• vom 19.04.2012, 18:16 Uhr

Stadtpolitik

Update: 19.04.2012, 19:29 Uhr
  • Artikel
  • Kommentare (5)
  • Lesenswert (0)
  • Drucken
  • Leserbrief
  • Empfehlen/Teilen



Platz und Denkmal bleiben

Lueger fliegt aus dem Ring



  • Umbenennung in Universitätsring sorgt für heftige Kontroversen.

Der Lueger-Ring wird umbenannt - der Lueger-Platz samt Denkmal wird aber bleiben. Fotos:apa

Der Lueger-Ring wird umbenannt - der Lueger-Platz samt Denkmal wird aber bleiben. Fotos:apa

Wien. (may) Die Debatte um die Umbenennung des Dr.-Karl-Lueger-Rings in Wien läuft schon seit Jahren - nun hat die rot-grüne Stadtregierung eine alles andere als unumstrittene Entscheidung gefällt: Der Straßenabschnitt zwischen Burgtheater und Schottengasse wird künftig Universitätsring heißen - benannt nach der Universität Wien, die eben diese Forderung wiederholt gestellt hat. Laut Kulturstadtrat Andreas Mailath-Pokorny (SPÖ) sollen die nötigen Beschlüsse vor dem Sommer fallen, die endgültige Namensänderung samt Schilder- und Adressentausch ist dann für Anfang Herbst geplant.

Werbung

Bisher hat sich die Stadt freilich geweigert, den rund 620 Meter langen Ring-Abschnitt wegen seines Namenspatrons - Populist, Antisemit, aber auch erfolgreicher Wiener Bürgermeister (Hochquellwasserleitung) - umzutaufen. Schließlich käme der Adressentausch den Anrainern teuer. An dieser Haltung will Mailath zwar grundsätzlich festhalten und daher die Straßenkarte keinesfalls "ausweißeln"; bei Lueger werde aber aus guten Gründen eine Ausnahme gemacht, um ein "Zeichen für ein differenziertes Lueger-Bild" zu setzen.



Außerdem werde der frühere Bürgermeister noch häufig genug im Stadtbild gewürdigt - an insgesamt zwölf Orten: Am prominentesten sind der Lueger-Platz am Stubentor (U3) samt Denkmal sowie die Lueger-Gedächtniskirche am Zentralfriedhof. Laut Mailath-Büro werde an diesen Benennungen definitiv nicht gerüttelt; auch die von der Universität für angewandte Kunst initiierten Kippung des Denkmals werde nicht kommen, da das Bundesdenkmalamt sein Veto eingelegt habe.

Zugleich werden derzeit in einer Studie des Historikers Oliver Rathkolb alle 4200 personengebundenen Namensbezeichnungen in Wien geprüft; daher sind weitere Maßnahmen - auch gegen Personen aus anderen politischen Lagern - nicht ausgeschlossen.

Während Uni Wien, ÖH und die Grünen die Umbenennung begrüßten, kamen von der Opposition raue Töne: Die FPÖ zeigte sich erbost über "linken Gesinnungsterror" und die von Rot-Grün betriebene "politische Umerziehung". Die ÖVP plädierte zwar für ein "differenziertes" Lueger-Bild, sprach jedoch von "unglaublicher Arroganz" und zweifelte an der Stadtregierung als "moralische Instanz", zumal ein Che-Guevara-Denkmal kein Problem sei.




5 Leserkommentare




Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Online-Nutzungsbedingungen an.


captcha Absenden

* Pflichtfelder (E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht)



Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2013
Dokument erstellt am 2012-04-19 18:23:05
Letzte Änderung am 2012-04-19 19:29:43


Beliebte Inhalte



Die Stadthalle verliert das Stadthallenbad - zumindest organisatorisch. - APA/HERBERT NEUBAUER
  • Künftig als Kapitalgesellschaft an den Wien-Holding-Konzern angebunden.
  • weiter

Auch wenn das Hochwasser zurückgegangen ist: Durch die Flutung der Neuen Donau könnten Keime aus überschwemmten Kläranlagen im Wasser sein. Das Badeverbot bleibt daher noch aufrecht. - APAweb / EPA / Roland Schlager
  • Schwimmen möglicherweise ab Donnerstag wieder erlaubt.
  • weiter

Am Matzleinsdorfer Friedhof wurde Förster begraben. Sein Grab ist heute aufgelassen. - Gruntzel
  • Förster steht heute im Schatten von Theophil Hansen und Otto Wagner.
  • weiter

