New York. (dpa/sf) Zu den geschäftlichen Turbulenzen von Yahoo kommt jetzt auch noch ein Problem in der Chefetage dazu. Scott Thompson hat sich mit einem Bachelortitel in Buchhaltung und Computerwissenschaften geschmückt. Der Internet-Konzern musste nun zugeben, dass sein neuer Chef entgegen bisherigen Angaben keinen Titel in Computerwissenschaften hat.
Die falsche Information sei ein "unbeabsichtigter Fehler" gewesen, erklärte Yahoo dem Blog "All Things Digital". Thompson habe einen Bachelor in Betriebswirtschaftslehre mit Schwerpunkt Buchhaltung.
Thompson unter Druck
Zuvor hatte der Yahoo-Investor Dan Loeb vom Hedgefund Third Point, der mit der Yahoo-Führung im Clinch liegt, auf Ungereimtheiten in der offiziellen Biografie Thompsons hingewiesen. "Das Stonehill College hat uns informiert, dass es erst seit 1983 Titel in Computerwissenschaften vergibt - vier Jahre, nachdem Mister Thompson das College abgeschlossen hat", sagte Loeb. Third Point zählt mit einem Anteil von 5,8 Prozent zu den größten institutionellen Investoren von Yahoo.
Yahoo stärkte Thompson den Rücken. Der falsche Titel ändere nichts an der Tatsache, dass Thompson ein hochqualifizierter Manager sei. Unter seiner Führung sei Yahoo auf dem Weg zu weiterem Wachstum und mehr Wert für die Anteilseigner.
Für Yahoo könnte die Angelegenheit schwere Folgen haben. Es ist unklar, ob sich Aktionäre und Aufseher mit der knappen Erklärung zufriedengeben. US-Medien wiesen darauf hin, dass der falsche Titel schon zu Thompsons Zeit bei Ebay in seinen offiziellen Lebensläufen auftauchte.
Thompson muss Yahoo wieder auf Erfolgskurs bringen, nachdem die frühere Chefin Carol Bartz im September 2011 telefonisch gefeuert wurde. 50 leistungsschwache Online-Bereiche werden nun geschlossen oder umstrukturiert. 14 Prozent der rund 14.000 Mitarbeiter werden entlassen.
Im ersten Quartal hat Yahoo den Abwärtstrend gestoppt und den Umsatz leicht gesteigert. Analysten fragen sich, wie Yahoo künftig Geld verdienen will. Das Unternehmen erzielt weiterhin einen Großteil seiner Erlöse mit Display-Werbung - genau hier jagen ihm Google und Facebook immer mehr Marktanteile ab.
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