• vom 10.03.2017, 17:56 Uhr

Stadtpolitik


Stadtplanung

"Der geförderte Wohnbau ist rückläufig"




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Von Nina Flori

  • Die Baudirektorin Brigitte Jilka spricht im Interview über billiges Geld und wie gemeinnütziges Bauträger an Grundstücke kommen.

Baudirektorin Brigitte Jilka.

Baudirektorin Brigitte Jilka.© Birgit Gantner Baudirektorin Brigitte Jilka.© Birgit Gantner

Wien. Nicht nur Anleger, auch der Zuzug der Menschen treibt die Quadratmeterpreise in Wien in die Höhe. 800 Euro kostet ein Quadratmeter Grund im Schnitt. Flächen in guten Lagen liegen sogar bei 1200 Euro. Die Baudirektorin der Stadt Wien, Brigitte Jilka, spricht im Interview mit der "Wiener Zeitung" über die Schwierigkeit, Infrastruktur und Wohnraum zu schaffen, neue Stadtteile und die Bedeutung des geförderten Wohnbaus.

"Wiener Zeitung":Wie viel Prozent der neu errichteten Wohnungen werden zurzeit im geförderten Bereich gebaut?

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Brigitte Jilka: Grob kann man sagen, dass 60 bis 70 Prozent aller Wohnbauprojekte gemeinnützig errichtet werden. Die Tendenz ist allerdings rückläufig. Denn Bankengeld ist im Moment sehr günstig. Wenn sich Bauträger nicht den qualitätssichernden Verfahren der Wohnbauförderung unterziehen müssen, sind sie in der Umsetzung schneller und zudem nicht an Preisvorgaben der Stadt gebunden.

Aufgrund der hohen Grundstückspreise ist es für gemeinnützige Bauträger schwierig, Grundstücke zu finden, die erschwinglich sind. Was unternimmt die Stadt dagegen?

Der Wiener Wohnfonds hat immer wieder die Gelegenheit, Grundstücke langfristig anzukaufen. Sie werden an gemeinnützige Bauträger zu sehr vernünftigen Preisen weitergegeben. Die andere Möglichkeit geht über die Masse. In Bereichen, in denen die Preise recht hoch sind, besteht die Möglichkeit, Gebäude in einen geförderten und einen nicht geförderten Bereich zu teilen. Über ausgeklügelte Rechenmodelle kann man so einen Anteil an förderbaren Wohnungen heraus rechnen. Das wird aber immer schwieriger.

Wie viele gemeinnützige Wohnungen werden zurzeit errichtet?

Wir liegen im Moment bei 6000 bis 7000 Wohnungen pro Jahr. Diese Bautätigkeit müssen wir aufrechterhalten, um nicht Verhältnisse wie etwa in München zu bekommen.

Schätzungen zufolge gibt es in Wien für die nächsten 15 Jahre genug Flächen, um neuen Wohnraum zu schaffen. Was passiert danach?

Derzeit rechnen wir damit, dass wir in mittlerer Zukunft wieder zu einem sehr moderaten Wachstum zurückkehren. Hinzu kommt, dass eine international sehr anerkannte Millionenstadt sehr viel Fluktuation hat. Es kommen zwar sehr viele neue Leute, es gehen aber auch wieder viele. Je mehr internationale Einrichtungen wir haben, desto mehr kommt es dazu. Ich bin absolut optimistisch, dass wir langfristig in der Lage sein werden, die Menschen zu behausen.

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Dokument erstellt am 2017-03-10 18:00:07



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