Buenos Aires. Das argentinische Parlament hat mit großer Mehrheit der Teilverstaatlichung der Repsol-Tochter YPF zugestimmt. Der von der Regierung vorgelegte Gesetzesentwurf wurde in der Abgeordnetenkammer von 207 Parlamentariern unterstützt. Es gab lediglich 32 Gegenstimmen.
Präsidentin Cristina Fernandez de Kirchner begründete die Enteignung der bisher von der spanischen Repsol kontrollierten größten Erdölfirma Argentiniens unter anderem damit, dass Argentinien mit scharfen Preissteigerungen bei seinen Ölimporten konfrontiert sei und YPF keine Investitionen vorgenommen habe. YPF war bis zur Privatisierung im Jahr 1992 unter Präsident Carlos Menem Argentiniens staatliche Erdölgesellschaft.
Das Gesetz sieht vor, dass Repsol, der 57 Prozent der Aktion von YPF gehören, 51 Prozent abgibt. Weitere 26 Prozent befinden sich in den Händen der argentinischen Unternehmerfamilie Eskenazi, während der Rest an den Börsen in Buenos Aires und New York gehandelt wird.
Repsol kündigte eine Klage auf Entschädigung vor einem Schiedsgericht an. Auch die Europäische Union und die USA kritisierten die Teilverstaatlichung. Die spanische Regierung schränkte als Gegenmaßnahme zur Enteignung der Repsol-Tochter die Einfuhr von Biodiesel aus Argentinien ein.
Ein Großteil der Opposition stimmte für die Enteignung, wenn auch mit Kritik an der Energiepolitik der Regierung, die jahrelang das Ausbleiben von Investitionen geduldet habe.
Die argentinische Regierung versucht laut der Zeitung "La Nacion", neue Öl- und Erdgasreserven mittels Gemeinschaftsunternehmen von YPF und privaten Firmen zu erschließen. Planungsminister Julio De Vido habe bereits mit Vertretern der US-Unternehmen Exxon, Chevron und Connoco Phillips, mit der deutschen E.ON und der norwegischen Statoil gesprochen.