Berlin. Autofahrer müssen an der Tankstelle einer Studie zufolge viel mehr bezahlen, als es trotz hoher Ölpreise gerechtfertigt wäre. Das ist das Ergebnis einer aktualisierten Studie des Energie-Experten Steffen Bukold im Auftrag der Bundestagsfraktion der Grünen.
Bis März waren die Preise für Superbenzin um 11,3 Cent je Liter gestiegen. Davon ließen sich laut Bukold nur 6,6 Cent durch höhere Rohölpreise oder einen veränderten Euro/Dollar-Kurs erklären. Die restlichen 4,7 Cent seien das Ergebnis einer Margenausweitung der Mineralölkonzerne. In den letzten vier Wochen sei der Euro minimal stärker geworden, und die Rohölpreise seien leicht gefallen. Trotzdem seien die Tankstellenpreise um weitere 2 Cent gestiegen, wodurch die Bruttomarge bei Superbenzin auf 19,49 Cent je Liter gestiegen sei.
"Das ist ein ungewöhnlich steiler Anstieg der Marge um 69 Prozent in nur vier Monaten." Dadurch gebe es höhere Gewinne. "Über den Kostenanstieg hinaus fand also eine Umverteilung zu Lasten der Tankstellenkunden statt", bilanziert der Energiefachmann Bukold. Derzeit kostet der Liter Super etwa 1,70 Euro in Deutschland. Von November bis Ende März ist die Belastung der Studie zufolge allein in Deutschland um 167 Mio. Euro zu hoch gewesen.
Grünen-Fraktionsvize Bärbel Höhn betonte: "Die Mineralölkonzerne bereichern sich wie jedes Jahr vor Ostern dreist auf Kosten der Verbraucher." Einmal mehr zeige sich, dass es auf dem Benzinmarkt zu wenig Wettbewerb gebe.
Der Hauptgeschäftsführer des Mineralölwirtschaftsverbandes, Klaus Picard, sprach von "Webfehlern" in der Studie. "Es wird nur die Bruttomarge betrachtet und diese gleich Gewinn gesetzt." Erst wenn nach Abzug der Kosten noch etwas übrig bleibe, sei ein Gewinn erwirtschaftet worden, so Picard. Zwar steige die Bruttomarge für Benzin, für andere Produkte wie Diesel und Heizöl falle sie aber. Zu den Kosten seien zudem nicht alleine die Verarbeitungskosten in den Raffinerien zu zählen, sondern unter anderem auch rund 1,7 Mio. Euro jährliche Investitionen für Instandhaltung und Umweltauflagen.
Die Raffinerien hätten lange Zeit Verluste gemacht, sagte Picard. "Seit 1995 bis 2011 sind deshalb von 162 Raffinerien in Europa nur noch 99 übrig geblieben. Von diesen 99 stehen mindestens 12 zum Verkauf, sind stillgelegt oder zu Lagern umgebaut worden." Richtig sei aber, dass in den vergangenen Monaten die Bruttomargen gestiegen seien. "Falsch ist die Interpretation, dass die Raffinerien dadurch automatisch Gewinne einfahren", betonte Picard mit Blick auf seine Einschätzung der Lage bei den Raffinerien und Überkapazitäten.
Ölpreise steigen
Die Ölpreise sind nach deutlichen Verlusten am Donnerstag im asiatischen Handel wieder gestiegen. Ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent zur Lieferung im Mai kostete 123,27 US-Dollar. Das waren 93 Cent mehr als zum Handelsschluss am Vortag. Der Preis für ein Barrel der US-Sorte WTI stieg um 81 Cent auf 102,28 Dollar.
Händler sprachen von einer Gegenbewegung nach den deutlichen Verlusten der vergangenen Tage. Die gesunkene Hoffnung auf eine weitere geldpolitische Lockerung durch die US-Notenbank sowie die hohen Rohöllagerbestände in den USA hatten den US-Ölpreis am Mittwoch auf den tiefsten Stand seit sieben Wochen fallen lassen.