• vom 16.04.2012, 18:40 Uhr

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Update: 16.04.2012, 20:38 Uhr
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Spanien braucht Geld von den Märkten - Alarmstimmung ist zurück

Woche der Wahrheit für Krisenpolitik der EU


Von Stefan Melichar

  • Zinsen für Madrid steigen wieder - Sorge vor negativer Eigendynamik.

Ratlosigkeit macht sich breit: Spaniens Wirtschaftsminister Luis de Guindos. - epa

Ratlosigkeit macht sich breit: Spaniens Wirtschaftsminister Luis de Guindos. epa

Madrid/Wien. Monatelang haben Europas Spitzenpolitiker um Maßnahmen zur Bekämpfung der Staatsschuldenkrise gerungen. Nun sind "Fiskalpakt" und "Feuermauer" (gemeint ist ein größerer Euro-Rettungsschirm) endlich unter Dach und Fach. Doch die Phase der Entspannung dauerte gerade einmal wenige Wochen.

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In Bezug auf Spanien - eines der volkswirtschaftlich größten Sorgenkinder der Währungsunion - zeigen sich alarmierende Entwicklungen, die sich auf andere Länder ausweiten könnten. Ob die negative Eigendynamik, die bereits eingesetzt hat, rasch durchbrochen werden kann, dürfte auch vom weiteren Verlauf dieser Woche abhängig sein.

Am Donnerstag will die Regierung in Madrid nämlich Staatsanleihen mit Laufzeiten von zwei beziehungsweise zehn Jahren an Investoren verkaufen. Muss das Land den Anlegern dabei deutlich höhere Zinsen bieten als zuletzt, könnte die Sorge zunehmen, dass Spanien nicht dazu in der Lage ist, seinen Staatshaushalt nachhaltig aus eigener Kraft zu finanzieren.

Die Reformpläne von Ministerpräsident Mariano Rajoy stoßen auf heftigen Widerstand - am Wochenende taten die Madrilenen ihrem Protest gegen die Gesundheitsreform lautstark kund.

Die Reformpläne von Ministerpräsident Mariano Rajoy stoßen auf heftigen Widerstand - am Wochenende taten die Madrilenen ihrem Protest gegen die Gesundheitsreform lautstark kund.reuters Die Reformpläne von Ministerpräsident Mariano Rajoy stoßen auf heftigen Widerstand - am Wochenende taten die Madrilenen ihrem Protest gegen die Gesundheitsreform lautstark kund.reuters

Am Montag sind die Renditen - quasi die Zinsen - zehnjähriger spanischer Staatspapiere erstmals seit November 2011 wieder über die Marke von sechs Prozent gestiegen. Als kritisch sehen Experten ein Niveau von sieben Prozent und darüber. Verschärft sich der Trend der vergangenen Tage, kann das schnell erreicht sein. Laut Nachrichtenagentur Reuters sind die Kosten für Kreditausfallversicherungen (Credit Default Swaps, CDS) auf spanische Staatsanleihen bereits auf neue Rekordwerte gestiegen.

Zurück in der Rezession



Die Gründe zur Sorge liegen auf der Hand. Kaum hatte Spanien offiziell dem europäischen Fiskalpakt zugestimmt, der unter anderem strengere Defizitgrenzen vorsieht, musste die Regierung eingestehen, die Haushaltsvorgaben nicht einhalten zu können. Das Land ist in den vergangenen Monaten zurück in die Rezession gerutscht: Wirtschaftsminister Luis de Guindos hat in einem Interview mit der Zeitung "El Mundo" erklärt, das Bruttoinlandsprodukt im ersten Quartal 2012 dürfte wahrscheinlich ähnlich zurückgegangen sein wie im letzten Vierteljahr 2011, als ein Minus von 0,3 Prozent im Quartalsvergleich verzeichnet wurde. Schrumpft die Wirtschaft zwei Quartale in Folge, spricht man von einer Rezession.

Dass die Probleme über Spanien hinausreichen, zeigt sich daran, dass auch die Renditen für italienische Staatsanleihen zuletzt wieder gestiegen sind. Spanien ist die viertgrößte Volkswirtschaft der Eurozone. Eine Rettung à la Griechenland, Irland oder Portugal dürfte wohl auch den zuletzt aufgestockten Euro-Hilfsfonds überfordern. Italien, das in den vergangenen Monaten selbst nur mit Müh und Not die Märkte von der eigenständigen Finanzierbarkeit seines riesigen Schuldenberges überzeugen konnte, würde wohl erneut ins Zentrum der Krise gezogen.

Während Analysten Europa bereits "zurück im Krisenmodus" sehen, erklärte EU-Kommissionspräsident Jose Manuel Barroso am Montag in Brüssel, er habe "volles Vertrauen" in die Regierung in Madrid. Er sei absolut zuversichtlich, dass Spanien "alle Schwierigkeiten meistern" werde, meinte Barroso laut Austria Presseagentur. "Wir arbeiten mit den spanischen Behörden sehr eng zusammen."

Vorerst keine Hilfe von EZB
Keine Unterstützung erhielten Spanien und Italien zuletzt von der Europäischen Zentralbank. Diese hat in der vergangenen Woche keine weiteren Staatsanleihen von Eurostaaten gekauft. Ein entsprechendes Programm war vor knapp zwei Jahren eingerichtet worden, um die Nachfrage anzukurbeln. Bisher hat die EZB Papiere im Ausmaß von 214 Milliarden Euro abgewickelt. Angesichts der sich verschärfenden Situation in Spanien wird darüber spekuliert, ob die Zentralbank das seit einiger Zeit ruhende Programm wieder aufnimmt.

Indirekt könnte Spanien bei der dieswöchigen Emission von Staatsanleihen allerdings sehr wohl von Maßnahmen der EZB profitieren. Diese hat Ende 2011 und Anfang 2012 europäischen Banken insgesamt etwas mehr als eine Billion Euro an billigen Dreijahreskrediten zur Verfügung gestellt. Offenbar kaufen spanische Banken mit diesem Geld Staatsanleihen - und zwar nicht zuletzt die ihres eigenen Landes. Ende 2011 entfielen noch 50 Prozent der spanischen Staatsschulden auf ausländische Gläubiger, Ende Februar nur noch 42 Prozent.

Probleme bei den Banken
Dabei sind es gerade die maroden Banken des Landes, die Spaniens Probleme noch verschärfen. Viele haben sich auch Jahre nach dem Platzen einer Immobilienblase im Zuge der globalen Finanz- und Wirtschaftskrise nicht erholt. Probleme könnten sich auch bei Banken in anderen Ländern ergeben. Der Gouverneur der Oesterreichischen Nationalbank, Ewald Nowotny, sprach in einem Interview mit den "Vorarlberger Nachrichten" von der "Ruhe vor dem Sturm". Die Ratingagentur Moody’s habe angekündigt, per Ende April die Bonität von 110 europäische Banken neu zu bewerten. "Es ist nicht auszuschließen, dass das in Europa wieder zu einer gewissen Verunsicherung führen könnte", so Nowotny.




Schlagwörter

Euro-Krise, Euro-Rettung, Spanien

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Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2013
Dokument erstellt am 2012-04-16 18:38:09
Letzte Änderung am 2012-04-16 20:38:52


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