
Washington. (hes) Als Rapper oder Michael-Jackson-Double wäre er eine glatte Fehlbesetzung: Das beweisen Videos, welche Tanzperformances des designierten Weltbank-Präsidenten Jim Yong Kim zeigen. Die Mitschnitte entstanden bei Talenteshows an der US-Elite-Uni Dartmouth, der Kim bisher vorstand - und machten nach seiner Nominierung durch US-Präsident Barack Obama prompt die Runde in US-Talkshows. Sie beweisen, dass der Mediziner immerhin Humor besitzt.
Ob seine Qualifikation ausreicht, der Weltbank wieder mehr Bedeutung zu verleihen, wird bezweifelt: Schließlich hat der US-Mediziner Renommee als Wissenschafter und in der Aids-Bekämpfung in Entwicklungsländern erworben. Dass er Führungsstärke und politisches Gewicht besitzt, ist nicht sicher. So hatten Schriften für Verwunderung gesorgt, in denen Kim bezweifelte, dass Wirtschaftswachstum der Armutsbekämpfung dienlich ist - bisher die zentrale Weltbank-Agenda. Kims Bestellung ist dennoch fix, weil Japan, Europa und Russland den USA ihre Unterstützung zugesagt haben. Am Abend bestätigte die Weltbank seine Ernennung zum neuen Präsidenten ernannt. Er werde seine fünfjährige Amtszeit am 1. Juli antreten, teilte die Organisation am Montag mit.
Der US-Ökonom Jeffrey Sachs, der als "Mr. Entwicklungshilfe" gilt, ist von Kim überzeugt. "Wir hatten elf Weltbank-Präsidenten, alle Amerikaner. Was aber noch schwerer wiegt: Alle elf waren Banker oder Politinsider - und das ist nicht gut", sagte Sachs, der sich selbst als Kandidat ins Spiel gebracht, aber zugunsten Kims zurückgezogen hatte, dem "Guardian". Die Weltbank sei keine Finanzinstitution, sondern in erster Linie eine Entwicklungshilfeorganisation, die Hunger, Armut und Krankheit bekämpfen solle.
Die USA machen das Rennen
Die Spitze geht in Richtung des scheidenden Weltbank-Präsidenten Robert Zoellick, der vor seiner Bestellung bei der Investmentbank Goldman Sachs Karriere gemacht hatte. Auch der ehemalige Weltbank-Direktor Robert Holzmann hatte Zoellick in der "Wiener Zeitung" Versagen vorgeworfen - dieser habe Konflikte gescheut und primär sich selbst für einen Politjob bei den Republikanern in Position gebracht.
Für lange Gesichter sorgt der Kuhhandel bei den Schwellenländern. Schließlich ist es seit dem Zweiten Weltkrieg ungeschriebenes Gesetz, dass die Weltbank von einem US-Amerikaner und der Internationale Währungsfonds von einem Europäer angeführt wird. So bleibt es - mit Kim und der Französin Christine Lagarde - auch die nächsten Jahre. Die einzige verbliebene Gegenkandidatin, die nigerianische Finanzministerin Ngozi Okonjo-Iweala, für die sich 39 frühere Weltbank-Funktionäre stark gemacht hatten, äußerte sich am Montag enttäuscht und räumte ihre Niederlage ein: Der Job werde nicht anhand von Verdiensten und Kompetenz, sondern durch politisches Stimmgewicht vergeben - somit sei den USA der Sieg gewiss.
Der kolumbianische Ex-Finanzminister José Antonio Ocampo hatte seine Kandidatur schon am Wochenende zurückgezogen, um eine Allianz der Entwicklungs- und Schwellenländer rund um Okonjo-Iweala zu ermöglichen. Die Personalie wurde am Montag im Führungsgremium der Weltbank beschlossen, damit die Bestellung bei der Frühjahrstagung der Weltbank-Gruppe am 21. April fixiert werden kann.