• Artikel vom 05.07.2010, 18:24 Uhr

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Update: 05.07.2010, 18:27 Uhr
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Die Skandinavier rechnen 2010 mit einem Wachstum von 3,3 Prozent - Riksbank hat Zinswende eingeläutet

Schweden wachsen Europa davon


  • Erfolgsgeheimnis stabile Finanzen und hohe Innovation.
  • Export erholt sich rasch, guter Konsum linderte Krisenfolgen.
  • Stockholm/Wien. (hes) Europas Musterschüler legt die Latte höher: Dank überraschend guter Wirtschaftsdaten rechnet Schweden für 2010 nun mit 3,3 Prozent Wachstum.

Land in Feierlaune: Schweden feiert nicht nur Export erfolge, auch der Konsum wirkte stabilisierend.

Land in Feierlaune: Schweden feiert nicht nur Export erfolge, auch der Konsum wirkte stabilisierend.Strong/reuters Land in Feierlaune: Schweden feiert nicht nur Export erfolge, auch der Konsum wirkte stabilisierend.Strong/reuters

Bisher waren "nur" 2,5 Prozent veranschlagt; auch das weit über dem EU-Schnitt von einem Prozent. Schwedens Zentralbank erwartet sogar ein noch höheres Plus von 3,8 Prozent: Die Riksbank befürchtet, dass sich der (bisher eher geringe) Inflationsdruck auf die schwedische Krone verstärken könnte und hat die Abkehr vom historischen Zinstief eingeleitet - ein Schritt, mit dem die Europäische Zentralbank wohl noch lange warten wird. Ab Mittwoch tritt in Schweden der von 0,25 auf 0,5 Prozent erhöhte Leitzins in Kraft.

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Spare in der Zeit …

Was machen die Schweden anders? Ihr größter Vorteil: Die Skandinavier haben rigorose Sparpakete nicht nötig. "Das schwedische Modell ist, in guten Zeiten zwei bis drei Prozent Budgetüberschuss zu erwirtschaften", erläutert Carsten Grönblad, Schwedens Handelsdelegierter in Österrreich. Somit klaffte selbst im Krisenjahr 2009 nur ein Mini-Budgetloch von 0,5 Prozent (siehe Grafik).

Dank dieser soliden Haushaltsführung konnte Schweden seine Schuldenquote seit 1997 von 74 auf 38 Prozent sogar halbieren. Der Grund für diesen Kurs war eine schwere Banken- und Immobilienkrise, die dem Land nach 1991 einen rigiden Sparkurs abverlangt und einen Umbau des Sozialstaates erfordert hatte. Im Konsens mit den Bürgerlichen gelang dem sozialdemokratischen Premier Göran Persson die Umkehr. Die solide Finanzlage ermöglichte den regierenden Konservativen unter Fredrik Reinfeldt sogar eine Senkung der Einkommenssteuern - die Abgabenquote liegt in Schweden freilich mit 47 Prozent besonders hoch. Eher unüblich für die exportlastige Nation ist, dass der Konsum in der Krise stabilisierend wirkte.



Konkurrenzlos hoch sind die Investitionen der Nordländer in Forschung: Mit 3,6 Prozent Forschungsquote sind die Schweden Europaweltmeister (Finnland liegt auf Platz zwei, Österreich mit 2,6 Prozent auf Platz drei). Unerreicht hoch ist in der Folge auch die Innovationsfähigkeit: Bei der Zahl der Patentanmeldungen werden die Schweden nur von der Schweiz und Liechtenstein übertroffen.

Green Tech und Pharma

All das hilft, der Krise rasch zu entkommen. Dabei hatten Schwedens Exporte unter dem Einbruch des Welthandels massiv gelitten: 2009 traf die Rezession das Land mit 4,9 Prozent Minus ähnlich wie Deutschland und stärker als Österreich. "Die Exportindustrie spürt die Schwäche als erstes, taucht aber rasch wieder auf", sagt Grönblad. Die Skandinavier profitieren von der Erholung ihrer Haupt-Handelspartner - neben Deutschland und den erdölreichen Norwegern vor allem die USA.

Eine große Rolle spielt neben dem Telekomsektor (Ericsson, TeliaSonera, Tele2) und Zukunftsbranchen wie Umwelttechnologie und Biotech bzw. Pharma immer noch der Automobilbereich. Hier hatte die ungewisse Zukunft von Saab und Volvo international für Schlagzeilen gesorgt. Die Unsicherheit ist jetzt vom Tisch, vor allem die Nutzfahrzeugsparten ziehen stark an. "Die Stimmung ist sehr positiv", sagt Grönblad. Auch die Lage der Banken hat sich beruhigt: Sie hatten in den baltischen Staaten ein ähnliches Problem mit Kreditausfällen wie Österreichs Finanzinstitute in Osteuropa.



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Copyright © Wiener Zeitung Online 2012
Dokument erstellt am 2010-07-05 18:24:21
Letzte Änderung am 2010-07-05 18:27:00

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Siehe auch: http://bit.ly/JrMvnU

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