Der Internationale Währungsfonds (IWF) wird vermutlich weniger Geld im Kampf gegen die Schuldenkrise erhalten als erbeten. Wie die Nachrichtenagentur Reuters unter Berufung auf Kreise der G20-Länder meldet, dürfte sich die Gruppe der Schwellen- und Industriestaaten auf 400 bis 500 Milliarden Dollar (304 bis 380 Milliarden Euro) verständigen statt auf die zunächst beantragten 600 Milliarden Dollar.
Diese Zahl sei nie realistisch gewesen, sagt ein G20-Vertreter, der namentlich nicht genannt werden will. Die Finanzminister der G20 kommen am Sonntag in Washington zusammen, um über die Bitte des Währungsfonds vom Jänner zu beraten. Ob es dabei auch zu einer Entscheidung kommen wird, ist allerdings unklar.
"Ich würde sagen, dass die Zahl irgendwo zwischen 400 und 500 Milliarden Dollar liegen wird", meint ein anderer G20-Vertreter. Die Summe hängt wohl davon ab, wie viel die großen Volkswirtschaften und die europäischen Staaten außerhalb der Eurozone zusagen werden. China und Japan könnten zusammen jedenfalls 100 Milliarden Dollar beisteuern, heißt es in den von Reuters zitierten Kreisen. "Aber bei den Schwellenländern gibt es immer noch sehr die Vorstellung, dass reiche EU-Mitgliedstaaten wie Deutschland eine größere Rolle dabei spielten sollen, die Probleme in der Region zu lösen", sagt ein dritter Insider.
Vor allem die Schwellenländer sehen in der Genehmigung der IWF-Mittel für die Euro-Rettung keine Selbstverständlichkeit. "Ich halte es nicht für ausgemacht, dass es schon bei der Frühjahrstagung zu einer Bewilligung kommen wird", sagte der Vertreter Brasiliens und acht weiterer lateinamerikanischer Länder im IWF-Exekutivdirektorium, Paulo Nogueira Batista, zum "Spiegel". Die Aufstockung der europäischen Rettungsschirme, und damit die Voraussetzung für mehr Geld vom IWF, sei "weniger als versprochen", kritisierte Nogueira Batista. Es sei deshalb durchaus denkbar, dass die Frage zusätzlicher IWF-Mittel erst im Juni auf dem G20-Gipfel in Mexiko beantwortet werde. Viel zu viele Mittel und Risiken des IWF konzentrierten sich mittlerweile in Europa.
Von den USA und Kanada ist Insidern zufolge kein Geld zu erwarten.