Belgrad. Als im Jahre 2008 die Finanz- und Eurokrise ausbrach und dann auch in eine Wirtschaftskrise in Europa mündete, verkannte die serbische Führung in Belgrad offensichtlich den Ernst der Lage. Serbien wurde zunächst von der Finanzkrise durch eine bessere Kapitalausstattung seiner Banken nicht so stark getroffen und war und ist natürlich in das internationale Finanzsystem noch weit weniger integriert. Staatspräsident Boris Tadic und der damalige Wirtschaftsminister Mladjan Dinkic verkauften die Krise als große Chance, die es nur zu nützen gelte, damit Serbien sogar gestärkt aus der Krise hervorgehen könne.
Vier Jahre später sieht die Lage anders aus. Statt der im Wahlkampf vor vier Jahren versprochenen zusätzlichen 200.000 Arbeitsplätze gingen in Serbien offiziell 250.000 Arbeitsplätze verloren; rechnet man Landwirtschaft und Schattenwirtschaft dazu, dürften es sogar etwa 400.000 sein. Die Arbeitslosenrate stieg von 15 auf 24 Prozent.
Niedrige Einkommen
locken Investoren
Serbien hat im Jahre 2012 noch nicht die Wirtschaftsleistung des Jahres 2008 erreicht, das war das letzte Jahr vor der Krise. Die Verschuldung stieg um sechs Milliarden Euro, wobei das Geld vor allem in Pensionen und in Gehälter für den öffentlichen Sektor gesteckt wurde, der noch immer nicht wirklich reformiert ist.
Die Einkommen der Bevölkerung dürften um 20 Prozent gesunken sein, der Durchschnittslohn liegt bei 350 Euro netto, während die Lebenshaltungskosten drastisch gestiegen sind. Der Preis für einen Liter Eurodiesel hat sich binnen vier Jahren mehr als verdoppelt und liegt nun bei 1,4 Euro.
Besser geschlagen als so mancher Nachbarstaat hat sich Serbien bei den ausländischen Direktinvestitionen. Das Vorzeigeprojekt der Regierung heißt Fiat in Kragujevac, der viertgrößten Stadt des Landes. Etwa 2500 Personen werden in der neuen Fabrik des italienischen Automobilherstellers wieder beschäftigt, und die Serienproduktion soll in einigen Monaten anlaufen. Endziel ist eine Produktion von 200.000 Autos pro Jahr, doch dazu muss noch die gesamte Infrastruktur der Stadt modernisiert werden. Gleichzeitig zeigt Fiat aber auch eine Strukturschwäche Serbiens auf, denn die Autobleche müssen importiert werden, weil das lokale Stahlwerk in Smederevo die entsprechende Qualität nicht liefern kann.