• vom 05.10.2017, 16:59 Uhr

Stadtpolitik

Update: 06.10.2017, 07:45 Uhr

Stadtrechnungshofbericht

Ausgespielt?




  • Artikel
  • Kommentare (1)
  • Lesenswert (25)
  • Drucken
  • Leserbrief




Von Ina Weber

  • Die Wiener Symphoniker befinden sich laut Stadtrechnungshof in finanziellen Schwierigkeiten - der Verein verteidigt sich.

Jährliches Konzert "Fest der Freude" der Wiener Symphoniker am Wiener Heldenplatz. - © apa/Hochmuth

Jährliches Konzert "Fest der Freude" der Wiener Symphoniker am Wiener Heldenplatz. © apa/Hochmuth

Wien. Ohne Unterstützung der Stadt wäre es sowieso nie gegangen. Die Wiener Symphoniker, international anerkanntes und bedeutendstes Orchester Wiens, stecken aber trotz der Förderungen seit Jahren in finanziellen Schwierigkeiten. Der Stadtrechnungshof hat diesbezüglich am Donnerstag einen aktuellen Bericht veröffentlicht. Daraus geht hervor, dass sich der Verein Wiener Symphoniker zwar bemüht hätte, Reformschritte umzusetzen. Dies jedoch noch nicht zufriedenstellend geschafft wurde. Auch die Stadt Wien wird in dem Prüfbericht kritisiert. Sie hätte Subventionen erlassen, ohne zuvor zu prüfen, wie hoch der Eigendeckungsgrad des Vereins ist und wie weit die Reformschritte bereits umgesetzt wurden.

Hohe Personalkosten
Konkret fasst der Prüfbericht die Misere in Zahlen zusammen: Ende des Jahres 2015 gab es einen Jahresfehlbetrag von rund 1,3 Millionen Euro, einen Bilanzverlust von rund 64 Millionen Euro und eine fiktive Schuldentilgungsdauer von rund 93 Jahren. Insgesamt gehen rund 50 Empfehlungen des Prüforgans an den Verein. Sie betreffen hohe und teils "nicht nachvollziehbare" Ausgaben bei Honoraren, Sponsoreinnahmen, Druckkosten, Pensionszahlungen, Auslastung oder Musikeranzahl.

Werbung

"Der Verein Wiener Symphoniker war als Dienstleistungsbetrieb vor allem durch Personalkosten belastet, die durch die in der Vergangenheit getroffenen Regelungen kurz- bzw. mittelfristig kaum veränderbar waren", heißt es in dem Bericht.

Mit einem Beschluss des Gemeinderates im Jahr 2005 verpflichtete sich die Stadt für den Fall einer Liquidation des Vereines zur Abdeckung der Rückstellungen für Pensionen, Abfertigungen. Diese Garantie der Stadt war allerdings an Bedingungen gekoppelt. Der Verein sollte weitere Reformschritte wie die Anpassung des Pensionsstatuts an eine zeitgemäße Form umsetzen.

Nach Ansicht des Stadtrechnungshofes sind diese Vorgaben noch nicht zur Gänze erfüllt worden. Der Prüfbericht hält jedoch auch fest, dass dem Intendanten Johannes Neubert die Notwendigkeit von Reformen bewusst ist und erste budgetwirksame Schritte bereits gesetzt wurden.

Als Resultat des Prüfberichts werden Empfehlungen an das Magistrat der Stadt Wien und den Verein ausgesprochen. So soll die Stadt die Entwicklung des Vereins im Auge behalten, den Eigendeckungsgrad in die Förderungsbestimmungen aufnehmen und die jährlichen Förderungen bis zur vollständigen Umsetzung der Reformen deckeln.

Sicherstellung Musikstadt
Das Magistrat kontert: "Dieser Eigendeckungsgrad dient als Orientierungshilfe, ist aber keine Voraussetzung für die Gewährung einer Förderung. Selbstverständlich wird bei größeren Abweichungen darauf geachtet, dass Begründungen vorgelegt werden." Die Stadt weist darauf hin, dass "im letzten Jahresabschluss die Symphoniker laut ihrer Geschäftsführung die höchste jemals erzielte Eigendeckung der Geschichte von über 30 Prozent hatten".

