• vom 16.06.2017, 22:00 Uhr

Stadtpolitik


Nordbahnhof

Die Stadt in der Lagerhalle




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  • Miniatur-Stadtteil auf dem Nordbahnhofgelände bietet ab kommendem Donnerstag bis zum 19. Oktober Einblick in historische Entwicklungen und zukünftige Pläne der beiden größten innerstädtischen Stadtentwicklungsgebiete Wiens.

- © TU Wien

© TU Wien

Wien. (rös/apa) Das Nordbahnhofgelände in der Leopoldstadt ist inzwischen zum Stadtentwicklungsgebiet geworden. Und die alte Lagerhalle, die einst für logistische Zwecke genutzt wurde, ist nun ein urbanes Experimentierfeld: Sie wird bespielt mit Events, Co-Working-Projekten, offenen Werkstätten und multifunktionalen Veranstaltungsräumen. Ab Donnerstag soll dort nun auch informiert werden, nämlich mithilfe eines neuen, digitalen, dreidimensionalen Stadtmodells.

Das 3D-Modell bietet Informationen rund um zwei neue Stadtteile: Denn nicht nur der Nordbahnhof, auch das benachbarte Nordwestbahnhofgelände wird in den kommenden Jahren zum Wohngebiet umfunktioniert. Mittels Knopfdruck werden historische Daten genauso wie die Entwicklungspläne auf das Modell projiziert. Dieses wird bis Ende 2018 in der einstigen Imgro-Halle zu sehen sein - in einem Infocenter namens "Stadtraum". Danach übersiedelt das Modell auf das Nordwestbahnhof-Areal.

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Co-Working and -Making
Laut Planungsstadträtin Maria Vassilakou (Grüne) ist das Projekt vor allem für die Wiener von Bedeutung. Immerhin werde am Nordbahnhof ein neuer Stadtteil für 20.000 Menschen errichtet. Und es sei sinnvoll, dort zu informieren, wo das Neue entstehe, so Vassilakou.

Zwischennutzung in großem Stil: Im Rahmen einer design.build-Lehrveranstaltung der TU Wien werden die Räume der Nordbahnhalle von Studierenden architektonisch neu interpretiert und baulich adaptiert. Zukünftige bzw. bereits vor Ort aktive Macher und Anbieter haben die Möglichkeit, diese Räume zu nutzen, sich an der Entwicklung des neuen Stadtteils zu beteiligen und in weiterer Folge in die neu entstandenen Gewerbeflächen im Nordbahnhofquartier einzuziehen. Die ersten Räume wurden in einem offenen Call zusammen mit der Online-Plattform imGrätzl.at ab Mai 2017 angeboten und werden am Montag bezogen.

Bei gemeinsamen Veranstaltungen werden Kooperationspotenziale ausgelotet, Erfahrungen und Wissen ausgetauscht. Über den Zusammenschluss können neue zukunftsfähige Geschäftsmodelle, Produkte und Dienstleistungen entstehen.

Weiters entwickelt das Architekturzentrum in der Anfangsphase der Bespielung der Nordbahn-Halle - der Startschuss fällt am kommenden Mittwoch und dauert bis 31. Juli - einen öffentlichen Arbeitsraum im Rahmen der Vienna Biennale: Die Kuratoren haben sechs internationale Architekturteams eingeladen, mit lokalen Initiativen und Experten Prototypen für einen "Care&Repair-Urbanismus" zu entwickeln: Eine wachsende Ausstellung und eine Serie von Veranstaltungen sollen verdeutlichen, wie eine entsprechende Architektur eine Stadt mit in die Zukunft nehmen kann.

Nutzungsmischung
Laut den Initiatoren ist das Thema Nutzungsmischung für Stadtentwicklungsgebiete zentral. Die Entwicklung wird im städtebaulichen Leitbild "Nordbahnhof Wien" skizziert, das in einem umfangreichen Handbuch (Studiovlay 2015) vorliegt und laufend weiterentwickelt wird.

Das Projekt basiert auf einer innovativen Umverteilung der Ressourcen: Aus der Einsparung von 85 Prozent der Verkehrsinfrastruktur soll Kapital mobilisiert werden, das die Entwicklung eines kreativen Freiraumes ermöglicht. Gleichzeitig werde das Potenzial der Nutzungsmischung durch die hohe Konzentration der Bebauung gefördert. Doch in der Realität würden dafür oft Ressourcen, Zuständigkeiten und alternative Praktiken fehlen: Vieles bleibe dem Paradigma der funktionalen Trennung und der Priorisierung des Wohnbaus verhaftet. So würden Wohnquartiere statt Stadtquartiere gebaut. Und das soll das Projekt u.a. deutlich machen und neue Wege des Miteinanders aufzeigen.

Mehr Infos unter:

www.nordbahnhalle.org




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Nordbahnhof

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Dokument erstellt am 2017-06-16 21:02:05



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