahlen", sagt er. Beim Bau einer Bahnanlage hätte die Stadt auch Vorkaufsrechte.

Einer Fülle an Geschäften steht mit der Eröffnung der neuen Mariahilfer Straße nun nichts mehr im Wege. Auch eine alte Fußgängerzone konnte sich gestern, Donnerstag, über eine Eröffnung freuen. Die Sanierung der Meidlinger Hauptstraße ist abgeschlossen und verfügt nun ebenfalls über Wasserbecken und WLAN.




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Dokument erstellt am 2014-11-13 17:50:06
Letzte nderung am 2014-11-17 11:55:52



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