Tokio. (wak/ag) Die japanische Wirtschaft ist im zweiten Quartal wegen stark sinkender Exporte erneut geschrumpft. Das Bruttoinlandsprodukt fiel von April bis Juni um 0,3 Prozent gegenüber dem ersten Vierteljahr, teilte die Regierung am Montag in Tokio mit. Das war bereits das dritte negative Quartal in Folge.
Positiv ist nur, dass Experten mit einem wesentlich größeren Minus (von 0,7 Prozent) gerechnet hatten. Die Investitionen der Unternehmen fielen jedoch höher aus und die Konsumausgaben (die 60 Prozent der japanischen Wirtschaftsleistung ausmachen) waren stabil. Zudem steckte der Staat viel Geld in den Wiederaufbau nach dem Jahrhundertbeben vom 11.März, was den Wirtschaftsdaten ebenfalls auf die Sprünge half.
Im ersten Quartal 2011 war die unter den Folgen der Dreifach-Katastrophe aus Erdbeben, Tsunami und Atom-GAU leidende drittgrößte Volkswirtschaft der Welt noch um 0,9 Prozent geschrumpft. Die Ausfälle in der Lieferkette wurden inzwischen behoben. Experten rechnen deshalb im laufenden Quartal mit einer Rückkehr zum Wachstum. "Wir werden eine V-förmige Erholung sehen", sagte der Chefvolkswirt des Forschungsinstituts Dai-ichi Life, Yoshiki Shinke.
Allerdings steht die kräftige Aufwertung der heimischen Währung Yen einer Erholung im Weg, weil dadurch japanische Waren im Ausland teurer werden. Die Exportnation sorgt sich zudem um die Schuldenkrisen in Europa und den USA.
Wirtschaftsminister Kaoru Yosano drängt deshalb die Notenbank dazu, ihre Nullzinspolitik beizubehalten und weitere Milliarden in die Wirtschaft zu pumpen. Der Yen-Kurs war allein im Juli um rund fünf Prozent im Vergleich zum Dollar gestiegen.