• vom 07.07.2017, 17:49 Uhr

Stadtpolitik


Besoldungsreform

Erste Gehaltsreform seit 69 Jahren




  • Artikel
  • Kommentare (3)
  • Lesenswert (20)
  • Drucken
  • Leserbrief




Von Christian Rösner

  • Neues Gehaltssystem für Wien: Funktionsorientierte Entlohnung, 1670 Euro Mindestlohn, Wegfall des Nebengebührenkataloges.

Stimmung zwischen Freude und Skepsis im Amt für Weihnachtsdekoration. Die Bediensteten der Stadt erhalten ein völlig neues Besoldungsschema (im Bild Roland Düringer und Alfred Dorfer in der TV-Serie "MA 2412", die bald wieder auf ORFeins läuft).

Stimmung zwischen Freude und Skepsis im Amt für Weihnachtsdekoration. Die Bediensteten der Stadt erhalten ein völlig neues Besoldungsschema (im Bild Roland Düringer und Alfred Dorfer in der TV-Serie "MA 2412", die bald wieder auf ORFeins läuft).© ORF/Milenko Badzic Stimmung zwischen Freude und Skepsis im Amt für Weihnachtsdekoration. Die Bediensteten der Stadt erhalten ein völlig neues Besoldungsschema (im Bild Roland Düringer und Alfred Dorfer in der TV-Serie "MA 2412", die bald wieder auf ORFeins läuft).© ORF/Milenko Badzic

Wien. Mit dem Beamtentum in Wien ist es nun endgültig vorbei: Am Freitag hat Personalstadtrat Jürgen Czernohorszky das neue Gehaltssystem für die Mitarbeiter der Stadt Wien präsentiert. Es soll im Herbst im Wiener Landtag beschlossen werden und 2018 in Kraft treten. Ab diesem Zeitpunkt wird es bei der Stadt Wien nur noch Vertragsangestellte geben, Pragmatisierungen gehören damit definitiv der Vergangenheit an. Das trifft nun auch auf Feuerwehr-Mitarbeiter, Ärzte und "hoheitliche Führungskräfte" zu - Bereiche, in denen es zuletzt noch zwischen 60 bis 70 Pragmatisierungen gegeben hat.

Die Eckpfeiler der Reform lauten: Funktionsorientierte Entlohnung, flachere Gehaltskurven mit höherem Einstiegsgehalt, ein Mindestlohn von 1670 Euro - und der Wegfall des gesamten Zulagen- und Nebengebührenkataloges. Es werde auch keine Sonderverträge und keine All-in-Verträge mehr geben, betonte younion-Gewerkschaftschef Christian Meidlinger. Das gilt im Übrigen nur für alle Mitarbeiter, die nach Inkrafttreten der Reform bei der Stadt angestellt werden. Derzeit bestehende Dienstverhältnisse bleiben im alten System.


Aus für Senioritätsprinzip
Geeinigt haben sich SPÖ, Grüne und Gewerkschaft auch auf den Abschied vom Senioritätsprinzip, das bisher für die Gehaltshöhe der Bediensteten ausschlaggebend war. Das Prinzip lautete: Je älter, desto mehr Lohn. Hier wird nun auf eine funktions- bzw. leistungsorientierte Bezahlung umgestellt. Basis dafür bilde eine Funktionsbewertung, in der alle Faktoren, die bei der Ausübung der Tätigkeit relevant sind, berücksichtigt werden sollen.

Damit würden laut der grünen Gemeinderätin Barbara Huemer, die das Paket mitverhandelt hat, diverse Berufe aufgewertet, die bisher schlechtergestellt waren. Das betreffe vor allem Gesundheits- und Sozialberufe oder den Kindergartenbereich, weil hier im Gegensatz zum bestehenden System künftig die psychische Belastung adäquat zu körperlich fordernden Jobs abgegolten werden soll. "Das kommt vor allem den Frauen zugute, weil diese Jobs zum größten Teil weiblich besetzt sind", so Huemer, die im Zusammenhang mit der Besoldungsreform von einen Paradigmenwechsel in der Stadt sprach.