Sie schauen hinunter - weil sie auf dem höchsten Gebäude des Landes stehen. - Rösner
  • Die Stadtspitze resümierte auf dem DC-Tower über 2,5 Jahre Koalitionsarbeit.
  • weiter

Diesen Fahrradsattel hat sich eine Bienenkönigin ausgesucht - das Volk folgte. - MA 68 Lichtbildstelle
  • Bienenvolk eroberte Fahrradsattel im 9. Bezirk für sich.
  • weiter

Kindergarten ab eins und Ganztagsschule: für Brandsteidl die beste Lösung. - Radule Bozinovic/KOSMO
  • Stadtschulratspräsidentin hält Trennung von deutsch- und nichtdeutschsprachigen Kindern für wenig sinnvoll.
  • weiter

Erwerb der Erstsprache ist mit Schuleintritt noch nicht abgeschlossen. - Stanislav Jenis
  • An vielen Schulen ist es Kindern untersagt, ihre Erstsprache zu sprechen.
  • weiter

Präzision und Eleganz lassen bei den Pferden zu wünschen übrig, kritisieren Insider. - apa
  • Belegschaft fürchtet um Qualitätsverlust der Traditionsinstitution.
  • weiter

Michael Cramer will den Fahrradtourismus fördern . - Bernold
  • Die Aufregung um das Rad-Thema wird laut Experten bald verschwinden.
  • weiter

Zu Obdachlosen und Bettlern wurden die Stadttauben degradiert, meinen Tierschützer. - dpa
  • In Meidling traf sich das Who is Who der deutschsprachigen Taubenlobby.
  • weiter




Werbung



Oliver Rathkolb, Leiter der Historikerkommission zu Straßennamen, im Interview

Straßennamen im Umbruch

Umbenannt. Der Dr.-Karl-Lueger-Ring heißt seit Juli 2012 Universitätsring. Der Lueger-Platz bleibt als Reibebaum. - PID/Schaub-Walzer Wien. Es sind 4200 Straßennamen, die die Historikerkommission rund um Oliver Rathkolb nach problematischen Namen durchforsten muss... weiter


100. Todestag von Karl Lueger: Reformer, Populist und Antisemit, bewundert und angefeindet

Umstrittener Modernisierer

2012karllueger2 - Wiener Zeitung / Andreas Urban Man muss kein Prophet sein, um die Chancen auf eine Umsetzung der Pläne skeptisch zu beurteilen. Alle Jahre wieder fordern Initiativen die... weiter


US-Historiker John W. Boyer im Interview zum 100. Todestag des legendären Wiener Bürgermeisters Karl Lueger

Der Anfang vom einfärbigen Wien

2012karllueger - Wiener Zeitung / Andreas Urban Darüber hinaus avancierte Lueger mit der Gründung der Christlichsozialen Partei zu einem der Architekten des späteren österreichischen... weiter




Schwere Unwetterschäden nach einem Murenabgang im Ortskern von Hallstatt aufgenommen am Mittwoch, 19. Juni 2013. Nach einem heftigen Unwetter ist der Mühlbach über die Ufer getreten wobei eine Mure den Ortskern von Hallstatt im oberösterreichischen Salzkammergut beschädigt hat.

Ein Fahrrad an einer Kreuzung mitten im 9. Bezirk war der etwas ungewöhnliche Rastplatz für ein Bienenvolk. Guten Tag, Lubango! Der Giraffen-Junge kam am Samstag, 15. Juni, zur Welt.

19.6.2013: Ein Turopolje-Schwein schwimmt in einem Teich im Tierpark in Schleswig-Holstein. Die robusten Schweine stammen ursprünglich aus den Flussniederungen der Save in Kroatien. Die Turopolje sind ausgezeichnete Schwimmer, die sich bei Überschwemmungen die Nahrung auch unter Wasser suchen und sogar nach Muscheln tauchen. Kunstraub der anderen Art: Von einer Hauswand  in London ausgemeißelt wurde im Februar das Banksy-Graffitikwerk "Slave Labour". Kurz darauf tauchte es bei einem Auktions-Haus in Miami in Florida wieder auf. Am 2. Juni wiederum wurde es trotz Proteste um 1,1 Millionen Dollar in London versteigert. Das Kulturbild der Woche geht nun für zwei Wochen auf Urlaub und ist am 24.Juni wieder zurück.

Werbung