Rom. (apa/hes) Italiens Regierungschef Mario Monti hat sich in die Nesseln gesetzt - und gefährdet damit seinen Reformkurs. Via Fernsehen rief er die Jugendlichen auf, nicht auf einen fixen Job zu hoffen. "Eine Arbeit fürs ganze Leben ist langweilig. Es ist schön, zu wechseln und sich neuen Herausforderungen zu stellen", so Monti. Angesichts einer Jugendarbeitslosigkeit, die den Rekordwert von 31 Prozent erreicht hat, wird das als Provokation empfunden.
Wütende und zynische Kommentare in Online-Foren und Leserbriefen zeigen die Empörung der Bevölkerung. Damit hat der parteifreie Monti viel Sympathie verspielt, von der er bei seinem radikalen Sparkurs bisher zehren konnte. Weil ihm - in Gegensatz zu Amtsvorgänger Silvio Berlusconi - das Image des seriösen und nüchternen Technokraten anhaftet, wurde ihm die Sanierung zugetraut.
Zuletzt musste er freilich auf Konfrontation mit den Gewerkschaften gehen, weil er bei seiner Arbeitsmarktreform den Kündigungsschutz aufweichen will.
Der Patzer spielt nun Kritikern und den Arbeitnehmerorganisationen in die Hände. "Monti sollte fristlos entlassen werden. Seine Aussagen sind ein Affront für die Millionen von Italienern in finanziellen Nöten", sagte ein Sprecher der Linkspartei FDS. Arbeitsministerin Elsa Fornero betonte allerdings, die Reform notfalls ohne Gewerkschaften voranzutreiben.
Rund um Arbeitsmarktreformen tobt auch in Griechenland ein Konflikt: Der Währungsfonds und die EU fordern, dass die Regierung neue Lohnkürzungen durchsetzt. Das verpflichtende Urlaubsgeld soll abgeschafft, der Mindestlohn von 750 Euro im Monat weiter gesenkt werden. Premier Lukas Papademos will am Samstag die Partner seiner Einheitsregierung überzeugen. Arbeitgeber und Gewerkschaften lehnen Lohnkürzungen ab und fordern niedrigere Steuern und Sozialabgaben. In einem offenen Brief erklärten sie am Freitag, die Wettbewerbsfähigkeit werde von Bürokratie, Überregulierung, dem Steuersystem und Korruption eher beeinträchtigt als von den Lohnkosten.
Eine Einigung ist wichtig, da mit Athen Zugriff auf das neue Hilfspaket erhält, das laut EU-Kreisen wegen der immer schlechteren Wirtschaftslage statt 130 Milliarden Euro ein Volumen von 145 bis 150 Milliarden erreichen könnte.
Voraussetzung ist auch eine Einigung Athens mit seinen privaten Gläubigern über einen Schuldenschnitt. Die Gespräche werden am Samstag in Athen fortgesetzt. Dazu würden der Chef des Internationalen Bankenverbandes (IIF), Charles Dallara, und Jean Lemierre von der französischen Bank BNP Paribas in die griechische Hauptstadt fliegen.