Menschen, die sich auf zwei dünnen Rädern fortbewegen, die sie mit der Kraft ihrer Beine antreiben: Ein Bild, das vor nicht allzu langer Zeit in der Stadt exotisch anmutete, ist immer öfter im täglichen Leben zu sehen, im Stadtbild erlebbar. Das Image der Öko-Freaks, das den Radfahrern früher anhaftete, schwindet. Steigende Benzinpreise, aber auch einfach die Erfahrung, in einem Umkreis von fünf Kilometern auf diese Weise schneller zu sein als Autofahrer und auch als die Öffi-Nutzer, haben zu einem wahren Boom des Rads in der Stadt beigetragen.
2011 stellten die Österreicher einen neuen Rekord im Radfahren auf. 2,2 Milliarden Kilometer wurden laut einer Studie des Verkehrsclub Österreich (VCÖ) geradelt. Das sind 264 Kilometer pro Person und zirka 55.000 Erdumrundungen. Dass da nach oben hin aber immer noch Luft ist, zeigt ein Blick in andere Länder: In den Niederlanden und in Dänemark werden pro Jahr mehr als 1000 Kilometer pro Person mit dem Rad zurückgelegt.
Dennoch: Auch in Österreich und vor allem in der Bundeshauptstadt ist Radfahren massentauglich geworden. Und - was noch wichtiger ist: alltagstauglich. Um im städtischen Dschungel über die Runden zu kommen, gibt es inzwischen eine breite Palette an Fahrrädern und Produkten, die dem urbanen Alltagsradler entgegenkommen.

Alltagstauglichkeit im Vordergrund
"Licht, Packlträger, Kotflügel - und leicht soll es sein", fasst Heinz Wipplinger die Wünsche seiner Kunden an ihn zusammen. In seinem Geschäft Enzovelo am Alsergrund (Spittelauer Lände 11, 1090 Wien) gibt es zwar auch Ausgefallenes wie Ein-, Hoch- oder Lastenräder. Aber den einfachen Alltagsradler kann er genauso gut bedienen. Hat er seinen ursprünglichen Job beim ÖAMTC doch an den Nagel gehängt, um "Fahrräder zu verkaufen, die ich nirgends bekommen habe." Denn Alltagsräder oder auch E-Bikes gab es 2008 noch nicht so viele. Innerhalb vom Gürtel ist es sehr sinnvoll, Alltagswege mit dem Fahrrad zu bewältigen. Auch wenn es, wie er sagt, eine "Parkplatzproblematik" gibt: Denn zu Hause haben viele Menschen in diesem Gebiet nur einen kleinen Keller oder sie dürfen das Rad oft nicht im Stiegenhaus abstellen. Da ist es besonders wichtig, dass es leicht ist, um auch einmal in die Wohnung getragen werden zu können.

Damit das Rad auch wirklich für den täglichen Weg in die Arbeit genutzt werden kann, sind passende Taschen besonders wichtig. Da gehe der Trend weg von den normalen Packtaschen hin zu den wasserdichten Office-Taschen, die gar nicht mehr aussehen wie Radtaschen und innen ein Fach für den Laptop haben. Wer es ganz nobel will, kann sich auch einen silbernen Koffer an den Gepäckträger klicken. Das ist bei den modernen Rädern auch einfacher, haben diese doch oft keine Klappe mehr montiert, sondern lassen sich leicht für ein pfiffiges Klicksystem adaptieren.

Einfach und unauffällig, diesen Trend sieht auch Michael Schedl von der Bicycle Company in Mariahilf (Getreidemarkt 1, 1060 Wien) beim Fahrrad. Es sollte einerseits günstig sein, so zwischen 400 und 600 Euro kosten. Andererseits sollte es eher unauffällig sein und eine gedeckte Farbe haben, zum Beispiel Mattschwarz - in der Hoffnung, dass mögliche Diebe sich für so ein "billiges" Fahrrad nicht interessieren. Ein wichtiger Aspekt, werden in Österreich in der Hauptsaison laut VCÖ doch 100 Räder täglich entwendet. Jeder dritte Diebstahl ereignete sich 2011 in Wien. "Der Trend geht auch zum Zweit- oder Drittrad, das dann eventuell gebraucht gekauft wird", so Schedl.

Auch bei Citybiker in Neubau (Lerchenfelder Straße 13, 1070 Wien) greifen die Rad-Interessenten zu reduzierten, nicht so auffälligen Modellen. "Zum Beispiel KTM, die Markennamen sind nicht mehr so schreiend aufgemalt, die Optik wirkt insgesamt aufgeräumt", erzählt Gernot Frank.
Moderne Technik auf alt gemacht, diese Art von Tarnen und Täuschen als "Diebstahlschutz" erklärt auch den Trend zum Retro-Stil beim Fahrrad. Da passt dann zum Beispiel ein Ledersattel sehr gut dazu, der quasi von sich aus ein Rad schon retro macht. Und auch wenn "er die ersten 1000 Kilometer sehr hart zum Sitzen ist" (Wipplinger), ist er durch seine Robustheit ein praktisches Utensil für den Stadtradler. Und: "Aufgeschnitten werden kann er nicht", fügt Gernot Frank hinzu. Denn Vandalismus ist neben Diebstahl ein großes Thema in der Stadt.
Gleichzeitig hat der urbane Alltagsradler aber auch noch ein anderes Anliegen: "Wichtig ist in der Stadt, cool auszuschauen", sagt Schedl. Und demonstriert das gleich am Beispiel eines "Townies" der Marke Elektra: "Da sitzt man kerzengerade und kann so richtig cruisen." Auch Heinz Wipplinger kennt den Trend zu den - wie er es nennt - Holland-Rädern: "Die werden stark nachgefragt, auf denen sitzt man gemütlich in erhabener Fahrposition, und sie haben weniger Gänge."
Überhaupt geht der Trend bei den Rädern, die im urbanen Umfeld genutzt werden, weg von einer umfangreichen Gangschaltung. Was auch damit zu tun hat, dass viele Alltagsradler Wert darauf legen, dass das Rad immer fährt und nicht zu viel Arbeit macht. Und das ist technisch auch möglich, dank Riemenantrieb aus Carbonfaser statt Kette, die komplett pflegefrei ist. Immer öfter wird auch ganz ohne Gangschaltung - mit einem sogenannten "Single Speed" - gefahren.
Stadtgebiet Wien, Zwischen Strassenkreuzung Lazarettgasse und Strassenkreuzung Nußdorfer Straße Fahrbahn auf zwei Fahrstreifen verengt, Baustelle bis 30.08.2013, an Wochenenden und von 22:00 bis 05:00 Uhr zeitweise nur 1 Fahrstreifen frei
Zwischen Dornbacher Straße und Himmelmutterweg in beiden Richtungen gesperrt, Baustelle bis 20.05.2013
Wien/AS Brigittenauer Lände Einfahrt gesperrt, Baustelle bis 30.10.2015