• Artikel vom 14.06.2010, 19:24 Uhr

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Update: 14.06.2010, 19:35 Uhr
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Keine Kündigungen in Bausch und Bogen - dennoch ist eine nachhaltige Belebung am Jobmarkt nicht in Sicht

Angst um Fachkräfte war Jobstütze


Von Petra Medek
  • 41 Millionen weniger Überstunden und Urlaubsabbau: Arbeitszeit wurde zurückgeschraubt.
  • OeNB erwartet heuer ein Wirtschaftswachstum von 1,6 Prozent.
  • Den aktuell 227.000 arbeitssuchend gemeldeten Menschen ist dies freilich kaum ein Trost - dennoch hätte es schlimmer kommen können auf dem heimischen Arbeitsmarkt. "Angesichts der Schwere des Wirtschaftseinbruchs überrascht sowohl der im internationalen als auch im historischen Vergleich geringe Anstieg der Arbeitslosenquote sowie die rasche Rückkehr zu positivem Beschäftigungswachstum", schreibt die Oesterreichische Nationalbank (OeNB) in ihrer aktuellen Gesamtwirtschaftlichen Prognose.
  • Arbeitsmarkt in OECD-Ländern stabilisiert sich langsam

Kurzarbeit dämpfte die Auswirkungen der Krise auf den Arbeitsmarkt - aber auch die Angst der Betriebe um Fachkräfte.

Kurzarbeit dämpfte die Auswirkungen der Krise auf den Arbeitsmarkt - aber auch die Angst der Betriebe um Fachkräfte.Techt/APA Kurzarbeit dämpfte die Auswirkungen der Krise auf den Arbeitsmarkt - aber auch die Angst der Betriebe um Fachkräfte.Techt/APA

Ein wichtiger Hebel für den Arbeitsmarkt war die Kurzarbeit. Insgesamt haben im vergangenen Jahr fast 67.000 Personen kurzgearbeitet. Der Höchststand wurde im April 2009 mit 37.652 Betroffenen in mehr als 300 Betrieben erreicht, danach nahmen die Zahlen laufend ab.

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Die Kurzarbeit war wichtig - aber sicher nicht das einzige stabilisierende Element, meinen OeNB-Ökonomen. Sie sehen einen wichtigen Grund dafür, dass die Zahl der Arbeitslosen nicht explodiert ist, in den heimischen Betrieben. "Die Unternehmen versuchten offenkundig ihren Beschäftigtenstand nach Möglichkeit zu halten und reduzierten vor allem die Arbeitszeit durch den Abbau von Überstunden und Urlaubsansprüchen sowie durch die Nutzung von Durchrechnungszeiträumen", so die OeNB.

Laut Statistik Austria haben die Österreicher im vergangenen Jahr stattliche 41,4 Millionen Überstunden weniger geleistet als im Jahr 2008.

Gewinne als Polster



IHS-Experte Helmut Hofer sieht mehrere Gründe dafür, dass es keine Kündigungen im ganz großen Stil gab: Zum einen hätten die Unternehmen ihre Facharbeiter nicht verlieren wollen. Schließlich hat sich vor der Krise ein Facharbeitermangel abgezeichnet. Zum anderen hätte man nicht geglaubt, dass die Krise wirklich langwierig und schwerwiegend werde, vermutet Hofer. Außerdem "haben die Unternehmen vorher doch relativ hohe Gewinne gemacht", so Hofer zur "Wiener Zeitung".

Überraschend ist für den IHS-Experten die rasche positive Entwicklung der Beschäftigung. Ende Mai waren in Österreich 3,388 Millionen Menschen unselbständig beschäftigt. Das entspricht einem Anstieg um rund 17.000 Personen zum Vorjahres-Stichtag, im Vergleich zum April waren um knapp 24.800 Personen mehr Menschen beschäftigt.

Doch wie nachhaltig der Trend ist, wird sich erst zeigen, gibt Johannes Kopf, Chef des Arbeitsmarktservice (AMS), zu bedenken. Rund 45.000 bis 50.000 Jobs sind in der heimischen Industrie durch die Krise dauerhaft verloren gegangen.

Etwa 20.000 bis 25.000 neue Stellen kamen bis dato wieder dazu - überwiegend aber in den Bereichen Erziehung, Gesundheit und Pflege sowie Tourismus - und bei der wieder boomenden Zeitarbeit. Zahlreiche Leiharbeiter wurden auch von der Industrie angeheuert - nicht zuletzt, weil die Unternehmen noch immer verunsichert seien und gern auf flexible Lösungen setzten, so Kopf. "Wie es mit dieser Gruppe weitergeht, wird davon abhängen, wie nachhaltig die wirtschaftliche Erholung ist".

Wachstum reicht nicht aus

Auch die OeNB-Ökonomen sehen die Zukunft am Arbeitsmarkt eher skeptisch: Die Arbeitslosenrate werde zwischen 2010 und 2012 etwa bei 5 Prozent liegen und sich zwar nicht wesentlich verschlechtern - doch das Wirtschaftswachstum werde zu gering sein, um nachfrageseitig die Arbeitslosenquote zu reduzieren, schreibt die OeNB.

Die immer wieder zitierten 2,5 Prozent Wachstum, die dafür notwendig wären, sehen wir in den nächsten zwei Jahren jedenfalls nicht, meinen die Notenbanker.

Die gesamte österreichische Wirtschaft wird in den Jahren 2011 und 2012 dennoch ihr Wachstum beschleunigen, und zwar auf 1,8 beziehungsweise 2,1 Prozent. Für heuer erwarten die Ökonomen einen Zuwachs des Wirtschaftswachstums von real 1,6 Prozent, nachdem 2009 unter dem Strich noch ein Minus von 3,4 Prozent stand.

OeNB ist optimistischer

Im Vergleich zur Dezemberprognose 2009 stellen sich die Konjunkturaussichten besonders wegen der rascheren Erholung des Welthandels sowohl für heuer (plus 0,4 Prozentpunkte) als auch für 2011 (plus 0,2 Prozentpunkte) günstiger dar, betont die OeNB. Die Notenbank ist damit optimistischer als die Wirtschaftsforschungsinstitute Wifo und IHS sowie die EU-Kommission, die allesamt für heuer nur von einem BIP-Wachstum um 1,3 Prozent ausgehen. Für 2011 prognostizierte die EU-Kommission Anfang Mai ein Plus von 1,6 Prozent. Das Wifo war bei seiner Ende März vorgelegten Prognose für nächstes Jahr von einem Wachstum von 1,4 Prozent ausgegangen, das IHS sah ein Plus von 1,7 Prozent.

Die mittelfristigen Wachstumsaussichten schätzt auch die OeNB laut ihrem Gouverneur Ewald Nowotny trotz allem als "gedämpft" ein. Nur bei den Exporten werde nach einem 15-prozentigen Rückgang 2009 heuer wieder ein Zuwachs von 4,6 Prozent erwartet. In den darauf folgenden Jahren werde es bei den Ausfuhren ein kräftigeres Plus von 5,4 Prozent (2011) beziehungsweise 6,1 Prozent (2012) geben.



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Copyright © Wiener Zeitung Online 2012
Dokument erstellt am 2010-06-14 19:24:51
Letzte Änderung am 2010-06-14 19:35:00

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Siehe auch: http://bit.ly/JrMvnU

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