• vom 14.10.2016, 17:59 Uhr

Stadtpolitik

Update: 14.10.2016, 18:06 Uhr

SPÖ

Warten auf Häupl




  • Artikel
  • Kommentare (7)
  • Lesenswert (64)
  • Drucken
  • Leserbrief




Von Christian Rösner

  • Die Wiener SPÖ leidet am gegenseitigen Misstrauen von zwei "Lagern" - und an der offenen Frage, wen ihr Vorsitzender Michael Häupl als Nachfolger will.

Wen will Michael Häupl als Nachfolger? Sonja Wehsely (r.u.), Michael Ludwig (l.u.) und Andreas Schieder (r.o.). hegen Ambitionen. Ex-Kanzler Werner Faymann (l.o.) sorgt noch immer für Unruhe in der Partei.

Wen will Michael Häupl als Nachfolger? Sonja Wehsely (r.u.), Michael Ludwig (l.u.) und Andreas Schieder (r.o.). hegen Ambitionen. Ex-Kanzler Werner Faymann (l.o.) sorgt noch immer für Unruhe in der Partei. Wen will Michael Häupl als Nachfolger? Sonja Wehsely (r.u.), Michael Ludwig (l.u.) und Andreas Schieder (r.o.). hegen Ambitionen. Ex-Kanzler Werner Faymann (l.o.) sorgt noch immer für Unruhe in der Partei.

Wien. Die Wiener SPÖ präsentiert sich ein Jahr nach der Wien-Wahl stark verunsichert. "Es spürt jeder, dass Veränderung in der Luft liegt", sagt ein Mandatar zur "Wiener Zeitung." Doch wie diese Veränderung aussieht, weiß keiner - denn alle warten noch immer gespannt darauf, dass der Landesparteivorsitzende Michael Häupl Antworten auf zwei Fragen gibt: Wie soll es mit der Wiener Partei weitergehen und wer soll der nächste Bürgermeister werden? Das sind Antworten, die Häupl seiner Partei seit dem Tag nach der Wien-Wahl bis heute schuldig geblieben ist. Und das sorgt nach wie vor für große Verunsicherung - die wiederum Nährboden für ausgewachsene Grabenkämpfe ist.

Im Rathaus spricht man von zwei Lagern, die gegeneinander arbeiten. Das eine habe sich einst rund um die "Willkommenspolitik" der zuständigen Stadträtin Sonja Wehsely herausgebildet, das andere Lager aus der pragmatischen "Obergrenzen-Linie" von Ex-Bundeskanzler Werner Faymann, heißt es. Auf der einen Seite spreche man davon, dass sich "die anderen" nur deshalb so "aufführen", weil man ihnen "den Werner" weggenommen hat. Auf der anderen Seite werden "die Caffè-Latte-Trinker" kritisiert, die nur noch Bobo-Themen aufs Tapet bringen können. Gemeint ist hier vor allem ein Interessenskonflikt, welcher der unterschiedlichen sozialen und politischen Zusammensetzung in den einzelnen Bezirken zuzuschreiben ist: Die bevölkerungsreichen Flächenbezirke, in deren Bezirksorganisationen vor allem Wohnbaustadtrat Michael Ludwig auf breite Unterstützung stößt, und die grün-affinen Innen-Bezirke, wo Sonja Wehsely ein gutes Standing genießt und obendrein die rote Frauenriege hinter sich weiß.

Werbung

Sauer auf Häupl
Und doch gibt es eine Gemeinsamkeit zwischen den Fraktionen: Beide Seiten sind eigenen Angaben zufolge sauer auf Michael Häupl, weil dieser sich nicht deklariert. Dabei habe das so gut bei der Wahl 2015 funktioniert: "Häupl hat vor einem Jahr eine klare Linie, eine klare Haltung in der Flüchtlingsfrage vorgegeben - und uns damit zum Sieg - vor allem gegenüber der FPÖ - verholfen", meint ein Insider. Doch seit seiner Ankündigung am Tag nach der Wahl, es müsse sich nun alles ändern, habe sich kaum etwas verändert. Der Bürgermeister und Landesparteichef wolle seine Partei nur noch auf Biegen und Brechen zusammenhalten und verliere dadurch zunehmend an Glaubwürdigkeit und Macht. Er könne sich nicht mehr gegen seine Stadträtinnen und Stadträte durchsetzen und es fehle ihm an Visionen und Zielen, heißt es weiter. Und dass er nicht in der Lage sei, einen Nachfolger oder eine Nachfolgerin aufzubauen, verstärke das Ganze noch zusätzlich.

"Häupl ist mittlerweile schon eine Lame Duck, immer mehr Genossen tanzen ihm auf der Nase herum", meint eine Mandatarin. So waren es auch die Flächenbezirke, die nach der Wahlwiederholung in der Leopoldstadt ein "Machtwort" von Häupl eingefordert hatten. Doch dieser gab zu verstehen, dass er davon nichts halte; dass Machtworte "vorgestrig" seien. Also wieder Wasser auf die Mühlen der Ludwig-Fraktion.

Doch wie eine Insiderin berichtet, soll diese Fraktion aus nicht mehr als 12 Personen bestehen - und diese würden erfolgreich über die Medien ihre Kritik verbreiten, anstatt sie parteiintern zu diskutieren. Und die Wehsely-Fraktion könne gar nichts dagegen tun, "denn wenn man es denen mit gleicher Münze heimzahlen will, würde das den Schaden für die Partei nur vergrößern", heißt es. Die Ludwig-Fraktion kontert: "Es war Wehsely, die im Frühjahr öffentlich gegen das Ergebnis des Bundesasylgipfels gewettert hat, das von Häupl mitverhandelt worden war - nicht wir."

