• vom 18.04.2012, 18:48 Uhr

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Update: 18.04.2012, 18:58 Uhr
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IWF-Direktor Viñals: Debatte über Eurobonds muss jetzt geführt werden

Mit den Banken schrumpft auch die Kreditvergabe


Von Hermann Sileitsch

  • IWF: Europas Bankbilanzen bis Ende 2013 um 2,6 Billionen Dollar verkleinert.

Karge Zeiten: Ohne Kredite leidet die Realwirtschaft.

Karge Zeiten: Ohne Kredite leidet die Realwirtschaft. Karge Zeiten: Ohne Kredite leidet die Realwirtschaft.

Washington. Die Verunsicherung ist groß: Wie dramatisch ist das Wiederaufflammen der Eurokrise, seit Spanien von Neuem in den Fokus gerückt ist? Der gefürchtete US-Hedgefonds-Manager John Paulson soll schon wieder mit einer Zuspitzung rechnen und gegen europäische Staatsanleihen spekulieren. Laut "Financial Times" nehme er nun sogar die Bonität Deutschlands ins Visier.

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"Seit September hat die Politik zu einer Beruhigung der Finanzstabilität beigetragen", relativierte José Viñals, Direktor des Internationalen Währungsfonds (IWF) am Mittwoch. Auf der Habenseite verbuchte er den Politwandel in Italien und Spanien, die Reformfortschritte in Irland und Portugal, die Umschuldung Griechenlands, die Geldspritzen der Europäischen Zentralbank, den Kapitalaufbau der Banken, den "Fiskalpakt" von 25 EU-Staaten für mehr Budgetdisziplin und die aufgestockten Euro-Rettungsschirme.

Allerdings würden diese Maßnahmen nicht für eine dauerhafte Stabilisierung ausreichen - das treffe nicht nur auf Europa, sondern auch auf die USA und Japan zu, wo die mittelfristige Konsolidierung jetzt beginnen müsse. "Es wäre zu früh zu sagen, wir haben die Krise hinter uns gelassen."

Eurobonds-Debatte starten
Kurzfristiges Sparen kann kontraproduktiv für das Wachstum sein, warnte IWF-Ökonom John Simon am Mittwoch in Wien. Die Haushaltskonsolidierung bewege sich auf einem "schmalen Grad", so Simon. Laut seiner Berechnung kostet das Sparprogramm in Portugal 2012 knapp 0,6 Prozentpunkte des BIP, in Griechenland 0,55 Prozentpunkte und in Spanien 0,4 Prozentpunkte. Auch die Wirtschaftsleistung der USA und Deutschlands werde durch Budgeteinsparungen um voraussichtlich rund 0,2 Prozentpunkte vermindert.

Ähnliches droht auch bei den Banken: Der IWF erwartet, dass Europas Großbanken ihre Bilanzsummen bis Ende 2013 um 2,6 Billionen Dollar schrumpfen werden. Das wären sieben Prozent der gesamten Assets, wovon ein Viertel auf einen Rückgang der Kredite entfallen könnte. Dadurch könnte die Kreditversorgung der Eurozone über zwei Jahre betrachtet um 1,7 Prozent sinken.

Besonders betroffen wären die hochverschuldeten Staaten der Europeripherie - und die aufstrebenden Länder Osteuropas, wo Österreichs Großbanken stark engagiert sind.

Laut Viñals braucht es mehr Anstrengung, um schwache Banken abzuwickeln oder umzustrukturieren. Europa müsse zudem noch enger zusammenrücken - und sollte die Bankenaufsicht und Einlagensicherung auf gesamteuropäischer Ebene durchsetzen.

Politisch brisant ist die Empfehlung, die Debatte über "zentrale Finanzierungsmechanismen" - also Eurobonds - jetzt zu beginnen. "Ich bin mir bewusst, dass das weder politisch einfach, noch sofort möglich sein wird. Aber der Konsens muss jetzt gesucht werden, damit die Zuversicht zurückkehren kann", sagte Viñals.

Was sind nun die wahrscheinlichen Szenarien? In Spanien dürften Hilfsgelder für die Kapitalaufstockung der trudelnden Banken notwendig werden. Das wäre mit den Euro-Rettungsschirmen schon möglich, erinnerte der IWF. Deutschland legt sich aber quer: Ein Sprecher in Berlin schloss diese Möglichkeit dezidiert aus.

Und auch Bundesbank-Chef Jens Weidmann ist ausdrücklich gegen Hilfe für Spanien: "Wir sollten nicht immer den Weltuntergang ausrufen, wenn die langfristigen Zinsen eines Landes zeitweilig über sechs Prozent steigen", sagte er.

Portugal sollte sich ab 2013 wieder über den Kapitalmarkt finanzieren. Das habe man nicht zur Gänze selbst in der Hand, sagte Regierungschef Pedro Passos Coelho. Auch EU-Kommissar Olli Rehn hatte bereits angedeutet, dass eine Überbrückungsfinanzierung nötig sein könnte.

In Italien wird der Budgetpfad nicht halten. Das Defizit beträgt 2013 statt 0,1 wohl 0,5 Prozent, weil die Wirtschaft heuer mit 1,2 Prozent stärker schrumpft. Bisher wurde ein Minus von 0,4 Prozent erwartet. Die Defizitrevision erfolge im Einklang mit dem EU-Fiskalpakt, betont Rom: Italiens Defizit ist schon jetzt viel kleiner als jenes der meisten Eurostaaten.



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Copyright © Wiener Zeitung Online 2013
Dokument erstellt am 2012-04-18 18:56:11
Letzte Änderung am 2012-04-18 18:58:35


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