• vom 13.08.2016, 08:00 Uhr

Stadtpolitik

Update: 15.10.2016, 18:25 Uhr

Donaukanal

Auf Kosten der Steuerzahler




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Von Matthias Winterer

  • Beste Lage, kaum Miete. Die Strandbar Herrmann genoss jahrelang ominös gute Pachtkonditionen.

Die Strandbar Herrmann ist bei Fußball-Großveranstaltungen gesteckt voll. Im ehemals öffentlichen Park herrscht dann Konsumpflicht. - © Strandbar Herrmann

Die Strandbar Herrmann ist bei Fußball-Großveranstaltungen gesteckt voll. Im ehemals öffentlichen Park herrscht dann Konsumpflicht. © Strandbar Herrmann

Wien. Der Donaukanal ist zum Bersten voll. Wie aufgefädelt sitzen die Menschen entlang der Uferkante. Tausende Beine baumeln über der Kaimauer. Vor den Bars haben sich Trauben gebildet. Körper an Körper stehen die Gäste auf der Uferpromenade. Touristen wippen zu den Rhythmen elektronischer Musik. Einheimische lassen den lauen Sommerabend bei einem Feierabendbier ausklingen.

Das zentralste Wiener Donauwasser hat sich in den vergangenen zehn Jahren vom schnöden Versorgungskanal zur Partymeile entwickelt. Vor allem entlang des 1. Bezirks - zwischen Augarten- und Franzensbrücke - reiht sich ein Gastronomiebetrieb an den nächsten.

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Gleich hinter der Urania, wo der Wienfluss in den Donaukanal mündet, nahm diese Entwicklung ihren Lauf. Die beiden Unternehmer Rudolf Konar und Alexander Kaiser hatten im Jahr 2003 die Idee, auf der Fläche des Herrmannparks am rechten Kanalufer eine Strandbar nach Berliner Vorbild zu eröffnen. Etwa zur selben Zeit erkannte auch die Stadt das Potenzial des Gewässers. Man beschloss, den Kanal zu beleben. Er wurde zum Zielgebiet der Stadtentwicklung. Ein neu installierter Donaukanal-Koordinator sollte aktiv nach Pächtern suchen. Der Startschuss zur Kommerzialisierung war gefallen.

So verpachtete die Stadt, vertreten durch die MA 42 (Stadtgärten), den einst öffentlichen Park im Jahr 2005 schließlich an Konar und Kaiser. Die Strandbar Herrmann war somit - abgesehen vom zehn Jahre älteren Musikclub Flex - der erste Gastronomiebetrieb am Donaukanal in unmittelbarer Nähe zum 1. Bezirk. Auffällig am damaligen Vertrag zwischen der Stadt und den Betreibern ist jedoch der frappierend niedrige Pachtzins. Wie ein Bericht des Bundesrechnungshofs im Frühjahr 2016 offenlegte, betrug dieser für das gesamte 3500 Quadratmeter große Areal nur 2400 Euro im Jahr. Das sind 0,68 Euro pro Quadratmeter und Jahr. "Dies war der niedrigste flächenbezogene Zins der im Rahmen der Gebarungsprüfung vorliegenden Verträge aus dem Gastronomie- und Freizeitbereich", heißt es im Bericht. Erst 2013 wurde der Bestandszins schließlich auf 20.013 Euro pro Jahr (rund 5,67 Euro pro Quadratmeter) verneunfacht - laut Rechnungshof immer noch zu niedrig.

308.000 Euro an öffentlichen Geldern für Infrastruktur
Neben der geringen Pacht kam die Stadt den Betreibern auch bezüglich der Infrastruktur entgegen. Die Magistratsabteilung Wien Kanal wendete 308.000 Euro an öffentlichen Geldern für den Bau von Wasser- und Abwasserkanalleitungen auf. Resümierend kritisierte der Rechnungshof, dass die Stadt nicht zugunsten der Allgemeinheit handelte, sondern "nachteilig für die öffentliche Hand".

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Copyright © Wiener Zeitung Online 2017
Dokument erstellt am 2016-08-12 17:26:04
Letzte ─nderung am 2016-10-15 18:25:02



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