• vom 26.02.2012, 12:15 Uhr

International


EZB

Großer Nachschlag am Geldbüffet




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  • Europäische Zentralbank verteilt Hunderte Milliarden Euro
  • Banken bekommen mit neuem 3-Jahres-Tender "Free Lunch".
  • Händler: "Geld quasi geschenkt".

Bis zu einer Billion Euros gibt es für Banken nahezu zinsenfrei abzuholen. - © APAweb / dpa / Tim Brakemeier

Bis zu einer Billion Euros gibt es für Banken nahezu zinsenfrei abzuholen. © APAweb / dpa / Tim Brakemeier

Frankfurt/Berlin. Mit einer weiteren gigantischen Geldspritze möchte die Europäische Zentralbank (EZB) die Euro-Zone gegen eine Kreditklemme impfen. Am Mittwoch können sich die Banken ihre Dosis abholen. Es gibt Geld für drei Jahre zum historisch niedrigen Leitzins von einem. "Das ist eine einmalige Chance und quasi geschenkt", sagt ein Händler. Viele Banken dürften sich die zweite und vorerst letzte Gelegenheit dieser Art nicht entgehen lassen, zumal EZB-Chef Mario Draghi sie ausdrücklich dazu ermuntert hat.

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Wenn seine Rechnung aufgeht, wird der Geldsegen das Kreditgeschäft und auch den Anleihemarkt beleben. Dort muss das klamme Italien in den kommenden beiden Monaten fast 100 Mrd. Euro einsammeln, um sich finanziell über Wasser zu halten. Von Reuters befragte Analysten, dass sich die Banken ähnlich wie beim ersten längerfristigen Geldgeschäft (LTRO) dieser Art im Dezember mit rund einer halben Billion Euro vollsaugen werden. Ökonomen der Schweizer Großbank UBS rechnen gar damit, dass der Appetit der Banken auf frisches Geld drei Mal so groß sein wird wie im letzten Jahr.

EZB-Präsident Draghi hatte die Institute aufgefordert, von dem Angebot der Zentralbank ohne Scheu Gebrauch zu machen. Es sei keine Schande, die Möglichkeit zu nutzen. "Für einige Banken ist das Thema Schande zwar akut, aber das ist ein gutes Angebot. Viele Banken werden sich so oder so eindecken", sagt Analyst Frank Oland Hansen von der Danske Bank voraus.

Wie viel Geld diesmal abgerufen wird, ist die große Frage. Bei der Reuters-Umfrage unter 60 Analysten reichen die Prognosen von 200 Mrd. bis zu einer Billion Euro. Laut einer separaten Umfrage unter 29 Geldmarkthändlern dürfte die Nachfrage leicht auf 470 Mrd. sinken. Ob die im Dezember erreichte Marke von 489 Milliarden geknackt wird, ist für die Währungshüter im Frankfurter Euro-Tower jedoch Nebensache. Wichtig ist für sie, dass das Geld nicht gehortet wird. Es soll in die gewünschten Kanäle - sprich den Anleihenmarkt und den Kreditsektor - strömen.

Analysten schätzen, dass die Banken beim LTRO vor Weihnachten bis zu 250 Mrd. Euro zur eigenen Entschuldung nutzten. Rund 200 Mrd. Euro dürften zudem für die Begleichung älterer EZB-Darlehen abgehen. Somit blieben nur 40 Mrd. Euro für eine Kapitalmarkt-Investition wie den Kauf von Staatsanleihen. Dieses Mal werden voraussichtlich nur rund 90 Mrd. Euro an die EZB für fällige frühere Papiere zurückfließen. So könnte der Tender selbst bei niedrigerer Zuteilung als im Dezember aus Sicht der EZB effektiver sein.

Doch auch der erste an den Leitzins gekoppelte Tender, bei dem 523 Banken zugriffen, gilt als Erfolg. "Im Herbst 2011 zweifelten doch noch viele Investoren daran, dass es Italien und Spanien gelingt, ihre in den ersten Monaten von 2012 fälligen Staatsanleihen zu refinanzieren", sagt Christoph Weil von der Commerzbank. Die EZB habe mit der Einführung der dreijährigen Kredite für die Banken diese Sorge spürbar verringert.

Seit Dezember sind die Risikoprämien italienischer und spanischer Staatsanleihen markant gesunken. "Für die italienischen und spanischen Banken dürfte es sehr attraktiv sein, sich bei der EZB für drei Jahre billiges Geld zu leihen und dieses in höherverzinsliche nationale Staatsanleihen zu investieren", sagt Weil. "Und das quasi risikofrei", wie ein Händler betont. Denn die Banken können die Titel auch als Sicherheit bei der Notenbank hinterlegen. Solche quasi risikolosen Arbitrage-Geschäfte liebt die Bankenbranche, die auch von einem "Free Lunch" spricht.

Am Interbankenmarkt ist die Großzügigkeit der EZB jedoch weitgehend verpufft. Das gegenseitige Misstrauen der Geldinstitute ist zu stark. "Wir haben am Geldmarkt eine Zweiklassengesellschaft: Die einen haben die Kohle, geben sie aber nicht weiter. Die anderen bekommen nichts und stehen bei der EZB auf der Matte", fasst ein Händler zusammen.




Schlagwörter

EZB, Schuldenkrise, Kreditklemme

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Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2014
Dokument erstellt am 2012-02-26 12:06:23
Letzte Änderung am 2012-02-26 12:13:00


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