• vom 18.02.2016, 17:19 Uhr

Stadtpolitik


Klosterneuburg

Lieber "W" als "TU"?




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Von Ina Weber

  • Der Bezirk Wien-Umgebung wird aufgelöst, aber Klosterneuburg will nicht zu Tulln. 700 Bürger fordern die Rückkehr nach Wien.

Das Wunschkennzeichen der Klosterneuburger, nachdem Wien-Umgebung abgeschafft wird.

Das Wunschkennzeichen der Klosterneuburger, nachdem Wien-Umgebung abgeschafft wird.

Wien. "Wien-Umgebung" - eine Bezirksbezeichnung mit Charme. Die scheinbar perfekte Lösung für Landsüchtige und Stadtfliehende. Schon von Weitem erkennt man es am noblen "WU"-Kennzeichen: Wir gehören zu Wien, aber nur dann, wenn wir es auch wollen. Und wir haben die perfekte Landidylle mit Stadtnähe - und das im Fall von Klosterneuburg noch dazu direkt bei Döbling.

Doch diese scheinbar perfekte Verbindung findet bald jähes Ende. Wie berichtet hat der niederösterreichische Landtag beschlossen, dass der Bezirk Wien-Umgebung mit dem Jahr 2017 aufgelöst wird. Dann würde Klosterneuburg zum Bezirk Tulln gehören - samt "TU" als Autokennzeichen.


Fast die Hälfte der Einwohner pendelt täglich nach Wien
Und das schmeckt den Klosterneuburgern gar nicht. "Schauen Sie sich die Landkarte an", sagt Gemeinderat Peter Hofbauer zur "Wiener Zeitung", "was haben wir mit Tulln zu tun?" Hofbauer war früher bei der SPÖ und sitzt heute mit seiner eigenen Liste im Gemeinderat. Rund 700 Unterschriften hat er bisher gesammelt - alle für eine Eingliederung der Stadt Klosterneuburg in die benachbarte Bundeshauptstadt Wien. "Klosterneuburg war bis zum Jahr 1954 der 26. Bezirk von Wien."

Aus seiner Sicht hätte die Rückkehr nach Wien große Vorteile: den Anschluss an das Wiener Verkehrssystem, das Gesundheitswesen oder das Hochquellenwasser. Und laut Hofbauer pendeln täglich rund 12.000 der 26.300 Klosterneuburger nach Wien - diese würden von einer Erweiterung der Kernzone 100 profitieren. Und zur Frage der Identität argumentiert er, dass die Döblinger ja auch noch die Döblinger seien, auch wenn sie zu Wien gehörten. Er möchte "lieber ein Nobelbezirk von Wien als ein Vorort von Tulln" sein.

5043 Klosterneuburger für eigenes Autokennzeichen
Wer aber nicht so ohne weiteres zu Wien will, ist Bürgermeister Stefan Schmuckenschlager (ÖVP). Er lässt jedoch zum derzeitigen Zeitpunkt den Weg offen und hat die Gunst der Stunde genutzt, um eine Machbarkeitsstudie in Auftrag zu geben. Alle Varianten sollen nun geprüft werden: Statutarstadt, eine Fusion mit Wien, eigene Gebietsgemeinde oder eben eine Zukunft im Bezirk Tulln.

Für eines haben sich der Bürgermeister und 5043 andere Klosterneuburger aber schon ausgesprochen: ein eigenes Autokennzeichen. Im Rahmen einer Unterschriftenaktion im Herbst wurden Pkw-Aufkleber mit dem Schriftzug "KG-KLBG1" verteilt, die laut ÖVP Klosterneuburg nach wie vor "reißenden Absatz" finden. Dass damit auch der Status als Statutarstadt gefordert wird, sieht Schmuckenschlager aber nicht. "Es gibt Städte in Österreich, die haben ein eigenes Kennzeichen und sind auch keine Statutarstadt", heißt es aus seinem Büro. Mit dem Land Niederösterreich werde jedenfalls schon über ein eigenes Kennzeichen verhandelt.

Aber braucht es ein eigenes Autokennzeichen, um die Identität einer Gemeinde zu wahren? "90 Prozent der Perchtoldsdorfer lieben gerade diesen dörflichen und kleinstädtischen Charakter. Wir sind sehr gerne eine Marktgemeinde und haben kein Problem damit, dass wir zum Bezirk Mödling gehören", sagt Martin Schuster, Bürgermeister von Perchtoldsdorf, wo die Autos das Kennzeichen "MD" haben.

Doch Mödling ist nicht gleich Tulln. Zumindest fühlt es sich für die Klosterneuburger anders an, und das nicht nur aufgrund der Entfernung. Hat Mödling mehr Einwohner als Perchtoldsdorf, so hat Tulln fast die Hälfte von Klosterneuburg. Allerdings liegt die Bezirkshauptstadt Tulln genau in der Mitte des Bezirks und Klosterneuburg lediglich am Rand.

Eine Eingliederung in die Bundeshauptstadt Wien scheint jedoch ziemlich unwahrscheinlich. Laut Wiener Magistratsdirektion braucht es dafür gleich "drei Gesetzesänderung" - auf Bundesebene, auf Wiener und auf niederösterreichischer Landtagsebene. Doch was hätte Niederösterreich davon, die Stadtgemeinde Klosterneuburg an Wien abzutreten? Außerdem würde Klosterneuburg wohl nie das Wiener Kennzeichen annehmen wollen. Dann vielleicht doch lieber "TU"? Auf alle Fälle schmerzt er, der "WU"-Verlust.




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