• Artikel vom 09.02.2012, 22:31 Uhr

International

Update: 10.02.2012, 07:54 Uhr
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Nach griechischer Einigung

Eurozone nicht restlos zufrieden


  • Einigung für neues Hilfspaket könnte auf nächste Woche verschoben werden.
  • Zweifel an Umsetzungskraft der Sparziele.
  • Streiks geplant.

In Athen nimmt die Polizei Aufstellung vor dem Parlament, um es vor dem Ansturm der protestierenden Bevölkerung zu schützen.

In Athen nimmt die Polizei Aufstellung vor dem Parlament, um es vor dem Ansturm der protestierenden Bevölkerung zu schützen.APAweb / Thanassis Stavrakis / AP / dapd In Athen nimmt die Polizei Aufstellung vor dem Parlament, um es vor dem Ansturm der protestierenden Bevölkerung zu schützen.APAweb / Thanassis Stavrakis / AP / dapd

Brüssel. Die Euro-Finanzminister sind mit den praktisch in letzter Minute von Griechenland gegebenen Zusagen für ein härteres Sparpaket zur Erlangung weiterer Milliardenhilfen noch nicht restlos zufrieden. Bereits vor dem Treffen der Eurogruppe Donnerstagabend war von verschiedenen Seiten Skepsis geäußert worden, ob der Sanierungsplan Athens genüge, um das zweite 130 Milliarden Euro schwere Rettungspaket unter Dach und Fach zu bringen. In Kreisen der Finanzminister hieß es, die endgültige Entscheidung könnte bei einem neuerlichen Euro-Finanzministertreffen nächste Woche erfolgen.

Information

Streiks gegen Sparprogramm
Aus Protest gegen das neue Sparprogramm wollen die Gewerkschaften in Griechenland am Freitag und Samstag mit umfangreichen Streiks das öffentliche Leben weitgehend lahmlegen. Ministerien und staatliche Unternehmen sowie die öffentlichen Verkehrsmittel sollen für 48 Stunden bestreikt werden. Keine Fähre soll zu den Inseln auslaufen. Zudem sind Demonstrationen geplant.

Zu den Streiks haben die beiden größten Gewerkschaftsverbände GSEE für den Privatsektor und ADEDY für die Beamten aufgerufen. Das geplanten Einschnitte sehen unter anderem kräftige Lohnkürzungen im Privatsektor sowie Entlassungen von 150.000 Staatsbediensteten bis 2015 vor. Das Programm ist Voraussetzung dafür, dass das Euro-Sorgenkind neue Milliarden-Hilfen bekommt. Andernfalls ist Griechenland bis Ende März pleite.

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Zweifel wurden im Vorfeld der Sitzung an der Umsetzungskraft der griechischen Regierung für die der Bevölkerung auferlegten Sparprogramme geäußert. Dies könnte vor allem die versprochenen Privatisierungen betreffen. Ursprünglich waren 50 Milliarden dafür angesetzt gewesen, dann wurde das Einnahmenziel auf 19 Milliarden zurückgeschraubt. Tatsächlich wurde aber mit den Privatisierungen bis dato nur ein Erlös von einigen wenigen Milliarden Euro erzielt. Griechenland braucht bis Mitte März mehr als 14 Milliarden Euro, sonst droht die Pleite.

Nur wenige Stunden vor der außerordentlichen Sitzung der Euro-Finanzminister hatten die Spitzen der drei Regierungsparteien am Donnerstag in Athen den von der EU und dem Internationalen Währungsfonds (IWF) geforderten Einschnitten zugestimmt. Der Rettungsplan sieht Einsparungen über 1,5 Prozent des Bruttoinlandsprodukts oder 3,3 Milliarden Euro allein 2012 vor. Der Mindestlohn soll um 22 Prorzent von 750 auf etwas über 500 Euro gekürzt werden. 15.000 Beamte sollen gekündigt werden. Unklar waren noch Einsparungen von 300 Millionen durch die Kürzung von Zusatzrenten.

Ausständig ist aber auch noch das Ergebnis der Verhandlungen für die Privatgläubigerbeteiligung, um einen Schuldenschnitt von 50 Prozent für Griechenland zu erreichen. Immer wieder wurde in den vergangenen Wochen versichert, dass ein Ergebnis in greifbarer Nähe sei - eine Einigung steht aber noch aus. Allerdings hatte der griechische Finanzminister Evangelos Venizelos noch Donnerstag nachmittag gemeint, die Banken hätten einer Vereinbarung über die grundsätzlichen Parameter eines Schuldenschnitts zugestimmt. Mit dieser Maßnahme soll der griechische Schuldenberg von 350 Milliarden Euro um 100 Milliarden verringert werden.

Österreichs Finanzministerin Maria Fekter (V) hatte sich vor der Sitzung skeptisch über eine Entscheidungsfindung gezeigt. Die Geduld werde ziemlich strapaziert. Es sei die Frage, ob die griechischen Zusagen entscheidungsfähig und tragfähig seien. Sie zweifelte, ob bereits alles am Tisch liege. Euro-Gruppenchef Jean-Claude Juncker sprach von vielen Unklarheiten. Auch Juncker glaubt nicht an definitive und endgültige Beschlüsse bei der Sitzung. Deutschlands Finanzminister Wolfgang Schäuble äußerte sich ähnlich.

Neben den politischen Problemen zwischen den einzelnen Parteien hat Griechenland auch mit der Wut der Bevölkerung wegen der auferlegten Restriktionen seine Schwierigkeiten. Die Griechen wehren sich immer stärker gegen die Strategie der Troika - hartes Sparen und Reformen für mehr Wachstum. Die Gewerkschaften riefen aus Protest gegen die Sparauflagen zu einem zweitägigen Generalstreik am Freitag und Samstag auf.




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Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2012
Dokument erstellt am 2012-02-09 22:32:46
Letzte Änderung am 2012-02-10 07:54:15


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