Wien. (sf) Die Türkei hat im Vorjahr mit 8,5 Prozent das zweitgrößte Wachstum nach China geschafft - durch die starke Wirtschaft habe ein EU-Beitritt für die Türkei an Bedeutung verloren, sagt Marco Garcia, der österreichische Wirtschaftsdelegierte in Istanbul. Der Spieß hat sich umgedreht. Die Verhandlungsposition des Landes in den Beitrittsverhandlungen habe sich gebessert. Außerdem bestehe bereits eine Zollunion zwischen der Türkei und der EU - wirtschaftlich gesehen sei ein Beitritt also aus Sicht der Türkei nicht notwendig.
Europa ist zwar der wichtigste Handelspartner der Türkei - fast die Hälfte der Exporte gehen in die Europäische Union, vor allem nach Deutschland. Doch das Land am Bosporus orientiere sich zu den Wachstumsmärkten im Nahen Osten hin: Der Irak ist der zweitwichtigste Handelspartner. Dahinter folgen Russland und die USA. Für heuer wird ein Wirtschaftswachstum von bis zu vier Prozent in der Türkei erwartet, weil die Exporte in die EU aufgrund der krisenbedingt sinkenden Nachfrage zurückgehen.
Österreich bleibt größter Investor in der Türkei
Nach Österreich stiegen die türkischen Exporte im Vorjahr um 17,9 Prozent auf 1,04 Milliarden Euro. Die österreichischen Ausfuhren in das Land erhöhten sich etwa im gleichen Ausmaß auf 1,3 Milliarden Euro. Österreich war zum dritten Mal in Folge der größte Investor im Land mit rund 1,8 Milliarden Euro. Welcher Großinvestor für diese hohe Summe sorgte, sei allerdings nicht bekannt, so Garcia.
Zu den heimischen Großinvestoren in der Türkei zählen der Mineralölkonzern OMV, der Energiekonzern Verbund, der mit der Familienholding Sabanci das Joint Venture Enerjisa gegründet hat, sowie der Caterer Do&Co, der weiter expandiert.
Heimische Klein- und Mittelbetriebe sollten den Markteintritt in die Türkei über Istanbul wagen, sagte Garcia. In der Stadt mit 15 Millionen Einwohnern liege die Kaufkraft um 70 Prozent höher als in ländlichen Regionen.