• vom 28.01.2016, 18:11 Uhr

Stadtpolitik


Akademikerball

Alljährlicher Rechtswalzer




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Von Werner Reisinger

  • Der von der Wiener FPÖ organisierte Akademikerball sorgt erneut für Proteste, mit Ausschreitungen wird nicht gerechnet.



Wien. Es gibt wohl kaum eine Veranstaltung, die so symbolhaft für die Stellung des nationalen Lagers in der österreichischen Politik und Gesellschaft steht wie der Wiener Akademikerball. Über die Grenzen hinaus wird der heute abermals in der Wiener Hofburg stattfindende Ball, der bis vor drei Jahren noch unter dem Namen "Ball des Wiener Korporationsrings" (WKR-Ball) firmierte, Persönlichkeiten aus dem rechten Spektrum anziehen - auf der Besucherliste der letzten Jahre fanden sich beispielsweise die Chefin der rechtsextremen französischen Partei Front National, Marine Le Pen, oder Filip de Winter vom flämischen Vlaams Belang.

Dass schlagende Burschenschafter, rechte Politiker und andere Szene-Größen alljährlich in zeitlicher Nähe zum Holocaust Gedenktag (27. Jänner) ausgerechnet in den repräsentativen Räumen der Hofburg das Tanzbein schwingen, ist seit jeher für die Linke und die Zivilgesellschaft Anlass zu heftigen Protesten. In den letzten Jahren demonstrierten sowohl politisch breit organisierte Bündnisse wie auch mehr oder weniger linksradikale Organisationen gegen den Ball, der als Vernetzungstreffen der europäischen rechtsextremen Szene kritisiert wird. 2014 machten Ausschreitungen von linksextremen Ballgegnern in der Innenstadt international Schlagzeilen, es kam zu Sachbeschädigungen an Geschäftslokalen in der Höhe von rund einer Million Euro, 20 Personen wurden festgenommen. Zahlreiche Demonstranten waren mit Bussen aus Deutschland angereist. Für einen Skandal sorgte die Verhaftung von Josef S., einem Studenten aus Jena, der schließlich wegen Landfriedensbruch, Sachbeschädigung und Körperverletzung zu acht Monaten bedingt verurteilt worden war.

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Großeinsatz der Polizei
Wie jedes Jahr werden der Akademikerball und die Proteste dagegen von einem massiven Polizeiaufgebot begleitet werden. Laut Johann Gollop, Pressesprecher der Landespolizeidirektion Wien, werden zwischen 2500 und 2800 Einsatzkräfte sowohl die Veranstaltung als auch die Demonstrationen sichern. Rund 800 Beamte aus den Bundesländern sind zur Unterstützung im Einsatz, 29 Kamerateams der Polizei werden die Proteste überwachen. Auch heuer gibt es ein Platzverbot rund um die Hofburg (siehe Grafik), angemeldet sind zwei Demonstrationen und eine Standkundgebung am Heldenplatz. Autofahrer müssen mit massiven Behinderungen rechnen und werden ersucht, die Wiener Innenstadt großräumig zu umfahren.

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Dokument erstellt am 2016-01-28 18:14:04



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