• vom 23.05.2012, 18:26 Uhr

International

Update: 23.05.2012, 22:08 Uhr
  • Artikel
  • Lesenswert (0)
  • Drucken
  • Leserbrief
  • Empfehlen/Teilen



Projektanleihen sollen Investoren anlocken


Von WZ-Korrespondentin Martyna Czarnowska

  • Probephase für die neuen Bonds wird noch heuer eingeleitet.

Brüssel. Es sind viele Ideen, die in den europäischen Hauptstädten herumschwirren. In Brüssel könnten sie sich in eine dringend benötigte Strategie zur Ankurbelung der Wirtschaft in der Union fügen. Das wäre der Plan. Doch die meisten dieser Überlegungen sind umstritten. Euro-Anleihen lehnen die Deutschen ab, die Besteuerung von Finanztransaktionen kommt für die Briten nicht in Frage, und Regelungen für den eigenen Arbeitsmarkt will sowieso jedes Land für sich selbst festlegen.

Werbung

Es gibt jedoch zumindest eine Maßnahme, mit der sich die Mitgliedstaaten anfreunden können: Projektanleihen. Damit sollen Infrastrukturvorhaben wie der Bau von Stromnetzen oder Straßen finanziert werden. Investoren soll dies dadurch schmackhaft gemacht werden, dass die EU-Länder ein gemeinsames finanzielles Risiko übernehmen.

Eine erste Vereinbarung dazu haben Vertreter der Staaten, des EU-Parlaments sowie der Europäischen Kommission bereits getroffen. Noch heuer sollen die Projektbonds in ihre Probephase für 2012/2013 treten. Bis 2014 sind rund 230 Millionen Euro aus dem EU-Budget vorgesehen. Die Kommission erhofft sich von der Vervielfachung der Mittel durch Anleger und die Europäische Investitionsbank (EIB) ein Investitionsvolumen in Höhe von 4,6 Milliarden Euro.

Rolle der EU-Bank soll gestärkt werden
Der Investitionsbank soll in der zu findenden Wachstumsstrategie überhaupt eine besondere Rolle zukommen. Zum einen soll die Bank der EU stärker eingebunden werden, wenn es um die Auswahl und Bewertung der Infrastrukturprojekte geht. Zum anderen wird gerade darüber diskutiert, ob das Kapital der EIB aufgestockt werden soll. Die EU-Kommission ging zuletzt von einer Erhöhung um
10 Milliarden Euro aus, womit mehrjährige Kredite im Ausmaß von 60 Milliarden Euro vergeben werden könnten. Das wiederum würde ein Investitionsvolumen in Höhe von 180 Milliarden Euro ergeben.

Über die Summe müssten die EU-Staats- und Regierungschefs bei ihrem Gipfeltreffen Ende Juni entscheiden. Mehrere Länder haben bereits signalisiert, dass sie einer Aufstockung der Mittel zustimmen würden. Auch für Ewald Nowotny, Ratsmitglied der Europäischen Zentralbank (EZB) und Nationalbankgouverneur in Österreich, ist dies eine "gute Investition". Es wäre ein zusätzlicher Wachstumsanreiz in der Eurozone, erklärte er bei einer Veranstaltung in Wien. Dort findet am heutigen Donnerstag auch eine hochrangig besetzte Konferenz zu dem Thema statt, wie die EIB das Wachstum vor allem in Osteuropa fördern könnte.

EIB-Vizepräsident Wilhelm Molterer warf allerdings schon im Vorfeld die Frage auf, wie dieser Impuls für die EU generell bis Juni vorbereitet werden kann. Immerhin haben die meisten Staaten herbe Sparauflagen zu erfüllen. Vor der Kapitalaufstockung müsste daher geklärt werden, in welche Projekte konkret das Geld fließen soll, meinte Molterer bei einem Gespräch mit Journalisten in Brüssel. Auch auf etwas anderes pocht der Vizepräsident: Die EIB dürfe ihr Triple-A-Rating, also die höchste Bonitätsstufe, nicht verlieren.

Der Bank könnte noch eine andere Aufgabe zukommen. Weil etliche EU-Staaten darauf pochen, das Geld aus den Fördertöpfen der Union gezielter - zur Bekämpfung der Arbeitslosigkeit etwa - einzusetzen, soll es den Ländern erlaubt werden, Mittel aus den Unionsfonds als Sicherheit für Darlehen der EIB zu nutzen. An deren Kapital würden so auch jene Staaten kommen, die sonst an den Märkten schlecht Kredite bekämen.

