• vom 04.07.2017, 17:55 Uhr

Stadtpolitik


Museum

"Es ist immer der gleiche Mist"




  • Artikel
  • Kommentare (1)
  • Lesenswert (18)
  • Drucken
  • Leserbrief




Von Valentine Auer

  • Die Ausstellung "Sprache kommt vor der Tat" wandert von einer Galeriewerkstatt zu einem Bauzaun auf der Mariahilfer Straße.


© Benjamin Storck © Benjamin Storck

Wien. "Roma Rauss" zum Beispiel. Mit Doppel-S und auf einem Wahlplakat über das Gesicht von Alexander Van der Bellen geschmiert. Oder ein Aufkleber mit der österreichischen Flagge und der Aufschrift "Zigeuner bringen Kriminalität & Krankheiten nach Österreich". Es sind Beispiele von Rassismus, von Antiziganismus, die seit etwa einem Jahr zunehmend im öffentlichen Raum von Wien sichtbar sind. Es sind auch Beispiele, die zeigen wie Rassismus und Sprache zusammenhängen und wie Konstruktionen von Kultur, von Ungleichheiten bis heute fortgeschrieben werden. An einem dieser Schauplätze rassistischer Schmierereien hängt seit Samstag die Ausstellung "Sprache kommt vor der Tat" der Wiener Künstlerin Marika Schmiedt, um auf ebendiese Kontinuitäten aufmerksam zu machen.

Die Original-Ausstellung war relativ kurz in der Galeriewerkstaat NUU zu sehen. Von 19. Mai bis 1. Juni wurden die Recherchen von Marika Schmiedt der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Seit vergangenen Samstag sollen die Erkenntnisse eine breitere Öffentlichkeit erreichen - an einem Baustellenzaun an der Mariahilfer Straße 67.

Werbung

Erkenntnisse, die darauf aufmerksam machen, wie ähnlich sich rassistische Diskurse vom Kaiserreich bis heute sind. Als Romni wollte sich Schmiedt mit den eigenen Wurzeln auseinandersetzen, erklärt sie gegenüber der "Wiener Zeitung": "Als Betroffene habe ich mich intensiv mit meiner eigenen Familiengeschichte auseinandergesetzt und bin in meinen Recherchen sehr weit zurückgegangen. Wenn man sich - egal, in welcher Zeit - die Zeitdokumente durchliest, merkt man, dass es immer die gleichen Mechanismen sind."

Der Menschenfresser-Prozess von Kaschau
Ähnliche Mechanismen und wiederauftretende Kontinuitäten, macht Schmiedt an historischen und gegenwärtigen Beispielen begreifbar. So auch am sogenannten "Menschenfresser-Prozess von Kaschau", der von 1927 bis 1929 gedauert hat und in der Ausstellung ausführlich dokumentiert wird: "Viele Roma aus Koice, dem damaligen Kaschau, wurden verhaftet und gequält, weil ein Gerücht im Umlauf war, dass sie Menschen gefressen haben. Geständnisse wurden unter Druck abgelegt", so Schmiedt. Die Medien nahmen an diesem rassistischen Diskurs teil, und versuchten sich "die Psyche des Zigeuners" - wie es in einem der damaligen Berichte hieß - zu erklären: Ein Volk wurde beschrieben, das auf der kindlichen Stufe stehen geblieben sei und dem gleichzeitig die "Freude und Lust am Grausamen" in der Natur liege.

weiterlesen auf Seite 2 von 2




1 Leserkommentar




Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Online-Nutzungsbedingungen an.


captcha Absenden

* Pflichtfelder (E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht)



Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2017
Dokument erstellt am 2017-07-04 18:00:11



Beliebte Inhalte

Meistgelesen
  1. Grüner Rückzug
  2. Das Spiel mit der Sicherheit
  3. Buchstabenschütteln im verwaisten Lokal
  4. Mehr Berufung als Beruf
  5. Die besten Weine für die "Wiener Zeitung"
Meistkommentiert
  1. "Die G’stopften am Berg"
  2. "Frauen üben den Druck aus"
  3. "Wir gehen auch in weiße Ghettoschulen"
  4. "Rettet die Postsparkasse"
  5. Kein Zustieg mit gültiger Jahreskarte

Werbung



Siemensgebäude

Der Investor und das Kreta-Viertel

In den tristen Betonbauten findet Zwischennutzung im großen Stil statt. - © Phillipp Hutter Wien. Am Rande von Kreta steht ein Zaun. Er soll nicht Flüchtlinge davon abhalten, Griechenland zu betreten. Er soll Wiener davon abhalten... weiter




Zwischennutzung

Die Hegemonie über die Zwischenwelt

Ein Gelände, zwei Welten: Auf der einen Seite ein geförderter Zwischennutzungs-Hub bei der Karl-Farkas-Gasse in Neu Marx . . . Wien. Es gibt Entwürfe, die in der Schublade verschwinden. Andere, die realisiert werden. Und dann gibt es jene Entwürfe... weiter





Werbung


Transition Base

Smartes Wagenvolk

Wohnraum muss nicht viel kosten: Der alte Zirkuswagen soll für kreative Zwecke genutzt werden. - © Puiu Wien. Über die Felder der im Nordosten Wiens liegenden Seestadt fegt ein eisiger Wind. Direkt neben der Satellitenstadt... weiter




Stadtentwicklung

Breitenseer Mauerfall

20161115Wien1 - © Driendl Architects Wien. Die Ziegelmauer ist wie ein Bollwerk. Auf einer Länge von einem halben Kilometer trennt sie den Stadtteil Breitensee vom übrigen Bezirk Penzing... weiter





Athen

Gründen gegen die Wirtschaftskrise

Athen. 42 Jahre nach dem Ende der Militärdiktatur ist Athen wieder auf dem Boden gelandet. Schlechte Jobchancen, zusammengekürzte Sozialleistungen und... weiter




Teheran

Irans Nerds

Über den Dächern Teherans eifern junge Männer und Frauen ihrem Idol Steve Jobs nach. - © Solmaz Khorsand Teheran. Lang und breit könnte Nasser Ghanemzadeh über sein Leid klagen. Darüber, wie quälend das Leben in einer Islamischen Republik ist... weiter





Innere Stadt

Noch kein Fort Knox

Älteste Kirche von Wien, die Ruprechtskirche, Schwedenplatz, Kohlmarkt, Dirndln auf der Kärntner Straße, Vivienne-Westwood-Shop in der Tuchlauben v.l.n.r. - © Ina Weber Wien. Ist man kein Anzugträger und wohnt dennoch im 1. Bezirk, kommt die Antwort auf die Frage nach dem Wohnort fast einem Geständnis gleich... weiter






Werbung


Werbung