• vom 16.04.2012, 18:41 Uhr

International

Update: 17.04.2012, 08:55 Uhr
  • Artikel
  • Lesenswert (0)
  • Drucken
  • Leserbrief
  • Empfehlen/Teilen



US-Kandidat Kim wird neuer Chef der Weltbank

Weltbank bleibt in US-Hand - und ein Männer-Verein



  • Schwellenländer reagieren frustriert.



Washington. (hes) Als Rapper oder Michael-Jackson-Double wäre er eine glatte Fehlbesetzung: Das beweisen Videos, welche Tanzperformances des designierten Weltbank-Präsidenten Jim Yong Kim zeigen. Die Mitschnitte entstanden bei Talenteshows an der US-Elite-Uni Dartmouth, der Kim bisher vorstand - und machten nach seiner Nominierung durch US-Präsident Barack Obama prompt die Runde in US-Talkshows. Sie beweisen, dass der Mediziner immerhin Humor besitzt.

Werbung

Ob seine Qualifikation ausreicht, der Weltbank wieder mehr Bedeutung zu verleihen, wird bezweifelt: Schließlich hat der US-Mediziner Renommee als Wissenschafter und in der Aids-Bekämpfung in Entwicklungsländern erworben. Dass er Führungsstärke und politisches Gewicht besitzt, ist nicht sicher. So hatten Schriften für Verwunderung gesorgt, in denen Kim bezweifelte, dass Wirtschaftswachstum der Armutsbekämpfung dienlich ist - bisher die zentrale Weltbank-Agenda. Kims Bestellung ist dennoch fix, weil Japan, Europa und Russland den USA ihre Unterstützung zugesagt haben. Am Abend bestätigte die Weltbank seine Ernennung zum neuen Präsidenten ernannt. Er werde seine fünfjährige Amtszeit am 1. Juli antreten, teilte die Organisation am Montag mit.

Der US-Ökonom Jeffrey Sachs, der als "Mr. Entwicklungshilfe" gilt, ist von Kim überzeugt. "Wir hatten elf Weltbank-Präsidenten, alle Amerikaner. Was aber noch schwerer wiegt: Alle elf waren Banker oder Politinsider - und das ist nicht gut", sagte Sachs, der sich selbst als Kandidat ins Spiel gebracht, aber zugunsten Kims zurückgezogen hatte, dem "Guardian". Die Weltbank sei keine Finanzinstitution, sondern in erster Linie eine Entwicklungshilfeorganisation, die Hunger, Armut und Krankheit bekämpfen solle.

Die USA machen das Rennen
Die Spitze geht in Richtung des scheidenden Weltbank-Präsidenten Robert Zoellick, der vor seiner Bestellung bei der Investmentbank Goldman Sachs Karriere gemacht hatte. Auch der ehemalige Weltbank-Direktor Robert Holzmann hatte Zoellick in der "Wiener Zeitung" Versagen vorgeworfen - dieser habe Konflikte gescheut und primär sich selbst für einen Politjob bei den Republikanern in Position gebracht.

Für lange Gesichter sorgt der Kuhhandel bei den Schwellenländern. Schließlich ist es seit dem Zweiten Weltkrieg ungeschriebenes Gesetz, dass die Weltbank von einem US-Amerikaner und der Internationale Währungsfonds von einem Europäer angeführt wird. So bleibt es - mit Kim und der Französin Christine Lagarde - auch die nächsten Jahre. Die einzige verbliebene Gegenkandidatin, die nigerianische Finanzministerin Ngozi Okonjo-Iweala, für die sich 39 frühere Weltbank-Funktionäre stark gemacht hatten, äußerte sich am Montag enttäuscht und räumte ihre Niederlage ein: Der Job werde nicht anhand von Verdiensten und Kompetenz, sondern durch politisches Stimmgewicht vergeben - somit sei den USA der Sieg gewiss.

