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Update: 14.09.2017, 07:54 Uhr

Schnellbahn

Kein Zustieg mit gültiger Jahreskarte




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Von Arian Faal

  • Die Westbahn fährt bald auf der Wiener Schnellbahnstrecke. Kunden des Verkehrsbunds Ostregion haben davon nichts.



Wien. Noch mehr (West-) Bahn für Wien: mehr Züge, dichtere Intervalle, ein breiteres Angebot durch mehrere Anbieter. Das Verkehrsnetz wächst und wird in sieben Wochen noch vielfältiger. Klingt auf den ersten Blick sehr positiv. Dennoch gibt es Skepsis und viele offene Fragen bezüglich der Erweiterung des Angebotes auf der Wiener Schnellbahnstrecke ab 10. Dezember.

Viele Pendler befürchten ein noch größeres Chaos und mehr Verspätungen im Wiener Nahverkehrsnetz, wenn nach dem Fahrplanwechsel die mehrheitlich private Westbahn halbstündlich mit zwei Linien von Wien Praterstern und vom Westbahnhof parallel zu den Schnellbahnen und Regionalzügen nach Salzburg unterwegs sein wird. Ab dann gibt es auf der Strecke (siehe Grafik) viel mehr Züge. Zusätzlich zum Westbahn-Angebot werden auch die ÖBB einige Aufstockungen durchführen.

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Was die Änderungen für die Fahrgäste bedeuten, hat sich die "Wiener Zeitung" in einer ersten Spurensuche angesehen. Reisende in der Bundeshauptstadt können ab der Adventzeit von jeder U-Bahn-Linie auf die Westbahn umsteigen. Die Verbindungen werden aufgestockt, mehr als 30 Abfahrten pro Tag und Richtung gibt es ab Dezember (die "Wiener Zeitung berichtete).

Das Hauptaugenmerk der Westbahn gilt hierbei dem Ziel, "Reisen mit der Westbahn so einfach wie U-Bahnfahren zu machen". Hierzu wird auch eine Namensänderung vorgenommen. Die bisherige "alte" Strecke vom Westbahnhof über Hütteldorf wird "Westgreen" heißen, die neue zweite Linie erhält den Namen "Westblue" - die "Wiener Zeitung" hat berichtet. Sie wird den vom Praterstern aus starten und über Wien Mitte, Rennweg, Quartier Belvedere, Wien Hauptbahnhof und Meidling nach Salzburg fahren. Am Rennweg kann ohne Bahnsteigwechsel in die S7 Richtung Flughafen umgestiegen werden. Als Konkurrenz zur S-Bahn sieht sich die Westbahn im innerstädtischen Bereich nicht.

Nicht so positiv sieht die Erweiterung der Westbahn erwartungsgemäß der direkte Konkurrent ÖBB. Im Gespräch mit der "Wiener Zeitung" meint ÖBB-Sprecher Bernhard Rieder, dass die Westbahn nicht im Verkehrsverbund Ost (VOR) sei und die Fahrgäste daher auch nicht mit Westbahn-Tickets das VOR-Angebot samt Schnellbahnen und ÖBB nutzen können.

Auch ÖBB stocken auf
"Warum die Westbahn nicht im VOR ist und warum sie mit einem Service, das für den Fernverkehr ausgelegt ist, die bereits stark befahrene Stammstrecke in Wien benutzen wird, kann Ihnen nur die Westbahn beantworten", ergänzt Rieder mit einem kleinen Seitenhieb. "Prinzipiell sehen wir es auch kritisch, dass ein primär dem Fernverkehr dienendes Angebot auf der stärksten Nahverkehrs-Schnellbahnstrecke in Wien geführt wird."

Einziger Trost für die Fahrgäste: Es wird keine Kürzungen im Schnellbahnverkehr durch die Neuerungen geben. Im Gegenteil: Die ÖBB gehen ebenfalls in die Offensive und versprechen noch dichtere Intervalle: "Trotz der sehr starken Auslastung werden wir das Angebot aufrechterhalten können. Im Bereich der S7 können wir sogar das Angebot deutlich ausweiten."

Angesprochen auf die ständigen Störungen bei der Schnellbahn in Wien, meint der ÖBB-Sprecher, dass dies "Einzelfälle" und in Relation zu sehen sind. Auch notwendig gewordene Fahrplanänderungen verteidigt er. "Den Österreichischen Bundesbahnen ist es durchaus bewusst, dass Änderungen im Frühverkehr nicht für alle Pendler vom Vorteil sind. Die Anpassungen waren aber Bestandteil einer größeren Umstellung in den Zulaufstrecken nach Wien", so Rieder.

Durch die mit 4. September 2017 umgesetzte Parkraumbewirtschaftung rechnen die ÖBB kurzfristig mit hohen Fahrgastzuwächsen rund um Wien. Aus diesem Grund sei es erforderlich, den Verkehr auf der Flughafenschnellbahn S7 zu verdichten und zum Teil neu zu ordnen. "Da zwischen der S7 und der S1 Zugleistungen produktionstechnisch durchgebunden sind, konnte diese Angebotsattraktivierung nur im Konnex mit Änderungen auf der Strecke nach Wien umgesetzt werden", unterstreicht der Sprecher. Was hat sich konkret geändert? Der R 2383 ab Gänserndorf um 7.36 Uhr bis Floridsdorf wurde aus dem Fahrplan genommen. Dafür verkehrt neu ein S7 Zug 27331, Abfahrt Gänserndorf um 7.49 Uhr durchgehend über Rennweg bis zum Flughafen Wien. Die Fahrgäste des R2383 müssen ab Gänserndorf entweder den R2317 um 7.45 Uhr nehmen oder die frühere S1 um 7.27 Uhr.

Auswirkungen abwarten
Für Daniel Amann, den Sprecher der Wiener Linien, muss man abwarten, wie sich der Betrieb der Westbahn in der Stammstrecke auswirke. "Natürlich darf man mit einer Jahreskarte der Wiener Linien nicht mit der Westbahn fahren, weil die Westbahn nicht Teil des VOR (Verkehrsverbund Ost-Region) ist", so Amann. Umgekehrt kann man auch mit einem Westbahn-Ticket nicht das Angebot der Wiener Linien nutzen. "Die Westbahn sehen wir auf der Schnellbahnstammstrecke in Wien überhaupt nicht als Konkurrenz zu den Wiener Linien, da wir ein vielschichtigeres und dichteres Netz anbieten", so Amann. Man könne etwa problemlos von einer U-Bahn in eine Straßenbahn und dann in einen Bus steigen und habe viele Möglichkeiten. Außerdem sei Wien mit einem der besten Nahverkehrssysteme ausgestattet und das würden die Fahrgäste auch schätzen. Die Schnellbahn sei in Wien eine optimale Ergänzung zum übrigen Netz. Dennoch kann es laut Amann sein, dass die Westbahn ab Dezember auch eine gewisse Entlastung bringe. "Wir machen laufend Fahrgastbeobachtungen und Zählungen und werden uns das auch in diesem Fall genau ansehen", sagt er.

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Schlagwörter

Schnellbahn, Wien, WESTbahn, VOR, ÖBB

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Copyright © Wiener Zeitung Online 2017
Dokument erstellt am 2017-09-13 15:48:06
Letzte nderung am 2017-09-14 07:54:07



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