• vom 16.04.2012, 12:58 Uhr

International

Update: 16.04.2012, 15:00 Uhr
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Investorensuche gestaltet sich problematisch

Euro-Ratingagentur auf der Kippe



  • Geldgeber scheinen 300 Millionen Euro Startkapital nicht aufbringen zu wollen.

Der Aufbau einer europäischen Alternative zu Standard & Poor's, Moody's und Fitch droht bereits im Anfangsstadium zu scheitern. - APAweb/Herbert Neubauer

Der Aufbau einer europäischen Alternative zu Standard & Poor's, Moody's und Fitch droht bereits im Anfangsstadium zu scheitern. APAweb/Herbert Neubauer

Berlin. Das Projekt einer europäischen Ratingagentur droht zu scheitern. Das Beratungsunternehmen Roland Berger rechne nicht mehr damit, 300 Mio. Euro Startkapital für den Aufbau eines Konkurrenten zu den US-Ratingagenturen Standard & Poor's, Moody's und Fitch einsammeln zu können. Das berichtete die "Financial Times Deutschland". Eine Sprecherin von Roland Berger betonte jedoch, die Gespräche mit Investoren würden fortgesetzt. Ein andere Initiative aus Deutschland steht indes bereits in den Startlöchern.

"Wir halten das Projekt weiter für richtig und wünschenswert", betonte die Sprecherin von Roland Berger. Europäische Banken interessierten sich dafür. Allerdings gebe es bisher "keine konkreten Zusagen für angemessene finanzielle Beiträge". Laut dem Zeitungsbericht wollen die Unternehmensberater die Initiative nun nur noch auf Sparflamme weiterverfolgen.

Stiftung in Eigenregie
Roland Berger hatte das Projekt öffentlichkeitswirksam in Eigenregie und ohne offizielle politische Unterstützung vorangetrieben. Die Ratingagentur ist als Stiftung konzipiert, die nicht gewinnorientiert arbeitet. Die Investoren sollten aus der Finanzindustrie kommen, staatliche Beteiligungen sind nicht vorgesehen.

An diesem Dienstag (17.4.) will nun die Bertelsmann-Stiftung ebenfalls ein Modell für eine internationale Ratingagentur vorstellen. Zu den Auswirkungen auf das eigene Projekt wollte Roland Berger keine Stellung nehmen. Allerdings bestehe ein Unterschied darin, dass die Bertelsmann-Stiftung auch Beteiligungen der öffentlichen Hand an der neuen Ratingagentur anstrebe, hieß es.

Mehr Transparenz
Die europäische Ratingagentur sollte eine Konsequenz aus der Kritik an den großen US-Wettbewerbern sein, denen vorgeworfen wird, die Finanzkrise 2008 mitverursacht zu haben. Außerdem wurde ihnen ein zu großer Einfluss auf die Märkte während der Eurokrise vorgehalten. Das Berger-Modell sollte mehr Transparenz gewährleisten und von den Investoren finanziert werden. Bei der US-Konkurrenten zahlen grundsätzlich die Emittenten - also diejenigen, die auch benotet werden - für die Ratings.

Die EU hat die Ratingagenturen bereits unter stärkere Überwachung gestellt. Zuständig ist dafür die Aufsichtsbehörde ESMA mit Sitz in Paris. Binnenmarktkommissar Michel Barnier stellte im Herbst 2011 zusätzliche Pläne vor, die bei den Ratingagenturen allerdings auf Ablehnung stoßen. Sie sehen unter anderem vor, dass Unternehmen den Anbieter von Ratings regelmäßig wechseln müssen, damit Interessenskonflikte ausgeschlossen werden. Eine eigene europäische Ratingagentur, die mit öffentlichen Geldern finanziert wird, hatte die Kommission verworfen.




Schlagwörter

Ratingagentur, Roland Berger

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Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2013
Dokument erstellt am 2012-04-16 13:01:13
Letzte Änderung am 2012-04-16 15:00:10


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