Wien. Dass diese Sperre alles andere als friktionsfrei wird, wissen alle Beteiligten. Es werde, wie es Wiener-Linien-Chef Günter Steinbauer ausdrückte, ein "schwieriger Eingriff an den Hauptschlagadern": Am kommenden Samstag, Schlag 1 Uhr Früh, wird die U1 auf dem Herzstück ihrer Strecke - zwischen Reumann- und Schwedenplatz - komplett gesperrt. In den darauf folgenden sieben Wochen muss das 35 Jahre alte, erste U-Bahn-Teilstück Wiens von Grund auf erneuert werden; läuft alles planmäßig, soll die U-Bahn am 27. August wieder durchgängig fahren.

Spannend wird sein, ob sich auch diesmal das große Chaos verhindern lässt, wie es im Vorjahr nach der plötzlichen Zwangsperre der Station Josefstädter Straße samt U6 gelungen ist. Damals konnten die meisten Wiener und Einpendler gleich großflächig (S-Bahn und U4) ausweichen; diesmal wird dies nicht im selben Ausmaß möglich sein, weshalb zwei Ersatz-Straßenbahnlinien einspringen müssen.
Mit werktags rund 350.000 Passagieren ist die rote Linie die Nummer drei im Wiener-Linien-Netz - da in den Ferien etwa ein viertel Fahrgäste weniger unterwegs sind, dürften rund 260.000 von der Sperre betroffen sein.
Die Umleitungen im Detail:
Die neue Tramlinie 66 verkehrt von Oberlaa über die Route Favoritenstraße, Reumannplatz, Quellenstraße, Matzleinsdorfer Platz und Wiedner Hauptstraße bis zur Oper (siehe Grafik).

Die Linie 68 wiederum verbindet den Otto-Probst-Platz über Laxenburger Straße, den ehemaligen Südbahnhof, Prinz-Eugen-Straße und Ring mit dem Schwedenplatz. Der 68er mutiert an den Wochenenden übrigens zur durchgängigen "Nacht-Bim".
Dafür wird die Linie 67 in der Sanierungsphase eingestellt, da ihr Verlauf durch die Ersatzstraßenbahnen abgedeckt wird.
Zusätzlich werden die Linien 6 und 14A verstärkt.
Obwohl die neuen Straßenbahnen in dichten Intervallen verkehren sollen, werden sich Verzögerungen kaum vermeiden lassen. Laut Wiener Linien sollte ein Zeitverlust von mindestens 20 Minuten einkalkuliert werden.
S-Bahn für weite Strecken
Wer weite Strecke von Nord nach Süd zurücklegen muss, sollte nicht in die Straßenbahn, sondern in die S-Bahn umsteigen: Die Züge auf der Stammstrecke verkehren im 3- bis 6-Minuten-Takt und binden unter anderem Praterstern, Südtiroler Platz und Matzleinsdorfer Platz an.
Die Wiener Linien hoffen, mit diesem Konzept die Streckensperre überbrücken zu können: "In den ersten Tagen werden die Ersatzlinien sicher gut gefüllt sein. Erwartungsgemäß suchen sich die Fahrgäste dann aber langsam neue Routen", schätzt Sprecher Dominik Gries. Ergebe sich aus dieser "Intelligenz der Massen" anderweitiger Bedarf, könne rasch nachjustiert werden.
Via Info-Offensive sollen die Massen jedenfalls in die richtige Richtung gelenkt werden: Haushalte an der U1 und Jahreskarten-Besitzer wurden persönlich angeschrieben; außer Durchsagen, Hinweistafeln und einer Internet-Offensive werden ab Samstag auch 300 zusätzliche Service-Mitarbeiter im Einsatz sein.
Die Kosten für die U1-Modernisierung belaufen sich auf rund 100 Millionen Euro - wobei auch Vorbereitungen für die U1-Verlängerung Richtung Oberlaa (bis 2017) eingerechnet sind.
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