Madrid.

Der ist nach wie vor eine riesige Baustelle. Zur Erinnerung: Vor fünf Jahren kollabierte der spanische Immobilienmarkt und brockte den Banken horrende Kreditausfälle und Abschreibungen ein. Noch heute ist die Risikovorsorge erdrückend, dabei ist der Verfall der Häuserpreise noch nicht vorbei. Viele Immobilien stehen leer, einst teuer erworbene Bauflächen liegen brach.
Von den gut 300 Milliarden Euro an Immobilien-Assets, die die Banken in ihren Büchern haben, hat die spanische Notenbank zuletzt mehr als die Hälfte als "problembehaftet" eingestuft. Was die Situation im Banksektor noch verschärft: Spaniens Arbeitslosenrate steigt dramatisch, sie liegt bereits bei 24 Prozent. Den Banken drohen damit weitere Kreditausfälle. Dem nicht genug haben die Geldinstitute auch große Bestände an wackligen Staatsanleihen in ihrem Portfolio, die gleichsam wie ein Damoklesschwert über ihnen hängen.
Was Spaniens Banken vor diesem Hintergrund vor allem fehlt, ist frisches Kapital. Um ihre eisernen Reserven ist es alles andere als gut bestellt. Branchenexperten schätzen das Kapitalloch auf insgesamt rund 78 Milliarden Euro (davon entfallen 26 Milliarden auf die verschärften, bis Ende Juni zu erfüllenden Kapitalanforderungen der europäischen Bankenaufsicht EBA).
Die bange Frage dabei ist allerdings, ob der kleinteilige marode Sparkassensektor und die großen Banken des Landes ihre Kapitallöcher überhaupt stopfen können. Denn so wie in Griechenland, Irland und Portugal trauen Investoren auch den spanischen Instituten nicht mehr über den Weg. Ihnen ist es zu riskant geworden, den Banken frisches Kapital zur Verfügung zu stellen. Sie befürchten, dass viele Institute die erneute Rezession nicht überleben.
Schwenk der Regierung
Zur Not will der spanische Staat abermals einspringen und trotz seiner prekären Finanzlage neue Milliarden für die Banken lockermachen. Als letztes Mittel könnten öffentliche Gelder zur Rettung eingesetzt werden, kündigt Ministerpräsident Mariano Rajoy nun an. Ein überraschender Schwenk, denn zuvor hatte die neue konservative Regierung weitere Staatshilfen für die Banken kategorisch ausgeschlossen.
Ihre Sanierungspläne stellt sie am Freitag vor. Zentraler Bestandteil soll ein Großreinemachen beim schwer angeschlagenen Sparkassen-Konzern Bankia sein, der besonders als Achillesferse der spanischen Finanzindustrie gilt. Allein Bankia, wo zu Wochenbeginn Ex-Wirtschaftsminister und -IWF-Chef Rodrigo Rato als Präsident zurückgetreten ist, benötigt angeblich eine Kapitalspritze von sieben bis zehn Milliarden Euro.
Wie Rajoy neues Geld für taumelnde Banken zusammenbekommen will, ist unklar. Er betont nur, dass sich das Vorhaben nicht auf das Budgetdefizit auswirken werde. In Fachkreisen freilich sorgt Rajoys Aussage für heftiges Kopfschütteln.
Spanien steht an den Märkten und in der Eurozone unter besonderem Druck, sein Defizitziel für 2013 zu erreichen, nachdem das Land sein ursprüngliches Ziel für heuer bereits aufweichen musste. Die Währungspartner befürchten, Spanien könnte als nächstes Mitglied auf internationale Hilfe angewiesen sein - auch wenn der deutsche Finanzminister Wolfgang Schäuble erst kürzlich öffentlich erklärt hat, dass Madrid mit seiner Reformpolitik auf dem richtigen Weg sei.
Bad-Bank-Lösungen geplant
Neue Staatsgelder für die Banken würden Rajoy innenpolitisch verstärkt unter Druck setzen, zumal die Regierung für das laufende Jahr bereits Sparschritte im Volumen von mehr als 40 Milliarden Euro beschlossen hat. In den Finanzsektor hatte sie früher schon 18 Milliarden Euro gesteckt.
Wie durchgesickert ist, soll das neue Rettungspaket darauf zielen, die Banken von Altlasten zu befreien. Toxisches Vermögen soll demnach in eigens zu schaffende Bad Banks ausgelagert und durch Verkauf über 10 bis 15 Jahre hinweg abgestoßen werden. Das soll das Vertrauen der Märkte wiederherstellen. Viele spanische Institute hängen bei ihrer Refinanzierung derzeit am Tropf der Europäischen Zentralbank, weil ihnen in der Bankenwelt aus Misstrauen kein Geld geborgt wird.