Kampf um die Nachfolge
Auf diese Weise wird jedenfalls laut Wehsely-Fraktion nach außen hin das Bild einer gespaltenen Partei erzeugt, während sich in den Gremien angeblich alle einig sind. Auch das Bild einer schwer durch die Spitalsreform gebeutelten Gesundheitsstadträtin will man vor diesem Hintergrund relativiert sehen: Sonja Wehsely genieße vollsten Rückhalt innerhalb der Partei. Nur dass sie sich eben im unerbittlichen Konkurrenzkampf mit Wohnbaustadtrat Michael Ludwig um den Bürgermeistersessel befinde. Allerdings hat sie mit den Ärzten und dem Krankenhaus Nord wesentlich mehr Baustellen offen als Ludwig.

Dass sich ihr Ehemann Andreas Schieder ebenfalls für dieses Amt interessiert, wird in SPÖ-Kreisen nicht dementiert. Allerdings ist man sich sicher, dass es eine Art Agreement zwischen den beiden geben soll: Wird ein Name konkret, zieht sich der andere zurück, heißt es. Im Übrigen interpretiert man das mit den Mehrheiten bei der Ludwig-Fraktion anders: In den Parteigremien würde nicht die Stärke der Bezirke abgebildet werden. Somit würde innerparteilich ständig mit einer Minderheit über die Mehrheit entschieden.

Aber so stark, wie hier die Kräfte aufeinander wirken, gibt es auch Vermutungen, dass am Ende jemand völlig anderer die Nachfolge von Häupl antreten könnte. Der Bürgermeister selbst hat sich jedenfalls dazu noch nie geäußert. Zu groß sei seine Befürchtung, dass eines der beiden Lager seinen Wunschkandidaten demontiert und ihn damit dem völligen Machtverlust anheimfallen lässt, wird vermutet.

weiterlesen auf Seite 2 von 2




7 Leserkommentare




Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Online-Nutzungsbedingungen an.


captcha Absenden

* Pflichtfelder (E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht)



Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2017
Dokument erstellt am 2016-10-14 18:02:05
Letzte nderung am 2016-10-14 18:06:57



Beliebte Inhalte

Meistgelesen
  1. "Autos brauchen zu viel Platz"
  2. Um Ruhe bemüht
  3. Ein Traum war der Lauf seines Lebens
  4. "Will mit der Bildung aufräumen"
  5. Eine Frage des Zugangs
Meistkommentiert
  1. Wie es uns gefällt
  2. Heilige oder Hure
  3. "Autos brauchen zu viel Platz"
  4. Häupl bleibt noch
  5. Vielleicht bleiben wir ewig Nummer eins

Werbung



Siemensgebäude

Der Investor und das Kreta-Viertel

In den tristen Betonbauten findet Zwischennutzung im großen Stil statt. - © Phillipp Hutter Wien. Am Rande von Kreta steht ein Zaun. Er soll nicht Flüchtlinge davon abhalten, Griechenland zu betreten. Er soll Wiener davon abhalten... weiter




Zwischennutzung

Die Hegemonie über die Zwischenwelt

Ein Gelände, zwei Welten: Auf der einen Seite ein geförderter Zwischennutzungs-Hub bei der Karl-Farkas-Gasse in Neu Marx . . . Wien. Es gibt Entwürfe, die in der Schublade verschwinden. Andere, die realisiert werden. Und dann gibt es jene Entwürfe... weiter





Werbung


Transition Base

Smartes Wagenvolk

Wohnraum muss nicht viel kosten: Der alte Zirkuswagen soll für kreative Zwecke genutzt werden. - © Puiu Wien. Über die Felder der im Nordosten Wiens liegenden Seestadt fegt ein eisiger Wind. Direkt neben der Satellitenstadt... weiter




Stadtentwicklung

Breitenseer Mauerfall

20161115Wien1 - © Driendl Architects Wien. Die Ziegelmauer ist wie ein Bollwerk. Auf einer Länge von einem halben Kilometer trennt sie den Stadtteil Breitensee vom übrigen Bezirk Penzing... weiter





Athen

Gründen gegen die Wirtschaftskrise

Athen. 42 Jahre nach dem Ende der Militärdiktatur ist Athen wieder auf dem Boden gelandet. Schlechte Jobchancen, zusammengekürzte Sozialleistungen und... weiter




Teheran

Irans Nerds

Über den Dächern Teherans eifern junge Männer und Frauen ihrem Idol Steve Jobs nach. - © Solmaz Khorsand Teheran. Lang und breit könnte Nasser Ghanemzadeh über sein Leid klagen. Darüber, wie quälend das Leben in einer Islamischen Republik ist... weiter





Innere Stadt

Noch kein Fort Knox

Älteste Kirche von Wien, die Ruprechtskirche, Schwedenplatz, Kohlmarkt, Dirndln auf der Kärntner Straße, Vivienne-Westwood-Shop in der Tuchlauben v.l.n.r. - © Ina Weber Wien. Ist man kein Anzugträger und wohnt dennoch im 1. Bezirk, kommt die Antwort auf die Frage nach dem Wohnort fast einem Geständnis gleich... weiter




Leopoldstadt

Peepshow für Tofujäger

Wien. Nicht viele Wiener besitzen die Grandezza wahrer Großstädter. Das Selbstbewusstsein. Die Souveränität. Die mondäne Gleichgültigkeit... weiter






Werbung