• vom 01.09.2017, 17:02 Uhr

Stadtpolitik

Update: 02.09.2017, 10:44 Uhr

Gertraud Burtscher

Neonazi-Vorwürfe kosten Oma Rückhalt




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  • Politische Vertreter distanzieren sich von Gertraud Burtscher, Initiatorin der "Oma-Revolte", aufgrund politischer Vergangenheit im Neonazi-Milieu.

Die Oma-Revolte ist erschüttert. Gertraud Burtscher (Mitte) hier zu Gast bei Barbara Stöckl (l.) im ORF.

Die Oma-Revolte ist erschüttert. Gertraud Burtscher (Mitte) hier zu Gast bei Barbara Stöckl (l.) im ORF.

Wien. Nach einem Bericht in der "Wiener Zeitung" über die politische Vergangenheit von Getraud Burtscher, der Initiatorin der "Oma-Revolte", als Kader in Neonazi-Parteien haben sich Vertreter von ÖVP, SPÖ und Grünen und Katholischen Familienverband von der 74-Jährige distanziert. Ursprünglich hatten sie ihre Teilnahme an Burtschers Demonstration Freitagnachmittag am Wiener Heldenplatz für gerechtere Pensionen für ältere Frauen zugesagt. Nach den Enthüllungen wollen sie von der Initiatorin nun Abstand nehmen.

Die siebenfache Mutter und 24-fache Großmutter, gehörte in den 1980er Jahren zum Kader der Nationaldemokratischen Partei (NDP) von Neonazi Norbert Burger. Die österreichische Partei verstieß gegen das Verbotsgesetz, der Verein musste 1988 aufgelöst werden.

Burtscher wird demnach im Handbuch zum Rechtsextremismus, herausgegeben vom Dokumentationsarchiv des Österreichischen Widerstands (DÖW), als NDP-Mitglied unter dem Namen Gertraud Orlich, dem Nachnamen ihres ersten Ehemannes, geführt. Weiter taucht sie darin als Obmann-Stellvertreterin der Österreichischen Bürgerpartei (ÖBP) auf, einer neonazistischen Abspaltung der NDP. In den folgenden Jahren tauchte Burtscher als Autorin rechtsextremer Schriften auf, unter anderem eines Schreibens an das DÖW, das bekannten Holocaustleugnern gewidmet ist und das von antisemitischen Codes nur so strotzt.

Daran erinnert sich Burtscher im Gespräch mit der "Wiener Zeitung" nicht. Ebenso wenig daran, dass sie als Autorin für eine Zeitschrift des verurteilten Holocaustleugners Gerd Honsik publiziert habe. Heute erkenne sie den Holocaust "selbstverständlich" an, "das wird schon alles so sein".

Anliegen für gerechtere Pensionen ernst nehmen

Die schwarzen und roten Seniorenvertreterinnen werden wegen der Vorwürfe nicht an der Demonstration am Heldenplatz teilnehmen, teilten Ingrid Korosec vom ÖVP-Seniorenbund und Elisabeth Pittermann vom SPÖ-Pensionistenverband in einer Aussendung mit. Unabhängig davon solle Kindererziehungsarbeit in Zukunft eine finanzielle Anerkennung erhalten, forderten sie.

Auch die Grünen distanzierten sich und sagten ihre Teilnahme ab: "Es gibt keine Basis für ein gemeinsames Auftreten oder eine Zusammenarbeit mit Einzelpersonen, die den Holocaust infrage gestellt, sich mit Holocaustleugnern solidarisiert und eine führende Rolle in einer wegen NS-Wiederbetätigung aufgelösten Organisation gehabt haben."

Der Katholische Familienverband Österreichs (KFÖ) hat seine Zusage, die sogenannte "Oma-Revolte" bei einer Demonstration zu unterstützen, ebenfalls kurz vor der Veranstaltung zurückgezogen. Der Präsident des KFÖ, Alfred Trendl, erklärte jedoch gegenüber "Kathpress", es gelte das "100-prozentig berechtigte Anliegen" von der Person Burtschers zu trennen.





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Copyright © Wiener Zeitung Online 2017
Dokument erstellt am 2017-09-01 17:09:07
Letzte nderung am 2017-09-02 10:44:51



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