• vom 06.12.2017, 17:06 Uhr

Stadtpolitik

Update: 08.12.2017, 16:02 Uhr

Spital

Bauliche Endphase




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Von Ina Weber

  • Ein Rundgang durch das neue Krankenhaus Nord, das spätestens Anfang 2019 in Betrieb gehen soll.



Die medizinische Leiterin des KH Nord, Sylvia Schwarz (r.), in einem der 16 Operationssäle.

Die medizinische Leiterin des KH Nord, Sylvia Schwarz (r.), in einem der 16 Operationssäle.© Stanislav Jenis Die medizinische Leiterin des KH Nord, Sylvia Schwarz (r.), in einem der 16 Operationssäle.© Stanislav Jenis

Wien. Es gibt kaum ein großes Bauprojekt in Wien, das ohne Skandal verläuft. Ob der Bau des AKH oder die Renovierung des Stadthallenbades, die Ursachen sind unterschiedlicher Natur, der mediale Effekt ist immer derselbe: ein Skandal. Auch das neue Krankenhaus Nord, dessen Grundsteinlegung am 20. September 2012 erfolgte, ist höchst umstritten. Ob berechtigt oder nicht, ist aus unterschiedlichen Perspektiven zu beantworten. Tatsache ist, dass der Bau von Beginn an auch von Baufehlern begleitet wurde und die Fertigstellung sich Jahr um Jahr verzögert.

Aus Sicht eines Bauprofis sind diese Fehler oft Teil des alltäglichen Geschäfts, aus Sicht des Steuerzahlers schwebt über dem Ganzen ein großes Fragezeichen: Sind hier Fehler gemacht und unnötig Steuergelder verprasst worden?


Die Stadtregierung hat bereits Fehler eingestanden. Zu Beginn des Vorhabens sind laut Gesundheitsstadträtin Sandra Frauenberger Fehlentscheidungen getroffen worden. Unter anderem hätte der Krankenanstaltenverbund (KAV) seine Rolle als Bauherr nicht ausreichend wahrgenommen. Der Erkenntnis vorausgegangen ist ein Rechnungshof-Rohbericht, der vor kurzem medial durchgesickert ist. Demnach drohten dem Krankenhaus Mehrkosten von bis zu 400 Millionen Euro.

Ein Teil des Gartens mit Spielgeräten.

Ein Teil des Gartens mit Spielgeräten. Ein Teil des Gartens mit Spielgeräten.

Tatsache ist aber auch, dass trotz Baufehlern, Konkursen von Firmen und rechtlichen Klagen der Bau unaufhörlich weiterging und noch weitergeht. Ein Rundgang zeigte, dass die Bauarbeiten in der Endphase sind. Laut Fachmännern soll das Krankenhaus Nord bis Ende des Jahres "zu 99 Prozent" zumindest baulich fertig sein. Und was wird dem Steuerzahler um die als Worst Case prognostizierten 1,4 Milliarden Euro nun geboten? Sehr viel, wie der Augenschein zeigt.

Die Fußbodenheizung läuft auf Hochtouren. Einige der Bauarbeiter stehen im kurzen Leiberl da. Laut KAV sind täglich rund 1000 Arbeiter - vom Tischler bis zum Überwachungspersonal - am Bau beschäftigt. Der Probebetrieb hat angefangen. Die Heizung läuft für die ersten Lüftungsabnahmen bereits durch. Die silbernen Klappen an den Decken stehen alle offen. Naturweiße, großflächige Bodenfliesen, kleinstabiger Eichen-Industrieparkett, Holzpulte, große Fenster, Fenstersitzbänke in gediegenen Farben: Das zukünftige Spital in der Brünner Straße in Floridsdorf sieht tatsächlich anders aus als die anderen KAV-Spitäler in Wien.

Statt vieler weißer, kahler Wände ist der Bau durch die vielen Glas-, Holz und Grünflächen und großzügig angelegten Gänge und Räume sehr offen gehalten. "Das Besondere daran ist, dass jeder einzelne Arbeitsraum natürliches Licht hat", erklärt Sylvia Schwarz, die medizinische Leiterin des KH Nord. Die hauseigene Apotheke in der Empfangsaula ist fast fertig. Die letzten Fliesen auf der 200 Meter langen Magistrale - der lange breite Gang, der durch das Spital führt - werden gerade verlegt. Viele der Boden- und Wandflächen sind noch zugeklebt, um diese vor Schaden zu bewahren. Es gibt nur Ein- oder Zweibettzimmer. "Die Keimbelastung ist hoch. Die Zimmer sind für die Patienten damit sicherer und hygienischer", sagt Schwarz zur "Wiener Zeitung". Neu sei die Terminambulanz. Der Patient mache sich einen Termin vorher telefonisch aus. "Dann muss man nicht mehr stundenlang warten. Die Wartezeit soll damit höchstens 30 Minuten betragen", so Schwarz.

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Copyright © Wiener Zeitung Online 2017
Dokument erstellt am 2017-12-06 17:11:18
Letzte ─nderung am 2017-12-08 16:02:09



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