
New York. (mei/reu) Es hätte der Börsengang des Jahrzehnts werden sollen - doch mit jedem neuen Handelstag gerät die noch junge Facebook-Aktie stärker unter Druck. Am Dienstag sackte der Kurs um weitere 9 Prozent ab und näherte sich - nach einem Ausgabepreis von 38 Dollar - bereits der 30-Dollar-Marke. Nach dem enttäuschenden Start brandet indes die Kritik auf - am Geschäftsmodell des Unternehmens, aber auch an jenen Großbanken, die Facebook eigentlich angeheuert hat, um einen reibungslosen Ablauf der Erstemission zu garantieren. Denn aus Umfeld dieser sogenannten Konsortialbanken dringen brisante Berichte an die Öffentlichkeit.
So senkte die US-Bank Morgan Stanley, die die Konsortialbanken anführte, unmittelbar vor der Erstnotiz Anlegern zufolge die Umsatzprognose für das weltgrößte Online-Netzwerk - und damit den eigenen Kunden. "Das passierte noch während der Werbetour - so was habe ich in den vergangenen zehn Jahren nicht erlebt", sagte ein Insider bei einer Fondsgesellschaft, die von Morgan Stanley über die korrigierte Vorhersage informiert worden war. Auch JPMorgan und Goldman Sachs hätten im Vorfeld ihre Prognosen heruntergeschraubt. Die Börsenaufsicht SEC kündigte an, die Vorfälle rund um den IPO zu prüfen.
Experten zufolge haben die Geldhäuser damit Anleger verschreckt und zu dem schwachen Börsendebüt am Freitag beigetragen. Die Facebook-Aktien rutschte den zweiten Handelstag infolge ab, zeitweise fiel sie um ein Drittel unter ihren Höchststand. Im frühen Nachmittagshandel grenzte sie die Verluste etwas ein und notierte noch rund vier Prozent tiefer. Am Montag hatte das mit viel Euphorie erwartete Papier elf Prozent verloren, nachdem es beim Börsendebüt letztlich nur dank Stützungskäufen von Konsortialführer Morgan Stanley den Ausgabepreis von 38 Dollar halten konnte. Trotz der Verluste halten Experten die Aktie derzeit immer noch für überbewertet.
Prognosenkorrektur zu einem ungünstigen Zeitpunkt
Finanzkreisen zufolge senkte Morgan Stanleys Internet-Analyst Scott Devitt seine Umsatzprognose für Facebook für das zweite Quartal deutlich und trat auch bei den vorhergesagten Einnahmen für das Gesamtjahr auf die Bremse. "Diese Verlangsamung regte viele Leute auf", sagte ein Investor. Für Analysten der führenden Konsortialbanken seien solche Anpassungen unmittelbar vor dem Börsengang sehr ungewöhnlich, bestätigte auch Scott Sweet von der Gesellschaft IPO Boutique. Emissionsbanken geben in der Regel bis zu 40 Tage nach Handelsbeginn keine Kommentare zu den eingeführten Aktien ab. Auch wenn Analysten unabhängig agieren, versuchen Emissionsbanken in der Regel, ein Unternehmen vor dem IPO in möglichst positives Licht zu rücken.