Der kolumbianische Ex-Finanzminister José Antonio Ocampo hatte seine Kandidatur schon am Wochenende zurückgezogen, um eine Allianz der Entwicklungs- und Schwellenländer rund um Okonjo-Iweala zu ermöglichen. Die Personalie wurde am Montag im Führungsgremium der Weltbank beschlossen, damit die Bestellung bei der Frühjahrstagung der Weltbank-Gruppe am 21. April fixiert werden kann.




Schlagwörter

Jim Yong-kim, Weltbank

Leserkommentare




Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Online-Nutzungsbedingungen an.


captcha Absenden

* Pflichtfelder (E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht)


Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2013
Dokument erstellt am 2012-04-16 18:47:04
Letzte Änderung am 2012-04-17 08:55:02


Beliebte Inhalte



  • FCC pocht angeblich auf neue Kredite und auf Haftungen der Republik.
  • weiter

Funktionieren die "Abenomics"? Japans Premier Shinzo Abe sieht seinen Kurs bestätigt. - epa
  • Lockere Notenbankpolitik ermöglicht höchsten Zuwachs aller Industriestaaten.
  • Wunderwaffe oder Strohfeuer?
  • weiter

Die Regierung hofft, die EU davon abzubringen, dass sie einen Zwangsverkäufer einsetzt. - apa/Techt
  • Kommunalkredit Austria: Verzicht auf neues Geschäft soll EU umstimmen.
  • weiter

Hübsche PCs, miese Zahlen... - Zahlen, Foto: Dell Die anhaltende Schwäche auf dem Markt für PCs hat Dell einen Gewinneinbruch um 79 Prozent beschert. Für das erste Quartal gab der US-Konzern am...weiter

2011 wurde "Stresstest" zum Wort des Jahres gekürt. Dieses Jahr bleibt dieser den Banken erspart. - APAWeb / dpa-Zentralbild / Patrick Pleul
  • Riesige Kapitallücken einiger Institute in Irland, Spanien und Zypern blieben unentdeckt.
  • weiter

"Bevor uns das Rohöl ausgeht, geht uns das Wasser aus" , ist Brabeck-Letmathe überzeugt. - dpa
  • Spitzenmanager über Europas Defizite und emotionale Debatten.
  • weiter

Notenbank-Direktor Ittner: Seit 2002 erzielt Österreichs Volkswirtschaft Leistungsbilanzüberschüsse.
  • Leistungsbilanz für 2012 weist
  • 5,5 Milliarden Euro Überschuss aus.
  • weiter

Was sagt Karl-Heinz Rummenigge (L)  wohl zu Uli Hoeness (R)? Vielleicht - "Uli, deine Zeit ist abgelaufen". - APAweb/EPA/ANDREAS GEBERT
  • Angeblicher Deal: Freiheitsstrafe auf Bewährung und hohe Strafe
  • weiter

Der Pfad zum Nulldefizit dürfte durch die Kosten für die Hypo versperrt sein. - apa
  • Erst wurden Probleme mit Hypo oder Kommunalkredit auf die lange Bank geschoben, jetzt bricht Hektik aus.
  • weiter

Milliardenloch Banken: Wie viel die Steuerzahler noch nachwerfen müssen, ist offen. - fotolia
  • 4,8 Milliarden für Bankenhilfe könnten sich rasch um 2,5 Milliarden erhöhen.
  • weiter




Werbung



Quiz



Frankreich: Amandine Bourgeois - "L'enfer et moi"

Der Teil einer Installation des pakistanischen Künstlers von Imran Qureshi im Metropolitan Museum in New York. Die letzten Stufen werden noch eingekleidet, und dann kanns los gehen:

18. 5. 2013: Ein lesbisches Paar in Myanmar: Der "Internationale Tag gegen Homophobie" geriet weltweit zu einem bunten und eindringlichen Protest gegen Diskriminierung. Noch herrscht auf der Croisette vor dem Palais des Festivals in Cannes die Ruhe vor dem Sturm.

Werbung