• vom 01.05.2015, 06:54 Uhr

Wien

Update: 04.05.2015, 15:35 Uhr

Wiener Ringstraße

"Es ist Mein Wille"




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Von Christina Mondolfo

  • Acht Jahre nach der Bekanntgabe des Projektes eröffnete Kaiser Franz Josef am 1. Mai 1865 die Wiener Ringstraße.

Wien, Franzensring, mit Parlamentsgebäude und Rathaus, koloriertes Foto um 1900.

Wien, Franzensring, mit Parlamentsgebäude und Rathaus, koloriertes Foto um 1900.© Picture Alliance / Picturedesk Wien, Franzensring, mit Parlamentsgebäude und Rathaus, koloriertes Foto um 1900.© Picture Alliance / Picturedesk

"Lieber Freiherr von Bach! Es ist Mein Wille, daß die Erweiterung der inneren Stadt Wien mit Rücksicht auf eine entsprechende Verbindung derselben mit den Vorstädten ehemöglichst in Angriff genommen und hiebei auch auf die Regulirung und Verschönerung Meiner Residenz- und Reichshauptstadt Bedacht genommen werde. Zu diesem Ende bewillige ich die Auflassung der Umwallung und Fortifikationen der inneren Stadt, so wie der Gräben um dieselbe.
Jener Theil der durch Auflassung der Umwallung der Fortifikationen und Stadtgräben gewonnenen Area und Glacis-Gründe, welcher nach Maßgabe des zu entwerfenden Grundplanes nicht einer anderweitigen Bestimmung vorbehalten wird, ist als Baugrund zu verwenden und der daraus gewonnene Erlös hat zur Bildung eines Baufonds zu dienen, aus welchem die durch diese Maßregel dem Staatsschatze erwachsenden Auslagen, insbesondere auch die Kosten der Herstellung öffentlicher Gebäude, so wie die Verlegung der noch nöthigen Militär-Anstalten bestritten werden sollen. (…)"

Dieses Schreiben erging am 20. Dezember 1857 an den Minister des Inneren, genannten Alexander Freiherrn von Bach, öffentlich gemacht und in vollem Wortlaut für jeden nachzulesen in der "Wiener Zeitung" vom 25. Dezember 1857. Seine k.k. Apostolische Majestät Kaiser Franz Josef, zu diesem Zeitpunkt gerade 27 Jahre alt, konnte die Tatsache nicht mehr beiseiteschieben, dass Wien, das damals lediglich das Gebiet des heutigen ersten Wiener Bezirkes umfasste, aus allen Nähten platzte. Außerdem saß ihm immer noch das Schreckgespenst des Volksaufstandes von 1848 im Nacken, während dem sich die feste Umgürtung durch die Stadtmauer als Nach- und nicht als Vorteil erwiesen hatte. Also gab er den Auftrag, die Stadtmauer samt ihren Basteien zu schleifen und das etwa 450 Meter breite Glacis, den Wiesenstreifen vor der bereits lange veralteten Wehranlage, zur Verbauung freizugeben. Gleichzeitig sollten Verkehrswege in die Vorstädte, von denen die Bezirke 2 bis 8 bereits eingemeindet waren, angelegt werden. Doch ganz wollte besonders das Militär nicht auf eine Schutzzone verzichten und so wurde die rund 5,2 Kilometer lange Ringstraße nicht als Kreis, sondern als Polygon angelegt: Die langen, gut einsehbaren Geraden boten hervorragende Schussbahnen und auf dem 57 Meter breiten Boulevard konnte man rasch große Truppenstärken platzieren. Denn auch wenn der Kaiser eine Anbindung an die Vorstädte wünschte, zu nahe wollte man den "Pöbel", dessen Wut über die schlechten Wohn-, Arbeits- und Hygienebedingungen immer öfter zum Ausbruch kam, schließlich auch nicht heranlassen.

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Dokument erstellt am 2015-04-30 15:36:50
Letzte nderung am 2015-05-04 15:35:12





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