• Artikel vom 23.09.2011, 18:55 Uhr

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Update: 23.09.2011, 19:08 Uhr
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Notenbank-Chef Nowotny und Finanzstaatssekretär Schieder begegnet in Washington Angst um Europa

"Die Nervosität ist enorm"


Von Reinhard Göweil aus Washington
  • Klage gegen Ungarns Gesetz zu Krediten in Fremdwährungen.
  • Heimische Bank-Aktien im freien Fall.
  • Italiens Finanzminister rief Deutschland zu "mehr Visionen und Engagement" auf.

Österreich prüft Schritte gegen den Zwangsumtausch von Franken-Krediten. - © Erwin Wodicka / Erwin Wodicka

Österreich prüft Schritte gegen den Zwangsumtausch von Franken-Krediten. © Erwin Wodicka / Erwin Wodicka

Washington/Wien. Die Aktie der Erste Bank kostet mittlerweile unter 18 Euro, Raiffeisen unter 20 Euro - Banken haben Milliarden an Marktwert verloren. "Es gibt eine enorme Nervosität", räumte der Gouverneur der Nationalbank, Ewald Nowotny, in Washington ein. "Die Märkte sind irrational."

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Die Angst vor einer Kernschmelze der Märkte hat aber einen ganz rationalen Hintergrund, wie Mohamed El-Erian, Chef von Pimco, einem der größten Investmentfonds der Welt, erklärt. "Die Märkte fürchten sich, weil Europa und die USA vor drei Krisen gleichzeitig stehen: einer Wachstumskrise mit hoher Arbeitslosigkeit, einer Schuldenkrise und einer Bankenkrise." Für Österreich besonders unangenehm ist es, dass - wie schon 2009 - Osteuropa erneut in den Fokus rückt.

Osteuropa ist ein "heterogenes Gebilde"
Die Zinsaufschläge für Staatsanleihen aus der Region sind seit August deutlich gestiegen, die Börsen gefallen, die Wachstumsraten nach unten revidiert. "Das trifft die österreichischen Banken stärker als andere", sagte ein deutscher Banker zur "Wiener Zeitung". Nowotny und Schieder rücken bei der Währungsfonds-Tagung, bei der sich Finanzminister, Notenbanker und Bankmanager aus 180 Ländern treffen, unverzüglich zur Rettung Osteuropas aus. Nowotny: "Osteuropa ist ein heterogenes Gebilde und wird nicht als Problem gesehen." Tschechien habe seine Kreditwürdigkeit sogar verbessern können.

Wenig lustig ist allerdings die Situation in Ungarn. Der Zwangsumtausch von Franken-Krediten in Forint ist zwar von der Regierung in Budapest abgeschwächt worden, aber trotzdem als Gesetz eingebracht worden. In der Erstversion drohte den heimischen Banken ein Verlust von einer Milliarde Euro, da die Ungarn die Kreditverträge zu einem fixierten Kurs (der über dem Marktwert liegt) tauschen wollten. Hintergrund ist, dass 70 Prozent der ungarischen Fremdwährungs-Kreditnehmer mit ihren Ratenzahlungen in Verzug waren. Die Regierung wollte aber Privatkonkurse in Serie vermeiden. "Der ungarische Bankenverband hat dagegen geklagt, und wir prüfen im Finanzministerium derzeit, welche rechtlichen Schritte noch möglich sind", sagte Staatssekretär Andreas Schieder. Er betonte aber, dass sich daraus keine systemischen Risken für das heimische Bankensystem ergeben.

Diskrete Gespräche mit Kroatien
Mit Kroatien, das mit einer ähnlichen Regelung liebäugelt, gibt es diskrete Gespräche auf Ebene der Regierungschefs, deutete Schieder an. "Kroatien will in die EU, und in der EU gilt, dass man fair miteinander umgeht." Für die heimischen Bankaktien ist es jedenfalls eine zusätzliche Belastung. Banken in Europa sind insgesamt gestresst, weil die EU-weite Ratifizierung des Euro-Schutzschirms mit 440 Milliarden Euro auf sich warten lässt. Dies belastet auch die Wachstumserwartungen.

"Es ist ein Kreislaufproblem zwischen der Finanzierung von Staaten und jener von Banken", sagte Nowotny. Kreditinstitute könnten sich derzeit nur sehr kurzfristig refinanzieren - auf zwölf Monate fehlt den Märkten im Moment das Vertrauen.

Selbst wenn der endgültige Beschluss bis Mitte Oktober durch ist, wird es fast bis Jahresende dauern, bis der Euro-Rettungsschirm aufgespannt ist - wegen der organisatorischen Vorbereitungen.



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Copyright © Wiener Zeitung Online 2012
Dokument erstellt am 2011-09-23 19:03:10
Letzte Änderung am 2011-09-23 19:08:39


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