• vom 01.03.2017, 18:07 Uhr

Stadtpolitik

Update: 01.03.2017, 21:36 Uhr

Heumarkt

"Es ist wie ein russisches Roulette"




  • Artikel
  • Kommentare (17)
  • Lesenswert (15)
  • Drucken
  • Leserbrief




Von Alexandra Laubner

  • Gegner kritisieren fehlende strategische Umweltprüfung, rufen zur Demo auf und wollen bis zum Verfassungsgerichtshof gehen.

Die letzte Hoffnung, an die sich die Kritiker des Heumarkt-Turms klammern, ist die fehlende strategische Umweltprüfung. - © APAweb, Isay Weinfeld & Sebastian Murr

Die letzte Hoffnung, an die sich die Kritiker des Heumarkt-Turms klammern, ist die fehlende strategische Umweltprüfung. © APAweb, Isay Weinfeld & Sebastian Murr

Wien. Es geht um sechs Geschoße. Sechs Geschoße, die mittlerweile die Unesco, die EU-Kommission und auch den Wiener Rechtsanwalt Wolfgang List beschäftigen. List kämpft an der Seite von Markus Landerer von der Initiative Denkmalschutz gegen den geplanten 66 Meter hohen Wohnturm am Heumarkt, der Luxuswohnungen beherbergen soll und Wien das Unesco-Weltkulturerbe kosten könnte.

Bei der Pressekonferenz am Mittwoch stellen List und Landerer ihre nächsten Schritte vor. Kommt der Baubescheid, wovon List und Landerer ausgehen, dann reichen sie Beschwerde beim Verfassungsgerichtshof ein. Das wäre frühestens im April 2018. Im Fokus dabei steht die Strategische Umweltprüfung (SUP), besser gesagt, die fehlende Strategische Umweltprüfung, wie Rechtsanwalt List der Ansicht ist.


"Ich verstehe nicht, warum die Stadt kein rechtskonformes Verfahren einleitet. Aus einer strategischen Umweltprüfung kann resultieren, dass das Bauprojekt umweltverträglich ist. Warum macht man das nicht? Es ist wie ein russisches Roulette, ein Wiener Roulette besser gesagt", meint List. Nachsatz: "Es geht dabei nicht um ein kleines Häuschen ums Eck oder eine Eigentumswohnung, sondern es geht um ein Riesen-Projekt. Das gibt es europarechtliche Vorgaben, die einzuhalten sind", so List.

Derzeit läuft für das Heumarkt-Projekt, das neben dem geplanten Wohnturm, die Sanierung des Wiener Eislaufvereins und die Neuerrichtung des Hotels Intercontinental umfasst, das Flächenwidmungsverfahren. Der Entwurf für die Festsetzung des Flächenwidmungs- und des Bebauungsplanes liegt bis zum 16. März zur öffentlichen Einsicht auf. Innerhalb dieser Auflagefrist kann jeder eine schriftliche Stellungnahme einbringen. "Auch wir werden eine umfassende Stellungnahme abgeben", sagt List, der jedoch überzeugt ist, dass der Gemeinderat schlussendlich der Flächenwidmung zustimmen wird. "Sollte es dazu kommen, wovon ich ausgehe, wäre diese Verordnung rechtswidrig zustande gekommen", ist List der Meinung.

Stadt sieht sich im Recht
List hat auch eine Beschwerde bei der Europäischen Kommission eingereicht, die den Sachverhalt derzeit prüfe. Die Argumentation von Rechtsanwalt List und der Initiative Denkmalschutz: Die strategische Umweltprüfung sei eine Richtlinie des Europäischen Parlaments, die national umzusetzen sei. Und das sei beim Projekt Heumarkt nicht passiert.

weiterlesen auf Seite 2 von 2




17 Leserkommentare




Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Online-Nutzungsbedingungen an.


captcha Absenden

* Pflichtfelder (E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht)



Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2017
Dokument erstellt am 2017-03-01 18:12:07
Letzte ─nderung am 2017-03-01 21:36:51



Beliebte Inhalte

Meistgelesen
  1. Platzverbot rund um Ballhausplatz
  2. "Bin Trainer, kein politischer Aktivist"
  3. Wiens "Dschihad" gegen Türkis-Blau
  4. "Wunschwidmung für Investor"
  5. Ausgebucht
Meistkommentiert
  1. "Wunschwidmung für Investor"
  2. Bauliche Endphase
  3. Knapper Bürgermeister
  4. Generalprobe des Historismus
  5. Platzverbot rund um Ballhausplatz

Werbung



Siemensgebäude

Der Investor und das Kreta-Viertel

In den tristen Betonbauten findet Zwischennutzung im großen Stil statt. - © Phillipp Hutter Wien. Am Rande von Kreta steht ein Zaun. Er soll nicht Flüchtlinge davon abhalten, Griechenland zu betreten. Er soll Wiener davon abhalten... weiter




Zwischennutzung

Die Hegemonie über die Zwischenwelt

Ein Gelände, zwei Welten: Auf der einen Seite ein geförderter Zwischennutzungs-Hub bei der Karl-Farkas-Gasse in Neu Marx . . . Wien. Es gibt Entwürfe, die in der Schublade verschwinden. Andere, die realisiert werden. Und dann gibt es jene Entwürfe... weiter





Werbung


Transition Base

Smartes Wagenvolk

Wohnraum muss nicht viel kosten: Der alte Zirkuswagen soll für kreative Zwecke genutzt werden. - © Puiu Wien. Über die Felder der im Nordosten Wiens liegenden Seestadt fegt ein eisiger Wind. Direkt neben der Satellitenstadt... weiter




Stadtentwicklung

Breitenseer Mauerfall

20161115Wien1 - © Driendl Architects Wien. Die Ziegelmauer ist wie ein Bollwerk. Auf einer Länge von einem halben Kilometer trennt sie den Stadtteil Breitensee vom übrigen Bezirk Penzing... weiter





Athen

Gründen gegen die Wirtschaftskrise

Athen. 42 Jahre nach dem Ende der Militärdiktatur ist Athen wieder auf dem Boden gelandet. Schlechte Jobchancen, zusammengekürzte Sozialleistungen und... weiter




Teheran

Irans Nerds

Über den Dächern Teherans eifern junge Männer und Frauen ihrem Idol Steve Jobs nach. - © Solmaz Khorsand Teheran. Lang und breit könnte Nasser Ghanemzadeh über sein Leid klagen. Darüber, wie quälend das Leben in einer Islamischen Republik ist... weiter





Innere Stadt

Noch kein Fort Knox

Älteste Kirche von Wien, die Ruprechtskirche, Schwedenplatz, Kohlmarkt, Dirndln auf der Kärntner Straße, Vivienne-Westwood-Shop in der Tuchlauben v.l.n.r. - © Ina Weber Wien. Ist man kein Anzugträger und wohnt dennoch im 1. Bezirk, kommt die Antwort auf die Frage nach dem Wohnort fast einem Geständnis gleich... weiter






Werbung


Werbung