• vom 16.09.2017, 07:00 Uhr

Stadtpolitik

Update: 18.09.2017, 10:28 Uhr

Inklusion

"Wir gehen auch in weiße Ghettoschulen"




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Wie viele Schulen haben Sie gedreht?

Vier Schulen mit einem hohen Migrantenanteil sind jetzt gemischt. Aber wir gehen auch in die weißen Ghettoschulen und versuchen Migrantenfamilien zu überzeugen, ihre Kinder dorthin zu schicken. Bisher haben wir eine im Fokus.

Was sind da die Befürchtungen?

Auch das "Black Swan Syndrom". Sie haben Angst, dass ihr Kind ausgeschlossen wird oder dass das Niveau in der Schule zu hoch ist.

Wie durchmischt ist Ihr Arbeitsumfeld, wenn wir schon von Durmischung sprechen?

Von den 43 Mitglieder im Stadtrat haben sechs einen Migrationshintergrund. Das ist wenig in einer Stadt, wo 130 Nationalitäten vertreten sind und 27 Prozent der Bürger einen Migrationshintergrund haben. Da gibt es definitiv noch viel zu tun. Die Stadtverwaltung hat einen Migrationsanteil von 15 Prozent. Als ich angefangen habe, waren es lediglich drei Prozent. Wir versuchen, diesen Anteil anzuheben, und zwar auf allen Ebenen. Aber es gibt noch viel zu tun. Es ist nicht das Paradies.

Europaweit wurden Sie damit bekannt, dass keiner "Ihrer" Jungs sich dem IS angeschlossen hat. Auffallend ist die Sprache, die Sie dabei immer wieder verwenden.

Es gibt Bürgermeister, die sagen: Wenn sich einer aus meiner Stadt dem IS anschließt, soll er ruhig gehen, ich hoffe, dass er stirbt. Ich nicht: Wenn einer aus meiner Stadt geht, ist das ein Verlust. Das ist ein Versagen, mein persönliches Versagen. Es ist so, als ob ich einen Sohn verloren hätte.

Würden Sie Ihren Sohn wieder aufnehmen, wenn er für den IS gekämpft hätte und zurückkehrte?

Wir sind nicht naiv. Wenn das jemand getan hat, ist das ein Verbrechen. Ihm muss der Prozess gemacht werden und er muss vielleicht auch hinter Gitter. Aber danach, wenn er seine Strafe verbüßt hat, muss er wieder in die Gesellschaft integriert werden. Denn auch wenn er ein Terrorist ist, er ist unser Terrorist.

Zur Person

Bart

Somers

ist seit 2001 Bürgermeister der belgischen Stadt Mechelen. Als Fraktionsvorsitzender der Allianz der Liberalen und Demokraten für Europa (Alde) sitzt er im Europäischen Ausschuss der Regionen und wurde 2016 zum Weltbürgermeister gekürt.

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Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2017
Dokument erstellt am 2017-09-15 17:34:10
Letzte nderung am 2017-09-18 10:28:24



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