• vom 24.11.2017, 17:13 Uhr

Stadtpolitik

Update: 24.11.2017, 20:52 Uhr

Maria Vassilakou

"Abgrenzung zur SPÖ nötig"




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Von Ina Weber und Christian Rösner

  • Die Wiener Grünen stellen am Samstag im Zuge der Landesvollversammlung die Weichen für die Zukunft.



In welche Richtung es gehen wird, wissen derzeit weder die Grünen noch die Roten.

In welche Richtung es gehen wird, wissen derzeit weder die Grünen noch die Roten.© apa/Techt In welche Richtung es gehen wird, wissen derzeit weder die Grünen noch die Roten.© apa/Techt

Wien. "Meine Zeit bei den Grünen ist vorbei", "Ich habe mit den Grünen abgeschlossen", "Ich möchte dazu eigentlich nichts sagen" - die Enttäuschung bei ehemaligen Grün-Politikern ist groß. Viele kehren der jahrzehntelang vom Aufstieg verwöhnten Partei den Rücken zu. Die einen hat es früher getroffen - interne Querelen gab es bei den Grünen immer -, die anderen am 15. Oktober, als klar war: Auf bundespolitischer Ebene ist es vorbei. Der Hammerschlag traf auch die ohnehin schon angeschlagenen Wiener Grünen hart. "Das ist ein Schock für die ganze Partei", so ein ehemaliger Grünen-Mitarbeiter, der nicht genannt werden möchte.

Die Wiener Grünen haben sich schon vor dem Wahldebakel zerfleddert. Die Basis zeigte sich oft verärgert angesichts der Entscheidungen von Grünen-Wien-Chefin und Vizebürgermeisterin Maria Vassilakou. "Der Heumarkt war nur die Spitze des Eisberges", heißt es aus Insiderkreisen. Vassilakou habe beim roten Koalitionspartner zu oft klein beigegeben und "die ureigensten Interessen der Grünen" verraten, heißt es - "gegen die Bewahrung von Kultur und Natur".

Keine Diskussionskultur

Damit kam der Stein ins Rollen. Anstatt inhaltlich zu diskutieren, wurde über vieles drübergefahren. Dass die Grünen ein Problem mit ihrer Diskussionskultur hätten, war oft zu hören. Der Stil sei zu hinterfragen, so ein ehemaliger Grüner. Man müsste intern darüber nachdenken, wie gewisse Botschaften beim Wähler ankommen, etwa wenn die grünen Politikerin Sigi Maurer bei ihrem Auszug aus dem Nationalrat mit Sektglas und Stinkefinger gepostet ist. "Hier bräuchte es eine offenere Haltung der Grünen", heißt es.

Zurzeit wird auch bei den Wiener Grünen heftig verhandelt. Und sowohl Vassilakou als auch den grünen Politikern ist klar, dass es eine Veränderung braucht. Wie diese aussehen soll, wird bei der Landesversammlung der Wiener Grünen am Samstag ausdiskutiert. Vassilakous Herausforderer ist der Grünen-Vorsitzende des 1. Bezirkes, Alexander Hirschenhauser. Er repräsentiert jene Grünen-Gruppe, die sich beim Heumarkt-Projekt gegen den Turm ausgesprochen hat. Vor kurzem hatte er einen Antrag zum Rücktritt von Vassilakou angekündigt, doch dieser ist nun - wie bereits berichtet - nicht mehr fix. Sollte man sich auf einen gemeinsamen Text einigen, wäre der Rückzugs-Antrag hinfällig, so Hirschenhauser zur "Wiener Zeitung".

Neuer Regierungsstil

Alle seien derzeit im Gespräch und bereit, über Führung zu diskutieren, sagte er. Dies sei ein enormer Fortschritt. "Dass wir überhaupt darüber reden können, ist gut." Und geredet wird vor allem über folgende Punkte: ein neuer Regierungsstil, die Abgrenzung zur SPÖ, eine Kommunikation zu den Bürgern hin, mehr Politik und weniger Werbeagenturen. "Es wird sich wirklich etwas verändern", ist Hirschenhauser überzeugt. Eine gemeinsame Richtung, wo alle Wiener Grünen wieder an einem Strang ziehen? "Denkbar ist es", sagt er.




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Dokument erstellt am 2017-11-24 17:17:05
Letzte nderung am 2017-11-24 20:52:40



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