Und: "Die Wiener Symphoniker sind eines der bedeutendsten Orchester Europas und weltweiter Botschafter der Musikstadt Wien. Die Sicherstellung dieser für die Musikstadt Wien wertvollen Tätigkeit muss gleichermaßen Ziel sein, wie die Erfüllung notwendiger Reformschritte." Auch der Verein Wiener Symphoniker verteidigt sich. Sieht aber in vielen vom Stadtrechnungshof angeführten Kritikpunkten, diese bereits erfüllt oder nicht nachvollziehbar. So weist der Verein darauf hin, dass eine Verkleinerung des Orchesters - von derzeit 126 Musikern auf 100 - eine kulturpolitische Entscheidung sei. Bei der vom Prüforgan geforderten Reduzierung der Anzahl der Auftritte, stellt er entgegen, dass dies wiederum zu Einbußen für die Wiener Veranstalter führen würde.

Und beim Vorwurf der "nicht nachvollziehbaren Regelung der Weiterbezahlung höherer Bezüge, trotz eines Wechsels auf eine Position, die geringere Bezüge vorsah", entgegnet der Verein: Diese Regel würde bei allen Orchestern in Österreich existieren.




1 Leserkommentar




Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Online-Nutzungsbedingungen an.


captcha Absenden

* Pflichtfelder (E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht)



Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2017
Dokument erstellt am 2017-10-05 17:04:12
Letzte ─nderung am 2017-10-06 07:45:49



Beliebte Inhalte

Meistgelesen
  1. Muss Vassilakou gehen?
  2. Wien macht 376 Millionen Euro neue Schulden
  3. Plötzlich wieder arbeitsfähig
  4. Die letzten Prater-Könige
  5. Kein Ende von Büros in Sicht
Meistkommentiert
  1. Grüne setzen nun doch auf Stromantrieb
  2. Muss Vassilakou gehen?
  3. Plötzlich wieder arbeitsfähig
  4. Bei Wahlen ist Stadt-Land kein Spiel
  5. Der gelebte Shitstorm

Werbung



Siemensgebäude

Der Investor und das Kreta-Viertel

In den tristen Betonbauten findet Zwischennutzung im großen Stil statt. - © Phillipp Hutter Wien. Am Rande von Kreta steht ein Zaun. Er soll nicht Flüchtlinge davon abhalten, Griechenland zu betreten. Er soll Wiener davon abhalten... weiter




Zwischennutzung

Die Hegemonie über die Zwischenwelt

Ein Gelände, zwei Welten: Auf der einen Seite ein geförderter Zwischennutzungs-Hub bei der Karl-Farkas-Gasse in Neu Marx . . . Wien. Es gibt Entwürfe, die in der Schublade verschwinden. Andere, die realisiert werden. Und dann gibt es jene Entwürfe... weiter





Werbung


Transition Base

Smartes Wagenvolk

Wohnraum muss nicht viel kosten: Der alte Zirkuswagen soll für kreative Zwecke genutzt werden. - © Puiu Wien. Über die Felder der im Nordosten Wiens liegenden Seestadt fegt ein eisiger Wind. Direkt neben der Satellitenstadt... weiter




Stadtentwicklung

Breitenseer Mauerfall

20161115Wien1 - © Driendl Architects Wien. Die Ziegelmauer ist wie ein Bollwerk. Auf einer Länge von einem halben Kilometer trennt sie den Stadtteil Breitensee vom übrigen Bezirk Penzing... weiter





Athen

Gründen gegen die Wirtschaftskrise

Athen. 42 Jahre nach dem Ende der Militärdiktatur ist Athen wieder auf dem Boden gelandet. Schlechte Jobchancen, zusammengekürzte Sozialleistungen und... weiter




Teheran

Irans Nerds

Über den Dächern Teherans eifern junge Männer und Frauen ihrem Idol Steve Jobs nach. - © Solmaz Khorsand Teheran. Lang und breit könnte Nasser Ghanemzadeh über sein Leid klagen. Darüber, wie quälend das Leben in einer Islamischen Republik ist... weiter





Innere Stadt

Noch kein Fort Knox

Älteste Kirche von Wien, die Ruprechtskirche, Schwedenplatz, Kohlmarkt, Dirndln auf der Kärntner Straße, Vivienne-Westwood-Shop in der Tuchlauben v.l.n.r. - © Ina Weber Wien. Ist man kein Anzugträger und wohnt dennoch im 1. Bezirk, kommt die Antwort auf die Frage nach dem Wohnort fast einem Geständnis gleich... weiter






Werbung


Werbung