• vom 09.07.2012, 17:36 Uhr

Unterwegs

Update: 27.08.2012, 11:03 Uhr
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Reportage: Genervte Servicemitarbeiter, hilfsbereite Fahrgäste und sportliche Aussteiger

"Gehen Sie doch zur Trafik"


Von Leonie Liebenwein und Alicia Prager

  • Erster Werktag der U1-Teilsperre - noch nicht alles läuft reibungslos.

Wie kommt man ans Ziel? 260.000 Passagiere müssen sich erst an die U1-Sperre gewöhnen. - © Wiener Linien / Zinner

Wie kommt man ans Ziel? 260.000 Passagiere müssen sich erst an die U1-Sperre gewöhnen. © Wiener Linien / Zinner

Wien. "Sehe ich so aus, als wüsste ich, wohin Sie müssen?" Der in Gelb gekleidete Servicemitarbeiter der Wiener Linien wirkt etwas überfordert - und drückt der hilfesuchenden jungen Frau genervt eine Infobroschüre in die Hand. Einer Touristenfamilie geht es nicht viel besser: In der drückenden Mittagshitze an der bisherigen U1-Endstelle Reumannplatz wird diese weitergeschickt: "Gehen Sie doch zur Trafik", war die Auskunft der Kollegin in schlechtem Englisch. Am ersten Werktag der U1-Teilsperre zeigt sich beim Lokalaugenschein der "Wiener Zeitung", dass noch nicht alles glatt läuft.

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Vor dem Wochenende konnte man in neun U-Bahn-Minuten vom Reumannplatz zum Schwedenplatz gelangen - nun jedoch muss man mit Fahrzeiten von bis zu 35 Minuten rechnen. Und eine Direktverbindung wie zuvor gibt es auch nicht mehr. Stattdessen muss man am Quellenplatz von der Ersatzlinie 66 in den neuen 68er umsteigen - inklusive Wartezeit von mitunter sechs Minuten. Verwirrt steht der Pensionist Robert Huber am unübersichtlichen Quellenplatz und sucht den Bahnsteig des 68ers. "Die ungenaue Beschilderung macht das Ganze mühsam", ärgert er sich.

Brigitte Auer, Fahrgast der Linie 68, hat auch lobende Worte parat, da Jahreskartenbesitzer via Briefsendung über die Sperre informiert worden sind. Jedoch ärgert sich Auer prinzipiell über die Qualität der Auskunft seitens der Wiener Linien: "Ich frag gar nicht mehr nach, die sind eh nur unfreundlich."

Gut gefüllt, nicht gekühlt
Die reine Fahrzeit des 68ers vom Quellen- bis zum Schwedenplatz beträgt während der Mittagszeit gestoppte 25 Minuten. Die Straßenbahn-Waggons sind gut gefüllt - aber nicht gekühlt. So kann die lange Fahrt zur Qual werden. Rätselhaft ist, warum die Tonbanddurchsage nur auf Englisch ertönt: Durch Straßenlärm und schlechte Lautsprecher ist diese zudem schwer verständlich.

Auffällig jedoch ist die verstärkte Kommunikation unter den Fahrgästen. Frau Auer etwa hilft einer ortsunkundigen Migrantin, zwei Reihen weiter hinten wird der U-Bahn-Plan freundlich hin- und hergereicht. So wird die mitunter mangelnde Auskunft des Infopersonals durch gegenseitige Hilfen ausgeglichen.

Schauplatzwechsel in die Innenstadt: Hier ist der Grundtenor ein anderer. Zwar finden die Fahrgäste das Ausweichen auf die U1-Ersatzlinien mühsam, jedoch zeigen sie sich verständnisvoll. "Ich habe heute vom 19. in den 10. Bezirk statt 20 Minuten eine ganze Stunde gebraucht. Aber natürlich gehört alles einmal saniert und es ist eh gut informiert worden", meint eine ältere Frau, die gerade im 68er den Schwarzenbergplatz passiert. Überrascht äußert sich eine Servicemitarbeiterin der Wiener Linien: "Ich war darauf vorbereitet, dass die Leute unhöflicher und uninformierter sind. Da haben die Medien sicher gute Vorarbeit geleistet."

Touristen am U-Bahn-Hotspot Karlsplatz scheinen indes wenig tangiert von der veränderten Verkehrsmittel-Situation. Während die drei Amerikanerinnen Viki, Vivianne und Martha Hot Dogs verzehren, holen sie sich eine Auskunft beim Infostand gegenüber der Staatsoper. Da sie den Stephansdom suchen, wird ihnen zum Fußweg geraten. Im Normalfall hätten sie zwar auch eine Station mit der U1 fahren können, doch so wird der Weg ins Herz der Innenstadt zur willkommenen Besichtigungstour.

U1-Ausfall macht sportlich
Eine originelle Sichtweise auf die Sanierungsarbeiten der U1 legt Frau Trescher, eine junge Mutter, an den Tag. Sie empfindet die Situation zwar als "super umständlich", macht aber aus der Not eine Tugend: "Mein Baby ist bei einer Tagesmutter in der Nähe vom Reumannplatz. Mit der Straßenbahn brauche ich vom Belvedere fast länger als zu Fuß. Daher werde ich jetzt immer zur Tagesmutter joggen."




Schlagwörter

U1-Sperre, U-Bahn, Wien

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Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2013
Dokument erstellt am 2012-07-09 17:41:10
Letzte Änderung am 2012-08-27 11:03:49


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