• vom 15.12.2014, 17:30 Uhr

Stadtpolitik

Update: 16.12.2014, 10:20 Uhr

Leerstand

Die Politik des leeren Raums




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Von Barbara Sorge

  • IG Kultur Wien fordert konkrete Schritte beim Leerstand. Agentur soll im ersten Quartal 2015 vorgestellt werden.

Leerstand: unbelebt, finster - und für die IG Kultur Wien vor allem Ausdruck eines sozialen Ungleichgewichts.

Leerstand: unbelebt, finster - und für die IG Kultur Wien vor allem Ausdruck eines sozialen Ungleichgewichts.© apa/Hochmuth Leerstand: unbelebt, finster - und für die IG Kultur Wien vor allem Ausdruck eines sozialen Ungleichgewichts.© apa/Hochmuth

Wien. Der Wiener Vorwahlkampf und die laufenden Debatten über steigende Mietkosten haben dem Thema "Leerstand" ein breites Publikum gebracht. Schon seit mehreren Jahren setzt sich die IG Kultur Wien als Interessensvertretung freier Kulturarbeiter mit leer stehenden Räumen in der Stadt auseinander und fordert deren Öffnung. So wurde der Leerstandsmelder geschaffen und gemeinsam mit der TU Wien die dreiteilige Studie "Perspektive Leerstand" erstellt.

Information

Erschienen ist das Buch im Verlag edition mono/ monochrom unter der Creative Commons Lizenz und daher auch als online Version gratis downloadbar unter wergehtleeraus.igkulturwien.net.

Unter leerstand@igkulturwien.net kann es für 15 Euro (incl. Versandkosten österreichweit) bestellt werden.

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Aktuell will sich die IG Kultur mit zwei Petitionen an den Wiener Gemeinderat und an den Nationalrat in die politische Diskussion einbringen. "Beide Petitionen haben mehr als die erforderlichen Unterschriften erreicht", sagte Willi Hejda von der IG Kultur Wien am Montag im Rahmen einer Pressekonferenz. Damit wird die Petition auf Bundesebene in Kürze offiziell zum Unterzeichnen freigeschaltet.

Behandlung im Wiener Petitionsausschuss
Was die Wiener Petition anbelangt, so rechnet Hejda damit, dass diese Ende Jänner im Petitionsausschuss behandelt wird und er die Möglichkeit bekommt, dort die Anliegen genauer zu erläutern. Auf jeden Fall erwarte er sich konkrete Aussagen der verantwortlichen Politiker. Denn das städtische Leerstandsmanagement sei eigentlich im rot-grünen Regierungsübereinkommen 2010 festgelegt worden. Die "Agentur für Zwischennutzungen", wie sie im Bereich "Kultur und Wissenschaft" genannt wird, sollte "aktiv Meldungen über Leerstände von städtischen, bundeseigenen oder privaten Räumen" sammeln, auf Anfrage anbieten und so "kulturelle Freiräume und Zwischennutzungen von leerstehenden Gebäuden, Brachflächen und Baulücken" ermöglichen. "Davon ist noch nichts zu sehen", so Hejda. Außerdem werde hinter verschlossenen Türen verhandelt: "Es passiert keine wirkliche Einbindung von denen, die sich auskennen." Er fordert einen Nutzerbeirat, der mitbestimmt, wie die Schnittstelle ausschauen soll.

Leerstandsmanagement im ersten Quartal 2015
Seitens des Büros von Kulturstadtrat Andreas Mailath-Pokorny wird auf den Bericht der Wiener Kreativagentur "departure" verwiesen, der vergangene Woche im Rahmen eines Symposiums präsentiert wurde. Auf dessen Grundlage werde derzeit geschäftsgruppenübergreifend an der Realisierung einer Agentur für Leerstandsmanagement gearbeitet. Dabei liegt der Fokus auf Arbeits- bzw. Produktionsräumen für Kunst- und Kulturschaffende sowie Kreative. Die Präsentation wird voraussichtlich im ersten Quartal 2015 stattfinden.

Für Willi Hejda von der IG Kultur greift der Fokus auf Zwischennutzung zu kurz. Viele Ideen wie zum Beispiel Nachbarschaftsinitiativen bräuchten eine längerfristige Perspektive, es gehe vielmehr um eine Leerstandsnutzung.

Die Leerstandsabgabe, die Mitte November von der Jungen Generation der SPÖ Wien in die Debatte um steigende Mieten eingebracht wurde, ist für Hejda eine von mehreren Möglichkeiten, mit dem Thema umzugehen. "Es wäre ein konkreter Schritt", sagt Hejda zur "Wiener Zeitung". Doch auch dazu müsse zuerst erhoben werden, wie viel Raum in Wien leer steht. Das Ziel sei, dass öffentliche Immobilien der Bevölkerung zur Verfügung gestellt werden sollen.

Vertiefende Auseinandersetzung im Buch
Am Montag wurde auch das Buch "Wer geht leer aus?" präsentiert. Im Unterschied zur Studie "Perspektive Leerstand" wird das Thema darin in seinen verschiedenen Facetten beleuchtet und breiter diskutiert, wie Mitherausgeberin Mara Verlic bei der Präsentation sagte. So beleuchtet ein Interview mit den Veranstaltern des Kulturfestivals Soho in Ottakring die ambivalente Position, die Kunst in der temporären Benutzungen von Räumen einnehmen kann: ein wichtiger Beitrag zur Leerstandsdebatte, da die Stadt Wien die Nutzung von Leerstand ausschließlich auf die Etablierung "kreativer Räume" verengt, anstatt unterschiedliche Nutzungskonzepte zu ermöglichen.

Verlic hob hervor, dass beim Thema Leerstand nicht im Vordergrund steht, dass Geschäftsstraßen unattraktiv aussehen, wenn Lokale leer sind oder dass es für den Eigentümer weniger Mieterlöse gibt. Viel wichtiger sei, dass durch Leerstand eine soziale Ungleichheit sichtbar werde: auf der einen Seite Menschen, die es sich leisten können, Raum leer stehen zu lassen. Auf der anderen Seite Menschen, die sich Raum nicht leisten können. "Das Nutzen von Raum soll Priorität vor dem Besitzen von Raum haben", so Verlic bei der Präsentation.




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Copyright © Wiener Zeitung Online 2016
Dokument erstellt am 2014-12-15 17:32:07
Letzte ─nderung am 2014-12-16 10:20:57





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