• vom 16.08.2006, 00:00 Uhr

International


Von der Tochter zur Mutter: Slav AG und Ukrpodshipnik wechseln ihre Positionen




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Von Sissi Eigruber

  • Künftig Konzernholding in Wien statt in der Ukraine.
  • Slav AG will andere Bank kaufen.
  • Wien. Das Rennen um die Bank Burgenland haben sie zwar verloren, aber die Slav AG lässt sich davon nicht abschrecken und stärkt ihre Position in Österreich: Derzeit ist die österreichische Slav AG (mit vornehmer Adresse direkt hinter dem Parlament in Wien) eine hundertprozentige Tochter des ukrainischen Konzers Ukrpodshipnik - künftig soll es umgekehrt sein.

Die Vorstandsriege der Slav AG: Manfred Rockenbauer, Berta Obal und Generaldirektor Günther Baumann vor der Firmenzentrale in Wien. Foto: Eigruber

Die Vorstandsriege der Slav AG: Manfred Rockenbauer, Berta Obal und Generaldirektor Günther Baumann vor der Firmenzentrale in Wien. Foto: Eigruber Die Vorstandsriege der Slav AG: Manfred Rockenbauer, Berta Obal und Generaldirektor Günther Baumann vor der Firmenzentrale in Wien. Foto: Eigruber

"Die Ukrpodshipnik wird in die Slav AG eingebracht", erklärt deren Vorstandsvorsitzender Günther Baumann im Gespräch mit der "Wiener Zeitung". Die Beschlüsse in der Gesellschaft wurden gefasst, nun fehle nur noch die Zustimmung der ukrainischen Behörden.

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Unter dem Holding-Dach der österreichischen Slav AG werden damit die bisherigen Beteiligungen von Ukrpodshipnik und Slav AG zusammengefasst und neu in die Sparten Industrie, Handel, Finanz und Immobilien strukturiert. "Beide Unternehmen gehören den Brüdern Andriy und Sergiy Klyuyev. Eine Strukturbereinigung macht Sinn und Österreich hat sich durchgesetzt", erläutert Baumann die Entscheidung. 20 bis 25 Prozent der Anteile der neuen Holding könnten in den Streubesitz wandern. Unternehmenszukäufe könnten teils gegen Cash und teils gegen Aktien abgewickelt werden.

Brüderpaar mit Einfluss in Politik und Wirtschaft
Andriy und Sergiy Klyuyev hatten 1992 im Zuge der ersten Privatisierungen in der Ost-Ukraine (Donetsk) ein Werk zur Produktion von Kugellagern erworben und ihr Unternehmen dann Stück um Stück zu einem der großen ukrainischen Konzerne ausgebaut. Heute ist der Konzern international tätig und umfasst neben der Produktion von Metallprodukten auch Bergbau und Investitionen in den Energiesektor. Auch eine Bank gehört zum Imperium der Ukrpodshipnik: Die Activ-Bank, die - hätte der Bank-Burgenland-Deal geklappt - wahrscheinlich mit dieser zusammengelegt worden wäre.

Andriy Klyuyev ist zudem fest in der ukrainischen Politik verankert. Mit der soeben erfolgten Rückkehr des pro-russischen Ministerpräsidenten Viktor Janukowitsch wurde auch Andriy Klyuyev wieder in die Position des Vize-Premiers und Energieverantwortlichen berufen (wie schon in der vorigen Regierung Janukowitschs 2002 bis 2004). In der politischen Schlammschlacht rund um die Wahl und die Regierungsbildung hat auch Andriy Klyuyev einiges abbekommen: So wurde ihm die Bestechung eines Abgeordneten vorgeworfen, berichtete die ukrainische "Pravda". Klyuyev wies die Beschuldigungen als Verleumdung zurück.

Slav AG setzt auf
Finanz und Immobilien

Die 1994 gegründete Slav-AG befasst sich hauptsächlich mit dem Handel von Stahl und Buntmetallen. In Österreich selbst wird praktisch kein Geschäft getätigt. Zu den internationalen Kunden zählen unter anderem Thyssen in Deutschland sowie Minmedals in China. Ausbauen will die Slav AG die ertragreichen Geschäfte in den Bereichen Finanz und Immobilien. Großes Potenzial sieht Vorstand Manfred Rockenbauer zum Beispiel bei Investitionen in Shopping Center und gehobene Hotels in großen ukrainischen Städten. "Die Nachfrage ist groß, das Angebot gering". Das Engagement in diesen Sektoren habe daher Vorrang vor weiteren Investitionen in die sanierungsbedürftige ukrainische Industrie.

Von den Bank-Plänen will sich der Konzern trotz der Burgenland-Schlappe nicht abbringen lassen: Grundsätzlich kämen dafür Institute in den alten EU-15-Ländern in Frage - insbesondere im deutschsprachigen Raum, so Baumann, der den Aufbau einer Handelsfinanzierungsbank vor Augen hat: "Eine Investmentbank oder Privatbank brauchen wir nicht, sondern eine Handelsbank." Für die Bawag habe man sich nicht beworben.

An eine Rückabwicklung des Bank Burgenland-Verkaufs an die Grazer Wechselseitige Versicherung (Grawe) glaubt Baumann trotz Beschwerde seitens des unterlegenen ukrainischen Bieterkonsortiums bei der Europäischen Union nicht. Aber er hofft darauf, dass die Grawe die in seinen Augen unberechtigte staatliche Subvention zurückzahlen muss.



Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2014
Dokument erstellt am 2006-08-16 00:00:01
Letzte Änderung am 2006-08-15 16:31:00

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