In den vergangenen Jahren hat es bei der Mittelvergabe durch die EIB jedenfalls keinen Anstieg gegeben. Waren es 2010 an die 79 Milliarden Euro, sank diese Summe im Vorjahr auf 61 Milliarden Euro. Für heuer sind 50 Milliarden Euro geplant. Und der größte Teil davon, nämlich 90 Prozent, bleibe laut Molterer in der EU.




Schlagwörter

EU, EZB, Eurobonds

Leserkommentare




Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Online-Nutzungsbedingungen an.


captcha Absenden

* Pflichtfelder (E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht)


Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2013
Dokument erstellt am 2012-05-23 18:32:10
Letzte Änderung am 2012-05-23 22:08:02


Beliebte Inhalte



Herbert Stepic am Freitag vor der Presse. - APAweb/GEORG HOCHMUTH
  • Stepic stolperte über seine publik gewordenen privaten Offshore-Geschäfte.
  • weiter

  • Johann Strobl als Nachfolger von Stepic im Gespräch.
  • weiter

  • FCC pocht angeblich auf neue Kredite und auf Haftungen der Republik.
  • weiter

Mehr als 5000 "Siemensianer" arbeiten derzeit noch in der neuen "Siemens-City" in Wien-Floridsdorf. - apa
  • Auch in Österreich wackeln bis zu 1000 Arbeitsplätze
  • weiter

Vor vier Jahren hat Raiffeisen beim Bund eine milliardenschwere Kapitalhilfe abgerufen. - apa/Schneider
  • Raiffeisen muss 1,75 Milliarden für Rückzahlung an Republik auftreiben.
  • weiter

Herbert Stepic am Freitag vor der Presse. - APAweb/GEORG HOCHMUTH
  • Stepic stolperte über seine publik gewordenen privaten Offshore-Geschäfte.
  • weiter

Notenbank-Direktor Ittner: Seit 2002 erzielt Österreichs Volkswirtschaft Leistungsbilanzüberschüsse.
  • Leistungsbilanz für 2012 weist
  • 5,5 Milliarden Euro Überschuss aus.
  • weiter

Keine Wachstumsimpulse für die heimische Produktion durch Aufträge aus dem Ausland.  (Symbolbild: Stahlarbeiter) - APA/HANS KLAUS TECHT
  • Letztes nennenswertes Quartalswachstum liegt schon ein Jahr zurück.
  • weiter

Stromstöße und Leistungsabfall: In der Austrian Power Grid (hier Bundespräsident Heinz Fischer bei einem Besuch 2012) werden Netzschwankungen ausgeglichen. - apa/BH/Tatic
  • Subventionen für erneuerbare Energien führen zu Marktverzerrung.
  • weiter

Hinhaltetaktik Österreich wartet mit dem Informationsaustausch auf die Schweiz - und die Schweiz wartet auf den Rest der Welt. - reu
  • Österreichs Forderungen sind legitim, zögern aber mögliche Verhandlungserfolge hinaus.
  • weiter




Werbung



Quiz



Haremsdame vor dem Rathaus

Gottfried Helnwein, Peinlich, 1971, Die Wolldecke eines Navajo-Häuptlings wurde bei Sothebys in New York für rund 221.000 US-Doller versteigert. Es war die erste Auktion aus dem Nachlass der Sammlung Andy Williams, des bekannten US-amerikanischen Popsängers und Fernsehentertainers.

Chondrocladia lyra, ein fleischfressender Schwamm, lebt über drei Kilometer tief im Pazifik vor der Küste von Kalifornien. Die Art wurde von der Universität von Arizona in Tempe (USA) für die Liste der skurrilsten Entdeckungen 2012 ausgewählt. "Erstbegehung" des Wiener Wahrzeichens:  Slackliner Christian Waldner arbeitete sich in 60 Metern über dem Boden Schritt für Schritt vom großen Steffl-Turm (Südturm) bis zum südlichen Heidenturm vor und tänzelte nach kurzer Verschnaufpause wieder retour. Der Drahtseilakt dauerte rund zehn Minuten.

Werbung