München. (reu/hes) Die Pläne für eine europäische Ratingagentur kommen nicht vom Fleck: Diese sollte ein Gegenstück zu den drei US-dominierten Häusern Standard & Poor’s, Moody’s und Fitch (mehrheitlich in französischem Besitz, aber angelsächsisch geprägt) bilden. Die deutsche Beraterfirma Roland Berger hält zwar entgegen anderslautenden Berichten an ihrem Vorhaben fest, "die Gespräche laufen weiter", sagt eine Sprecherin. Sie muss allerdings einräumen, dass es noch keine finanziellen Zusagen von Banken gebe. Geplant ist eine private nicht-gewinnorientierte Stiftung; die Startkosten wurden bisher mit 300 Millionen Euro beziffert.
Ein einheitliches System für den Kontinent zu entwickeln sei alles andere als leicht, bestätigt Creditreform-Vorstand Helmut Rödl. Die Auskunftei bewertet seit rund zehn Jahren in Deutschland Unternehmen und will das Geschäft zunehmend auf Europa erweitern. Creditreform arbeite an einem Verbund und verhandle mit anderen Ratingagenturen aus Italien, Spanien und Bulgarien. "Es gibt aber eine sehr unterschiedliche Ratingkultur in den einzelnen Ländern", sagt Rödl. Den Roland-Berger-Vorstoß sieht er skeptisch: "Das so herauszustampfen ist eine sehr, sehr schwierige Angelegenheit."
Heute, Dienstag, will die Bertelsmann-Stifung Pläne für eine Non-Profit-Ratingagentur vorstellen, die sich nur auf Länderratings konzentrieren soll. Harald Wögerbauer, österreichisches Vorstandsmitglied des Europäischen Rechnungshofes, hält indessen weiter an der Idee fest, dass der Rechnungshof Ratingaufgaben übernehmen könnte, wie er der "Wiener Zeitung" bestätigt.