Wien. Dass das Parkpickerl nicht nur in Wien für Unmut sorgt, ist nichts Neues - erst vergangene Woche gab es einen Hilfeschrei aus Baden bei Wien, weil die P&R-Anlage beim Bahnhof bereits aus allen Nähten platzt. Und der niederösterreichische Landeshauptmann Erwin Pröll hatte die Überlegungen, die Pickerl-Zonen noch einmal auszuweiten, als einen "unfreundlichen Akt" bezeichnet.
Um Beruhigung bemüht, versicherte Wiens Bürgermeister Michael Häupl sogleich, dass man die Menschen, die nach Wien kommen, um zu arbeiten, nicht vertreiben wolle. Im Gespräch mit der "Wiener Zeitung" kündigte er am Dienstag an, noch Ende Oktober zusammen mit den Landeshauptleuten von Niederösterreich und dem Burgenland ein Verkehrskonzept präsentieren zu wollen, um die Situation zu entschärfen.
Thematisiert werden solle sowohl der Ausbau der P&R-Anlagen am Rande Wiens als auch die Beschleunigung der Schnellbahnen von niederösterreichischer Seite sowie Maßnahmen, die die Pendler entlasten. Als Beispiel nannte Häupl hier den Vorschlag der SPÖ Burgenland, das Pendlerpauschale durch ein Pendlergeld mit kilometerbezogener Abrechnung zu ersetzen: Derzeit erhält ein Pendler aus dem Südburgenland, der nach Wien fährt, die gleiche Abgeltung wie sein Kollege aus Eisenstadt. Durch das Pendlergeld wäre dann jeder gefahrene Kilometer gleich viel wert. Für zusätzliche P&R-Anlagen könne sich Häupl vorstellen, dass Wien entsprechende Grundstücke zur Verfügung stellt. Je früher die Niederösterreicher auf die Öffis umsteigen würden, desto besser.
Erste Runde am Freitag
Eine erste politische Runde zu dem Thema im Vorfeld - abseits der Landeshauptleute - gibt es bereits am Freitag mit dem niederösterreichischen Verkehrslandesrat Karl Wilfing und Finanzstadträtin Renate Brauner. Wobei schon jetzt die Meinungen in manchen Punkten divergieren dürften: Im Büro von Wilfing spricht man von einer "unterschiedlichen Philosophie": "Der Umstieg auf die Öffis soll so schnell wie möglich erfolgen, deswegen bauen wir auch entlang der Bahnlinien P&R-Anlagen. Aber die Wiener hätten gerne, dass die Niederösterreicher schon öffentlich nach Wien hineinfahren - das wird sich aber nicht so einfach machen lassen", erklärte ein Sprecher von Wilfing.
Tullnerfeld gut abgedeckt
Stellplätze würde es in Niederösterreich grundsätzlich genug geben: "Wir haben ja jetzt schon 35.000 P&R-Plätze, die laufend ausgebaut werden." An neuralgischen Punkten, wie etwa in Baden, müsse eben nachgebessert werden. Ansonsten gebe es genug Ressourcen - erst vor kurzem habe man in Wolkersdorf zusätzliche 600 Stellplätze geschaffen. Und wenn die neue Hochleistungsstrecke im Dezember ihren Dienst aufnimmt, wird es laut dem Sprecher am neuen Bahnhof Tullnerfeld ebenfalls 600 neue P&R-Plätze geben. Mit einem stündlichen Halt von ÖBB und Westbahn sei das gesamte Tullnerfeld dann gut abgedeckt.
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