• vom 12.10.2017, 17:41 Uhr

Stadtpolitik

Update: 12.10.2017, 18:00 Uhr

MA40

Plötzlich wieder arbeitsfähig




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Von Christian Rösner

  • Seit Jahresbeginn werden immer mehr psychisch kranke Menschen wieder gesundgeschrieben. Ein politischer Auftrag?



Wien. Es gibt verhältnismäßig viele Mindestsicherungsbezieher in Wien, etliche davon haben eine psychiatrische Erkrankung und können aufgrund dessen nicht arbeiten. Die meisten von diesen Menschen bekommen auch keine Pension, sondern sind Mindestsicherungsbezieher. Um die Mindestsicherung aufgrund einer psychischen Erkrankung erhalten zu können, muss beim Magistrat regelmäßig ein Antrag gestellt werden, wo geprüft wird, ob die die betroffene Person weiterhin die Mindestsicherung beziehen kann oder nicht.

Bis 2017 hat die entsprechenden Gutachten die Sigmund-Freud-Universität (SFU) im Auftrag der MA40 (Soziales, Sozial- und Gesundheitsrecht) vorgenommen und durchschnittlich 195 Personen pro Jahr wieder als "arbeitsfähig" ausgewiesen. Seit Beginn des Jahres werden die Begutachtungen von der Pensionsversicherungsanstalt (PVA) durchgeführt - seitdem wurden allein bis Ende September 1472 als psychisch krank gemeldete Personen wieder als "arbeitsfähig" eingestuft - das geht zumindest aus den Zahlen der MA40 hervor.


"Die werden alle reihum gesundgeschrieben, sind plötzlich arbeitsfähig, müssen zum AMS, sagen dort, dass sie nicht arbeiten können, bekommen den Vermerk ,nicht vermittelbar‘, es folgt eine Kürzung der Mindestsicherung und im weiteren Schritt droht eine komplette Streichung", erklärt eine Psychotherapeutin und Fachärztin für Psychiatrie und psychotherapeutische Medizin, die anonym bleiben will, in einem Gespräch mit der "Wiener Zeitung".

So heißt es etwa ihr zufolge in einem Dokument des AMS: "Bei weiterer Weigerung beziehungsweise Vereitelung der Arbeitssuche oder Arbeitsaufnahme bzw. der Teilnahme an einer Fördermaßnahme, die auf die Integration in den Arbeitsmarkt abzielt, erfolgt eine weitere Kürzung der Leistung zur Deckung des Lebenunterhalts bis zu 100 Prozent."

"Heuer keine einzige Verlängerung"
"Das Problem ist, wenn Menschen keine Berufsausbildung haben, sind sie eigentlich immer vermittelbar, weil kein Berufsschutz existiert. So braucht man etwa für den Job als Portier weder Arme noch Beine. Und somit ist man immer arbeitsfähig, so die Ärztin. Sie berichtet von eigenen Patienten, die - ihren Angaben zufolge berechtigter Weise - 15 Jahre lang Mindestsicherung bezogen haben, plötzlich zur Arbeit gezwungen werden sollen. "Seit 2017 ist bei keinem einzigen meiner Patienten die Mindestsicherung verlängert worden", erklärt die Ärztin. Und viele ihrer Kollegen berichten Ähnliches.

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Schlagwörter

MA40, PVA, SFU, AMS, Sandra Frauenberger

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Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2017
Dokument erstellt am 2017-10-12 17:45:06
Letzte nderung am 2017-10-12 18:00:22



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