Derzeitige Regelung aus 1948
Laut Czernohorszky handelt es sich bei der Besoldungsreform um die größte in der 2. Republik - immerhin gehe die aktuelle Regelung auf das Dienstrechtsgesetz des Bundes aus dem Jahr 1948 zurück. Seit 2013 sei unter Einbindung der Sozialpartner an dem neuen Gehaltsschema gearbeitet worden. "Ein riesen Brocken Arbeit" sei das gewesen, betonte der Stadtrat. Ein riesen Brocken, den die Vorgängerin Czernohorszkys, die nunmehrige Gesundheitsstadträtin Sandra Frauenberger, ins Rollen gebracht habe. Ein riesen Brocken Arbeit für ein großes Ziel: Czernohorszky will nämlich mit der Reform den größten Arbeitgeber Österreichs auch zum besten Arbeitgeber der Republik machen, wie er nicht ganz unbescheiden erklärte.

weiterlesen auf Seite 2 von 2




3 Leserkommentare




Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Online-Nutzungsbedingungen an.


captcha Absenden

* Pflichtfelder (E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht)



Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2017
Dokument erstellt am 2017-07-07 17:54:07



Beliebte Inhalte

Meistgelesen
  1. "Lasst uns eine Woche lang alle Gesetze brechen"
  2. Schieder erwägt Wartefrist für Zuziehende
  3. Fraktion von Oskar Deutsch gewinnt IKG-Wahl
  4. "Wo bleibt da die Liebe?"
  5. Ein Fest für die Händler
Meistkommentiert
  1. Grüne fordern Rückzug von Vassilakou
  2. (Noch) kein Mann des Volkes
  3. Wiener Linien erhöhen 2018 ihre Fahrkartenpreise
  4. Vassilakou kontert Kritik
  5. Kein Licht am Ende des Tunnels

Werbung



Siemensgebäude

Der Investor und das Kreta-Viertel

In den tristen Betonbauten findet Zwischennutzung im großen Stil statt. - © Phillipp Hutter Wien. Am Rande von Kreta steht ein Zaun. Er soll nicht Flüchtlinge davon abhalten, Griechenland zu betreten. Er soll Wiener davon abhalten... weiter




Zwischennutzung

Die Hegemonie über die Zwischenwelt

Ein Gelände, zwei Welten: Auf der einen Seite ein geförderter Zwischennutzungs-Hub bei der Karl-Farkas-Gasse in Neu Marx . . . Wien. Es gibt Entwürfe, die in der Schublade verschwinden. Andere, die realisiert werden. Und dann gibt es jene Entwürfe... weiter





Werbung


Transition Base

Smartes Wagenvolk

Wohnraum muss nicht viel kosten: Der alte Zirkuswagen soll für kreative Zwecke genutzt werden. - © Puiu Wien. Über die Felder der im Nordosten Wiens liegenden Seestadt fegt ein eisiger Wind. Direkt neben der Satellitenstadt... weiter




Stadtentwicklung

Breitenseer Mauerfall

20161115Wien1 - © Driendl Architects Wien. Die Ziegelmauer ist wie ein Bollwerk. Auf einer Länge von einem halben Kilometer trennt sie den Stadtteil Breitensee vom übrigen Bezirk Penzing... weiter





Athen

Gründen gegen die Wirtschaftskrise

Athen. 42 Jahre nach dem Ende der Militärdiktatur ist Athen wieder auf dem Boden gelandet. Schlechte Jobchancen, zusammengekürzte Sozialleistungen und... weiter




Teheran

Irans Nerds

Über den Dächern Teherans eifern junge Männer und Frauen ihrem Idol Steve Jobs nach. - © Solmaz Khorsand Teheran. Lang und breit könnte Nasser Ghanemzadeh über sein Leid klagen. Darüber, wie quälend das Leben in einer Islamischen Republik ist... weiter





Innere Stadt

Noch kein Fort Knox

Älteste Kirche von Wien, die Ruprechtskirche, Schwedenplatz, Kohlmarkt, Dirndln auf der Kärntner Straße, Vivienne-Westwood-Shop in der Tuchlauben v.l.n.r. - © Ina Weber Wien. Ist man kein Anzugträger und wohnt dennoch im 1. Bezirk, kommt die Antwort auf die Frage nach dem Wohnort fast einem Geständnis gleich... weiter






Werbung


Werbung