• vom 07.05.2012, 16:20 Uhr

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Update: 07.05.2012, 16:27 Uhr
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Beliebtes Fahrzeug soll nur mehr in Polen und England produziert werden

GM will Opel Astra aus Rüsselsheim verbannen



  • Gewerkschaft sieht den sozialen Frieden bedroht.

Opel drosselt die Produktion.

Opel drosselt die Produktion.APAweb/dapd/Oliver Stratman Opel drosselt die Produktion.APAweb/dapd/Oliver Stratman

Rüsselsheim. Ausgerechnet für das beliebteste aktuelle Opel-Modell soll "Made in Germany" künftig nicht mehr gelten. Im Kampf gegen ausufernde Kosten, chronische Absatzschwäche und Milliardenverluste setzt das Management auf billigere Produktion im Ausland. Nach den Plänen soll der Astra künftig nicht mehr im Stammwerk Rüsselsheim vom Band rollen, sondern nur noch in Polen und England.

  "Das wäre nicht nur eine weitere unternehmerische Fehlentscheidung in der langen Kette der Fehler ..., es wäre auch eine Kampfansage an die Belegschaften in allen deutschen Standorten und an die IG Metall", warnt IG Metall-Bezirksleiter Armin Schild, der auch im Opel-Aufsichtsrat sitzt. Besonders für Bochum könnte es eng werden.

Betriebsrat warnt vor "Fehlentscheidung"
  Zunächst wäre die Produktionsverlagerung aber für die 3.200 Opelaner in der Rüsselsheimer Fertigung ein herber Schlag, wie Gesamtbetriebsratschef Wolfgang Schaefer-Klug betont: "Im zweiten Halbjahr 2012 wird jedes zweite in Rüsselsheim produzierte Auto ein Astra sein. Es wäre eine verheerende Fehlentscheidung, wenn nach Auslauf des derzeitigen Modells kein Astra mehr in Deutschland gefertigt werden würde."

  Schon steigt die Angst bei den Beschäftigten am Stammsitz. "Wenn man Fahrzeuge abzieht, ist das Werk hier nicht mehr ausgelastet und dann werden wieder Mitarbeiter zur Disposition stehen", warnt Betriebsrat Bernd Wieme. Denn Überkapazitäten sind teuer. Diese schmerzhafte Erfahrung muss Opel seit Jahren machen - obwohl erst vor gut einem Jahr ein Werk geschlossen und 9.000 der vormals 48.000 Stellen abgebaut wurden.

Ende des Stammwerks?
  In Gewerkschaftskreisen wird bereits befürchtet, dass die Strategie des Managements von Opel und der US-Mutter General Motors (GM) paradoxerweise gerade einen der modernsten Standorte des Herstellers durch geringe Auslastung extrem verteuert - und so das schleichende Ende des Stammwerks verursachen könnte.

  Zumal Opel-Chef Karl-Friedrich Stracke den Dreischichtbetrieb in allen Fabriken zur Regel machen will - wodurch bei konstantem Absatz andere Standorte zwangsläufig überflüssig werden. "Es geht darum, von Westen nach Osten zu gehen. Wenn die Kapazitäten in Polen ausgelastet sind, wandert Opel weiter nach Rumänien oder Bulgarien", schimpft ein Insider.

  Wahrscheinlicher als eine Radikalkur in Rüsselsheim ist jedoch ein anderes Ziel. Das schon oft angedrohte Aus für den Standort Bochum. Denn die freien Kapazitäten in Rüsselsheim könnten etwa dadurch wieder aufgefüllt werden, dass der Zafira statt im Ruhrgebiet in Hessen vom Band rollt. Auch die IG Metall sieht das Werk Bochum gefährdet. Die dortige Produktion könne "wie auf dem Verschiebebahnhof" nach Rüsselsheim verlagert werden.

Harter Kampf angekündigt
  Die Gewerkschaft sieht den sozialen Frieden bedroht und kündigt einen harten Kampf an: "Der Opel-Vorstand muss wissen, dass wir uns auf keinen Fall erpressen lassen." Schild verlangt einen Geschäftsplan, der alle vier deutschen Standorte sichert. Anderenfalls gebe es keine Unterstützung für das Management: "Dann wird Opel wieder monatelang mit schlechten Nachrichten statt mit guten Autos von sich reden machen."

  2011 baute Opel fast 330.000 Astra, das Modell ist damit das mit Abstand wichtigste des Herstellers. "Das Volumen erreicht aber nicht annähernd die Zahlen des VW Golf. Deshalb kann Opel in Deutschland kein Geld verdienen", sagt Jürgen Pieper vom Bankhaus Metzler. Der Auto-Analyst sieht schon lange in der Produktion am teuren Standort Deutschland bei zu geringen Stückzahlen einen Hauptgrund für die Malaise bei Opel. Die Fertigung in Deutschland könnten sich nur Premiumautobauer wie Mercedes und BMW oder große Volumenhersteller leisten: "Aber Opel ist ein Massenhersteller ohne große Masse."




Schlagwörter

Opel, Rüsselsheim

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Copyright © Wiener Zeitung Online 2013
Dokument erstellt am 2012-05-07 16:25:24
Letzte Änderung am 2012-05-07 16:27:00


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