• vom 18.11.2016, 19:26 Uhr

Stadtpolitik


Vassilakou

Aus für Öl und Gas ab 2019




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  • Vizebürgermeisterin Vassilakou will umstrittene Heizung für Neubauten verbieten.



Wien. Öl- und Gasheizungen soll es spätestens ab 2019 in Wiener Neubauten nicht mehr geben. Das verkündete dieser Tage Vizebürgermeisterin Maria Vassilakou. Damit macht sie Köpfe auf die Nägel von Umweltminister Andrä Ruprechter. Der fordert schon lange ein Aus für den ökologisch umstrittenen Ölkessel, stieß damit jedoch an seine (rechtlichen) Grenzen. Denn diese Bestimmung obliegt den Bundesländern. "Ich habe bundesmäßig keine Kompetenz, ein Verbot auszusprechen", erklärte der Minister.

Was die Ölheizung betrifft, ist in Wien ohnedies bereits eine Art Verbot mit Ausnahmen in Kraft - Ausnahmen, die Vassilakou auch in Zukunft gelten lassen will. In der Wiener Bauordnung heißt es, bei Neu-, Zu- und Umbauten "müssen hocheffiziente alternative Systeme eingesetzt werden, sofern dies technisch, ökologisch und wirtschaftlich realisierbar ist". Zu solchen Systemen zählen die Versorgung aus erneuerbaren Energien, Wärmepumpen und Fernwärme.

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Kurzum: Wer eine neue Heizölanlage einbauen will, wird höchstwahrscheinlich an den ökologischen Auflagen scheitern, es sei denn, er kann nachweisen, dass die alternativen Energieträger im Vergleich unvernünftig teuer wären. Das zu argumentieren, ist gerade in Wien mit seiner guten Energieinfrastruktur wiederum sehr schwer. Anders sieht das in ländlichen Gebieten aus - wie es auf dem Gebiet überhaupt ein Ost-West-Gefälle gibt: Je weiter westlicher, um so höher ist der Anteil an Öl- und Gasheizungen

Kritik von FPÖ und Wirtschaftskammer
Wenig begeistert von diesen Vorstößen ist naturgemäß der Energiehandel. Der Fachverbandsobmann und Vizepräsident der Wirtschaftskammer Österreich, Jürgen Roth, spricht von einer "ideologischen Falle vieler Umweltorganisationen und vermeintlich ökologisch Denkender". Viele Gebäude seien gar nicht auf eine Umrüstung auf einen anderen Energieträger ausgelegt, gibt Roth zu bedenken. Auch würden alte Heizkessel trotz Verbots noch Jahre und Jahrzehnte weiter betrieben werden.

Das geplante "Aus" für Ölheizungen sei fortschrittfeindlich, da gerade im Bereich der Brennwerttechnologie in den nächsten Jahren enorme innovative Fortschritte zu erwarten seien. Zudem fürchtet Roth um zigtausende Arbeitsplätze: Kesselhersteller, Energiehändler, Rauchfangkehrer, Installateure.

Auch die FPÖ ist von Vassilakous Plänen nicht angetan. Sie wolle "den Neubau verteuern, obwohl gerade Altbauten eine negative Klimabilanz haben", erklärte Vizebürgermeister Johann Gudenus.

Vassilakou geht mit ihrer Forderung, Gas- und Ölheizungen zu verbieten, jedenfalls einen Schritt weiter als beispielsweise Niederösterreich, das nur für Ölheizungen bei Neubauten ab 2019 das Aus plant.

Ölheizungen werden
privat gefördert

In die entgegengesetzte Richtung arbeitet unterdessen die Mineralölwirtschaft: Sie fördert Ölheizungen, zumal den Umstieg auf moderne Öl-Brennwertgeräte. Dies ohne Aufwendung von Steuergeldern wie die "Heizen mit Öl GmbH", unter anderem im Besitz des Fachverbandes der Mineralölindustrie erklärt. 2500 erhält man für ein Einfamilienhaus, Häuser mit mehr als elf Wohneinheiten können sogar mehr als 5000 Euro abstauben.

Die Abkehr von Öl- und Gasheizungen ist nicht zuletzt auch mit Blick auf den Pariser Klimaschutzvertrag, der mit November verbindlich wurde. Immerhin gilt es, die Erderwärmung auf maximal zwei Grad gegenüber der vorindustriellen Zeit zu begrenzen. Und der Weg dorthin führt über das Aus für Öl, Gas und Kohle.




Schlagwörter

Vassilakou, Öl, Gas

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Dokument erstellt am 2016-11-18 19:29:09



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